Newsticker

Spahn: Bisher wurden rund 300 Corona-Infektionen über die App gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Muslime zeigen Flagge

Ulm/Neu-Ulm/Nersingen

01.10.2015

Muslime zeigen Flagge

Zwei Moscheen mit Minaretten gibt es in der Region: Über der Ditib-Moschee in der Herrlinger Straße (Foto) erhebt sich ein etwa 12,5 Meter hoher Glasturm. Auch in der Moschee in Nersinger Ortsteil Straß gibt es ein Monarett.
Bild: Andreas Brücken

Moscheen in der Region öffnen am Samstag ihre Pforten und zeigen sich weltoffen. Schulrektorin Beate Altmann erinnert hingegen an bestehende Probleme mit Extremismus.

Die tolerante, weltoffene Seite des Islam soll am Samstag, dem Tag der offenen Moschee, präsentiert werden. Eine extremistische Minderheit bestimmt in einer Region, in der aus einem „Multikulturhaus“ einst Haasprediger zum blutigen Kampf gegen „Ungläubige“ aufriefen und die El-Kaida-Prominenz ein und aus ging, aber immer noch in weiten Teilen die Bilder des Islam, die in den Köpfen vieler Menschen verankert sind.

Dass Islamismus auch heute noch präsent an der Donau ist, wird Beate Altmann, Rektorin der Grundschule in der Stadtmitte Neu-Ulm, am morgigen Freitag einem Millionenpublikum in der SWR-Fernsehsendung Nachtcafé erzählen: „Die Schüler werden in einigen Koranschulen rassistisch indoktriniert und radikalisiert. Bereits Achtjährige hetzen in den Klassen gegen Andersgläubige“, sagt sie als Ankündigung der Sendung unter dem Titel „Fremde Heimat Deutschland.“ Die islamistischen Hetzparolen von Neu-Ulmer Grundschülern, die im Unterricht kundgetan worden waren (wir berichteten) haben eine bundesweite Debatte losgetreten, die bis heute anhält. Altmann ist überzeugt, dass der Extremismus kein Einzelphänomen an ihrer Schule ist, sondern weit verbreitet und damit ein Risiko für den sozialen Frieden im ganzen Land.

Auch gemäßigte muslimische Gelehrte, wie Israfil Polat etwa, Ulmer Imam des türkisch-islamischen Kulturvereins, verzweifeln oftmals an ihren extremistischen Glaubensbrüdern. Das Problem sei die oftmals sehr schlechte Bildung im Elternhaus. Über die Betonung der Gemeinsamkeiten der beiden Religionen versuche er, dem extremistischen Gedankengut entgegen zu wirken. Wichtig seien Veranstaltungen wie der Tag der offenen Moschee, um Begegnungen von Muslimen und Christen zum Alltag werden zu lassen.

Muslime zeigen Flagge

Gemeinsamkeiten der beiden Weltreligionen betont auch Cengiz Altindas, Vorstandsmitglied des türkischen Kulturvereins, der die Moschee im Nersinger Ortsteil Straß betreibt. „Alles sind Gotteshäuser. Ich gehe gerne in Kirchen“, sagt er. Und seine Mutter, eine Muslima, bete sogar in Kirchen – ein für Islamisten undenkbar offener Umgang mit dem Christentum. Als offen für alle will der Kulturverein die Nersinger Moschee präsentieren. Ein Volksfest für Christen und Moslems soll es sein, was von Freitag, 2. Oktober, bis einschließlich Sonntag, 4. Oktober, in Straß stattfindet: Mit Livemusik, türkischen Volkstänzen, hausgemachten Orient-Spezialitäten, Moschee-Führungen und einer Hüpfburg.

Im Großraum Neu-Ulm ist die Nersinger Moschee laut Cengiz Altindas, das einzige islamische Gotteshaus, das am Tag der offenen Moschee teilnimmt. Aber grundsätzlich offen seien „fast alle“. Über andere Gemeinden möchte er nicht urteilen. Fakt ist, dass nicht nur Schulrektorin Altmann die Wurzeln des Hasses aus Kindermündern, der in ihrer Schule offenbar wurde, in diversen Koranschulen der Region vermutet. Auch die Polizei interssierte sich dafür und stellte Ermittlungen an. In Ulm laden erstmals alle muslimischen Gemeinden zu einer zentralen Veranstaltung am Tag der offenen Moschee ein. Das „Islamisches Kulturcentrum Ulm/Bosnische Moschee“, Ditib, IGMG und „Donau Kultur und Bildung Ulm“ repräsentieren laut Saliou Gueye, Leiter der Koordinierungsstelle „Internationale Stadt“ in Ulm, etwa zwei Drittel der 10000 Muslime in Ulm.

Mit diesen Gemeinden gebe es einen regen Austausch und ein wahres Miteinander. Nicht zuletzt institutionalisiert über den Ulmer „Rat der Religionen“. „Hinterhofmoscheen“, in denen möglicherweise fragwürdige Lehren verbreitet werden, seien hingegen nur schwer zu erreichen.

Leicht zu erreichen ist am Samstag die Bosnische Moschee im Ulmer Westen, in der der gemeinsame Empfang der Ulmer Gemeinden stattfindet: Um 10.30 Uhr fahren kostenlose Shuttle-Bus vom Rathaus in den Auchertwiesenweg tief im Ulmer Westen. „Reiseleiterin“ auf dem Weg zu mehr Verständnis unter den Religionen ist Ulms Sozialbürgermeisterin Iris Mann.

Fernsehen Die Sendung Nachtcafé unter dem Titel „Fremde Heimat Deutschland“ wird am Donnerstag aufgezeichnet. Sendetermin ist am Freitag 3. Oktober, um 22 Uhr im SWR.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren