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Konzert

05.04.2017

Musik kennt viele Sprachen

Großer Auftritt: der Oratorienchor zusammen mit den Süddeutschen Kammersolisten in der Pauluskirche.

Der Oratorienchor legt in der Pauluskirche einen bewegenden Auftritt hin – mit einer Uraufführung und einigen fremden Texten

Dieses Konzert wird allen Beteiligten und Besuchern so schnell nicht aus dem Gedächtnis verschwinden – beeindruckend erklangen unter dem Dirigat von Thomas Kammel Werke von John Williams, Karl Jenkins und – als deutsche Erstaufführung – „Slegar“ von Giovanni Bonato. Letzterer war selbst vor Ort in der Ulmer Pauluskirche, um die Interpretation seines ebenso aufwendigen wie klangschönen Werks zu verfolgen. Und was er hörte, war (nicht nur) zu seiner absoluten Zufriedenheit.

Der Oratorienchor stand in Gruppen um den Zuschauerraum herum, das Orchester baute frontal eine geheimnisvolle, sich fortwährend steigernde Melodie auf, die sowohl hymnisch wie auch von melancholischen Tönen gefärbt ist. „Slegar“ wurde mit einem zimbrischen Text unterlegt – ein Dialekt, der dem Oberbayerischen verwandt ist und nur noch in einem Ort in Oberitalien gesprochen wird. Bonatos Hinwendung zu dieser Sprachinsel mündete in einem beeindruckenden Werk für Solo-Viola und -Cello sowie Chor und Orchester. Schon hier fiel auf, wie großartig differenziert und dynamisch das Orchester der Süddeutschen Kammersolisten Stuttgart spielte. Der Jubel nach Verklingen des Werkes war enorm – und Bonato musste, zu seinem sichtlichen Erstaunen, nach dem Konzert zahlreiche Konzertprogramme signieren. Man wird sicherlich noch mehr von dieser erstaunlichen Klangwelt hören, denn aktuell bereitet das Label „ECM“ eine CD mit Werken von Bonato vor.

Nicht minder beeindruckend aber auch die weiteren Konzertelemente. Da erklang eine dreisätzige Suite der Themen aus „Schindlers Liste“ von John Williams. Eine Filmmusik, die es schon vor Jahren auf die Konzertbühne schaffte, wo sie dank ihrer thematischen Fülle und emotionellen Dichte seither fester Bestandteil ist. Geigerin Aischa Gündisch spielte die so genuin jüdisch anmutenden Themen überaus warm und innig, das nahtlose und perfekte Zusammenspiel von Solistin und Orchester bescherte dem Hörer ein ausgesprochen anrührendes Musikerlebnis.

Musik kennt viele Sprachen

Nach den eher intimen Klängen von Williams erklang mit Karl Jenkins „Stabat Mater“ ein wuchtiges, gleichwohl durchweg unterhaltsames modernes Sakralwerk, das in manchen Passagen an druckvolle Filmmusik von Ennio Morricone erinnerte, dann wieder mit der schönen dunklen Tönung der Duduk Flöte auch sehr innige Momente bot. Der Oratorienchor leistete Beeindruckendes – denn das mehr als 45-minütige Werk mit seinen rhythmisch forcierten Teilen und den weit ausgreifenden Klängen ist eine Mischung aus historischen und modernen Klängen, vermengt orientalische und europäische Klänge ohne Berührungsängste.

Ein beeindruckendes Konzert auf allen Ebenen. Zuletzt sei Sängerin Seda Amir-Karayan herausgehoben, deren Gestaltung der Solopassagen im „Stabat Mater“ bemerkenswert war. Die Sängerin mit ihrem wunderschönen Mezzosopran erzeugte eine Innigkeit im Klang, die man als Zuhörer nur mit großer Begeisterung empfinden konnte. Ihre Soli – oftmals basierend auf alten hebräischen, aramäischen und lateinischen Texten – füllten die Klänge von Jenkins mit emotionaler Tiefe. So gelang ein wahrlich bewegendes und unvergessliches Konzert.

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