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Ulm/Neu-Ulm

22.01.2020

Motel One will in Ex-Abt am Ulmer Münsterplatz einziehen

Eine 1879 begonnene Tradition ist am Münsterplatz zu Ende: 140 Jahre nachdem Carl Abt am Münsterplatz begann Eisenwaren zu verkaufen, wurde das Geschäft in die Hirschstraße verlegt. Immobilieninhaber will hier nun ein Hotel verwirklichen.
Bild: Alexander Kaya

Die Münchner Hotelkette bestätigt Pläne auf dem Münsterplatz Fremdenzimmer zu vermieten. Nicht nur Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch hat Bedenken.

Das 2000 gegründete Unternehmen Motel One mit Sitz in München bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass am Münsterplatz ein neues Hotel entstehen soll. Und zwar im ehemaligen Abt-Gebäude, das derzeit leer steht. Oder zumindest auf dem Grundstück. Weitere Details seien zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Überhaupt sei für die Planung Projektpartner Erwin Müller zuständig. Eine Anfrage unserer Zeitung beim Drogeriekönig wurde am Mittwoch nicht beantwortet.

Wie Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch sagt, liege der Stadtverwaltung noch kein Bauantrag des Immobilienbesitzers vor, deswegen könne er dazu auch keine Stellung abgeben. „Wir verhielten und verhalten uns gegenüber der Pläne positiv“, sagt Czisch. Und nimmt damit Stellung gegenüber Vorwürfen, die die Südwestpresse in ihrer Onlineausgabe veröffentlicht hatte: Darin äußert Erwin Müller, dass die aktuellen Pläne am Münsterplatz „nicht seine erste Wahl“ gewesen seien. Eigentlich hätte er ein Einkaufszentrum als „Pendant zu den Sedelhöfen“ favorisiert. Doch die Stadtverwaltung habe dies durch „unkooperative Haltung“ verhindert. Angeblich seien zu viele Gutachten vonnöten gewesen.

Müller wurde empfohlen, mehrere Entwürfe einzuholen

Aufgrund der städtebaulichen „sensiblen Ecke“ hatte die Ulmer Bauverwaltung wie berichtet Müller empfohlen, Entwürfe mehrerer Architekten einzuholen. Diskutiert wurde offenbar auch über das Thema Tiefgarage. Hier hat das Rathaus ein Wörtchen mitzureden, was die Zufahrt angeht. Und die könne selbstverständlich nicht über den Münsterplatz oder die Fußgängerzone in der Platzgasse erfolgen - übrig bleibt nur Pfauengasse oder Rebengasse.

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OB Czisch ist überzeugt, dass die Pläne von Müller, sofern sie wirklich umgesetzt werden, für viel Wirbel in der Hotel- und Gastronomiebranche sorgen werden. Was eine etwaige Genehmigung des Projekts angeht, verweist Czisch auf den laufenden Innenstadtdialog, der die Bevölkerung in Entscheidungen miteinbeziehen soll. Wie die Südwestpresse berichtet, setzt der Firmenpatriarch weniger auf Dialog mit der Stadtverwaltung und zitiert den 87-Jährigen so: „Wenn sie mich ärgern, dann lass ich alles so stehen.“

Rund um Ulm enstehen 1000 zusätzliche Hotelbetten

Als ein unsensibles Verhalten bezeichnet das Wolfgang Dieterich, der Chef der Ulm/Neu-Ulm Touristik. Und sollten die Pläne von Müller verwirklicht werden, sieht der Touristiker Motel-One auf einen „ziemlich gesättigten Markt“ treffen. 5.500 Hotelbetten gebe es derzeit in Ulm/Neu-Ulm und 1.000 zusätzliche seien in Planung. „Dann hätten wir Karlsruhe überholt.“ Und Karlsruhe hat fast doppelt so viele Einwohner. In Bau ist derzeit das Me&All-Hotel mit 147 Zimmern bei den Sedelhöfen. In Planung sind ein noch namenloses Boutique-Hotel hinter Kaufhof in der Deutschhausgasse, ein Centro Hotel in der Kässbohrerstraße zudem offenbar ein Hotel der Achat-Gruppe in der Reuttier Straße in Neu-Ulm. Überlegungen gebe es zudem, in der Wilhelmsburg ein Hotel zu eröffnen.

Motel-One, eine renommierte Kette

Positiv findet Dieterich, dass sich die renommierte Hotelkette Motel One für Ulm interessiere. Das sei eine Auszeichnung, denn die Münchner Hotelbetreiber agierten bisher nur in weit größeren Städten. In der Branche habe Motel One einen sehr guten Ruf. Die Gruppe sieht sich als Begründer und Vorreiter des Budget-Design-Konzepts und gewann jüngst um zweiten Mal in Folge den Deutschen Kunden-Award der Gesellschaft für Verbraucherstudien. Allein durch den Online-Auftritt der Hotelkette werde Ulm im Wettbewerb mit anderen Städten einen zusätzlichen Schub erhalten. Allerdings rechnet Dieterich mit einem harten Ringen um die Kunden, der zu niedrigeren Übernachtungspreisen und Belegungsquoten führen werde. Finanzstarke Filialisten seien den Kostendruck gewöhnt und könnten das ausgleichen. Die Leidtragenden, so befürchtet Dieterich, könnten kleinere und mittlere Hotels sein, hinter denen noch direkt der Inhaber steht.


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