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Konzert

26.07.2016

Musiker hauchen alten Noten neues Leben ein

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Teile der Musikaliensammlung der Stadtbibliothek können in einer Sonderausstellung im Foyer besichtigt werden.

Das Scherer-Ensemble führt in der Bibliothek Werke aus sieben Jahrhunderten auf, die in Ulm entstanden oder gedruckt wurden

Eine Bibliothek bewahrt Bücher auf – auch historische Bestände, oft mehrere Hundert Jahre alt. Und Musik ist die flüchtigste aller Künste, mit dem Ton verklungen. Was haben beide miteinander zu tun? Eine ganze Menge, wie das Festkonzert zum 500. Geburtstag der ältesten deutschen Stadtbibliothek – der Ulmer – zeigte: Musik-Enthusiast Thomas Müller beschäftigt sich seit 15 Jahren intensiv mit musikalischen Werken, die in Ulm entstanden oder gedruckt wurden. Sein Scherer-Ensemble mit Gästen führte ebensolche Werke aus sechs Jahrhunderten auf, die entweder in Ulm komponiert oder gedruckt wurden und die in der Musikaliensammlung der Stadtbibliothek aufbewahrt werden.

Der Bestand, von dem Teile in einer Sonderausstellung im Foyer der Stadtbibliothek besichtigt werden können, ist enorm breit: Aus dem 15. bis 21. Jahrhundert stammen die Kompositionen, deren Texte in mehreren Sprachen verfasst sind. Etliches kommt aus der Schermar-Bibliothek, anderes gelangte – wie die Nachlässe des 2010 verstorbenen Komponisten und Wengen-Kantors Bernhard Rövenstrunck und seines 2007 gestorbenen Freundes, des katalanischen Komponisten und Wahl-Ulmers Jaime Padrós – erst in den vergangenen Jahren in die Bibliothek.

Die strenge Herbheit Josquin Desprez’, einen „Juden Tantz“ Newsiedlers aus dem 16. Jahrhundert oder Lieder Hans Leo Haßlers, eines Wahl-Ulmers, der 1564 bis 1612 lebte, komponierte und Musik-Automaten baute, erweckte das Scherer-Ensemble eindrucksvoll zum Leben. Mozarts „Zufriedenheit“, das herrlich ironische Lied „Der Provisor“ Christian Friedrich Daniel Schubarts, John Dowlands „Frog“-Galliard, Jaime Padrós „El Noi de la Mare“ – verschiedener könnte Musik kaum sein wie die am Festabend präsentierte Auswahl. Besonderes Vergnügen hatten die Zuhörer an Rövenstruncks Satire „Technokratische Froschperspektive“. Auch an den 1990 verstorbenen Münsterkantor Edgar Rabsch erinnerte das Festkonzert mit dessen „Sonett XXXI“: Rabschs Nachlass wird seine Familie im kommenden Jahr an die Stadtbibliothek übergeben.

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Zwei Auftragskompositionen erlebten am Festabend ihre Uraufführung: Wengen-Kantor Andreas Weil hatte sich basierend auf den Liedern Ulmer Meistersinger mit einer verschwimmenden Kathedralenakustik beschäftigt, die sowohl das Scherer-Ensemble wie auch die Zuhörer forderte. Markus Munzer-Dorn, der beim Festkonzert auch als Gitarrist und Lautenist auftrat, schuf auf der Grundlage der Stadtentstehungslegende des ersten Ulm-Chronisten Felix Fabri sein „Aqua rerum principium“: das Wasser als Anfang der Dinge, auch der Ulmer Stadtgeschichte. Amazonen errichten da in den sumpfigen Niederungen am Zusammenfluss von Donau und Iller ihren Diana-Tempel, kastrieren Männer und geben ihnen einen Jungfrauen-Chor bei. Freilich eine Sage, die Fabri aufschrieb, doch eine musikalisch kunstvolle und amüsant zu hörende Komposition.

Aus Schüler-Workshops von Musikkursen des Humboldt- und des Schubart-Gymnasiums entstanden im Vorfeld vier Kompositionen, die ebenfalls erstmals aufgeführt wurden und begeisterten Applaus bekamen – vor allem ein Satz aus der „Sonatine alla classica“ Ulrich Wiedenspahns. Der Schüler spielte sich damit in die Herzen des Publikums. Ähnlich gut kamen das „Menu surprise: Silence“ und der romantisch angehauchte „Frühlingsabend“ von Schubart-Schülern an.

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