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Ausgrabungen

21.11.2018

Muss die Elchinger Geschichte umgeschrieben werden?

Vor der Kirche wurden Spuren aus dem Mittelalter gefunden. Gräber und Mauerreste müssen von Archäologen jetzt bearbeitet werden.
Bild: Andreas Brücken

Vor der Klosterkirche graben Archäologen nicht nur Zeugnisse aus dem Mittelalter aus

Große Erwartungen setzen viele Elchinger in die Neugestaltung des Klostervorplatzes, der nach langer Planung im Rahmen der Ortskernsanierung vor drei Monaten in Angriff genommen wurde. Dass sich in der geschichtsträchtigen Erde so manche historische Überraschung verbergen könnte, war allen Planern von Anfang an bewusst. Doch was bisher gefunden wurde, sprengte alle Erwartungen der Beteiligten – und den Zeitrahnen für die Bauarbeiten.

Auf Schritt und Tritt seien Grabstätten vor der Klosterkirche gefunden worden, erklärte jetzt der zuständige Landschaftsarchitekt Frank Hornikel den Mitgliedern des Gemeinderates. Insgesamt 82 Bestattungen oder Bestattungsreste aus dem Hoch- bis Spätmittelalter wurden westlich des Kircheneinganges gefunden.

Die Dokumentation der Funde erweist sich derweil als äußerst zeitaufwendig und kompliziert, wie Hornikel erklärte: „Die Toten wurden in mehreren Schichten übereinander begraben, dazwischen finden sich Überreste von Gebäudeteilen und wucherndes Wurzelwerk.“ Häufige Fehlbildungen an den Skeletten ließen auf ein Spital schließen, das nahe der heutigen Klosterkirche gestanden haben muss.

Um die Funde zu dokumentieren, werden die Grabungen von Archäologen akribisch skizziert und dokumentiert: „Die sterblichen Überreste werden in Holzkisten gelegt und anschließend vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege aufbewahrt“, erklärte Hornikel den Räten. Manfred Bittner von der Elchinger Umweltliste regte an, die sterblichen Überreste in einem Klostermuseum der Gemeinde auszustellen.

Neben den zeitlichen Verzögerungen muss die Gemeinde nun auch tiefer in die Tasche greifen, um die archäologischen Arbeiten zu bezahlen. Auf rund 328000 Euro schätzt die Verwaltung die Mehrkosten, die dafür anfallen.

Johann Gröger von den Freien Wählern betrachtete die Funde aus zweierlei Blickwinkeln: Einerseits sei es großartig, auf eine gehaltvolle Geschichte zurückblicken zu können, andererseits müsse man den finanziellen und zeitlichen Aufwand betrachten, den die Ausgrabungen mit sich brächten. Deshalb forderte Gröger die Verwaltung auf, nach Zuschüssen für die Mehrbelastungen zu suchen. Rätsel gibt derweil noch der Fund von Mauerresten auf, die auf ein bis dato noch unbekanntes Gebäude schließen lassen, erklärte Hornikel. Überraschend sei der Fund einiger unscheinbarer Holzpfähle und Scherben, die von den Archäologen auf die Zeit um 800 vor Christus geschätzt wurden. „Damit müsste man die Geschichte Elchingens neu schreiben“, sagte Hornikel.

Bei dieser Neuigkeit konnten sich zahlreiche Räte ein hämisches Lachen nicht verkneifen. Hatten doch kurz zuvor die Fraktionen der Unabhängigen Freien Wähler Gemeinschaft Elchingen (UFWG) und der CSU einen finanziellen Zuschuss für eine Buchveröffentlichung über die Klostergeschichte auf die Tagesordnung gesetzt. Statt der beantragten 5000 Euro bewilligten die Räte für das Werk des Straßer Autoren Anton Aubele jedoch nur 200 Euro.

Während die Archäologen derzeit noch mit den Ausgrabungen beschäftigt sind, wartet die beauftragte Baufirma darauf, weitermachen zu können.

Um die Grabungsarbeiten zu beschleunigen, sollen nach Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege die tieferliegenden Gräber mit Sand und Beton geschützt werden.

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