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14.07.2010

Müssen Mieter Werken weichen?

Noch liegt das ehemalige Bundeswehrgelände im Eschach brach: Wenn hier Firmen ihre Werke ausbauen, dann müssen Anwohner wohl zurückstecken. Foto: rfu
Bild: rfu

Weißenhorn Vier gewinnt: Die Weißenhorner Firmen Peri GmbH, Scholz Recycling, Ritter & Bader und Oetinger werden sich wohl künftig das ehemalige Bundeswehrgelände teilen. Sie wollen dort ihre Werke erweitern. Dafür hat der Stadtrat in einer Sitzung nun den Weg geebnet. Mit einer Gegenstimme billigte das Gremium einen neuen Bebauungsplan, der das Areal als Gewerbegebiet ausweist. Das Problem: Noch sind die Häuser an der nahegelegenen Adolf-Wolf-Straße bewohnt. Die Mieter müssten der Industrie offenbar weichen. Anwohner in der Eschachsiedlung sind davon nach Angaben der Stadtverwaltung aber nicht betroffen.

Stadtbaumeister Burkhard Günther legte die Karten in der Ratssitzung auf den Tisch: "Eine gewerbliche Nutzung ist mit einer Wohnbebauung in der Adolf-Wolf-Straße nicht denkbar." Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt betonte die Notwendigkeit einer Abwägung: "Was geht vor - gewerbliche Entwicklung oder Anwohner? Diese Frage wird irgendwann beantwortet werden müssen." Er verwies darauf, dass dazu jetzt noch keine Entscheidung gefallen sei.

In der Sommerpause wolle die Verwaltung mit beteiligten Bürgern und Firmen sprechen. Auch die etwaigen Bedenken der Anwohner in der Eschachsiedlung sollen gehört werden. Zwar werden eine Halle und ein 15 Meter breites Waldstück sie von den geplanten Industrieanlagen abschirmen. Dem Vernehmen nach befürchten mehrere Bürger aber, dass ihnen größerer Lärm durch Produktion und Verkehr die Nachtruhe rauben wird.

Die Häuser in der Adolf-Wolf-Straße wurden im Jahr 1948 als Notwohnungen für rückkehrende Heimatvertriebene errichtet. Die Eineinhalb- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen wurden damals ohne Bäder angelegt, verfügen aber über WC und Waschbecken. Die Häuser gehören der Weißenhorner Wohnungsbau-Gesellschaft - über 90 Prozent an ihr hält die Stadt, die Restlichen die Volksbank. Heute leben in den Wohnungen nach Angaben von Stadtbaumeister Günthervor vor allem Menschen, die "auf Wohnkomfort verzichten wollen". Abschieben wolle man die Anwohner nicht, aber die Siedlung werde im Zuge des Ausbaus der Firmen wohl aufgegeben werden müssen. Aber bis dahin würden noch einige Jahre vergehen, so Günther.

Rätin Petra Bohatsch (SPD) äußerte sich in der Sitzung gegen den Plan: "Die Anwohner in der Adolf-Wolf-Straße könnten denken, sie haben keine Rechte mehr." Ähnlich sah das Rat Bruno Simmnacher (PWG): "Wir entscheiden ohne Rücksicht auf sozial benachteiligte Menschen." Rätin Bohatsch lehnte den Bebauungsplan in der Abstimmung schließlich ab.

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