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Weihnachten

28.12.2020

Mut und Hoffnung aus der Bibel

Ziemlich leer war es am Heiligen Abend im Ulmer Münster beim Familiengottesdienst um 15 Uhr. Längst nicht alle knapp 300 zugelassenen Plätze waren besetzt.
Bild: Oliver Helmstädter

Die Plätze in den Kirchen für die Gottesdienste waren an den Feiertagen begrenzt. Einige Pfarrer aus der Region trösten die Menschen in der Krise mit ihren Predigten

Die Plätze in den Kirchen waren zu den Gottesdiensten um die Weihnachtsfeiertage begrenzt. Deswegen gibt es hier Auszüge aus einigen Predigten. An den Weihnachtsgottesdiensten in der Stadtpfarrkirche St. Martin in Illertissen konnte, um den Corona-Hygieneregeln zu entsprechen, nur teilnehmen, wer eine Eintrittskarte hatte. Was hätte da für die Predigt besser gepasst, als eben die Rücksichtnahme gegenüber anderen zu thematisieren. Pfarrer Andreas Specker bezog sich auf das Lukas-Evangelium (Lk 2,1-20): „Es kann Friede auf Erden werden, wenn wir anfangen, von uns selbst abzusehen und den anderen in den Blick zu nehmen.“

Nicht eigene Interessen sollten unser Handeln bestimmen, sondern die höhere Ehre Gottes. Die übrigens in der ganzen Diskussion um die Feiern der Heiligen Nacht beziehungsweise des Weihnachtsfestes ein bisschen zu kurz gekommen sei, findet Specker. Die Ehre Gottes aber sei der lebende Mensch, zitiert er den heiligen Irenäus. Symbolisiert werde das in der mehrmaligen Erwähnung der Windeln, in die Maria ihr Kind wickelt und die von den Engeln als Erkennungszeichen genannt werden. An denen die Hirten erkennen, dass sie hier richtig sind: „Wenn wir Gott finden wollen, dann müssen wir dahin gehen, wo Menschen in Windeln gewickelt werden.“ Nicht nur Kleinkinder seien hier gemeint, sondern auch behinderte, kranke und alte Menschen. In der Pandemie besonders diejenigen, die Intensivbehandlung oder künstliche Beatmung brauchen. Gemeint seien aber auch alle die, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht für sich selbst sorgen könnten: psychisch Kranke, Traumatisierte oder sonst irgendwie aus der Bahn Geworfene – nicht zuletzt die Flüchtlinge, die auf Lesbos oder in unseren Asylunterkünften gestrandet sind. Specker weiter: „Gott wird Mensch, damit wir mit unserem Blick auch unser Denken und Handeln ändern: Es geht nicht in erster Linie um mich und um mein Wohlgefallen, sondern es geht um den anderen, der Abbild Gottes ist.“ Und er führt ein im Zusammenhang mit überfüllten Intensivstationen gerade kontrovers diskutiertes Thema an: die Triage. „Die Frage ist doch, was das für uns als Christen bedeutet und ob wir nicht, mit Blick auf die anderen, von vornherein auf das Intensivbett und die Beatmungsmaschine verzichten sollten, die ein anderer eventuell nötiger braucht als wir – etwa in Form einer Patientenverfügung.“

Der Weißenhorner Jugendpfarrer Daniel Rietzler predigte, dass im Schauen auf das hilfsbedürftige Kind in der Krippe auch unsere Verletzlichkeit in einem anderen Licht erscheine. Angesichts der aufscheinenden Liebe, angesichts eines Gottes, der eine Schwäche für uns hat, sei auch die Verletzlichkeit des Menschen kein Defekt mehr, wie es der Perfektionswahn vortäusche. „Wer schon mal seine Verletzlichkeit innerlich erlebt und erlitten habe, der weiß um das größte Geschenk des Lebens: ein liebendes Du, das sich um mich sorgt und mir in meiner Verletzlichkeit Geborgenheit schenkt.“ Dass dies manche Menschen im Moment nur begrenzt erfahren, lasse sich als verborgenes Drama dieser Tage bezeichnen, so Rietzler. Und doch begegne man diesem Du Gottes an Weihnachten in der Krippe. Der „verletzliche“ Gott begegne seinem verletzten Geschöpf. „Wer sich von ihm finden lässt, findet einen echten inneren Weihnachtsfrieden, der befähigt, selbst zum Friedensstifter in einer aufgewühlten Zeit zu werden.“

Der evangelische Dekan Jürgen Pommer sagte in seiner Predigt, er sei ernüchtert gewesen, als er gelesen habe, dass lediglich 57 Prozent der Deutschen die Weihnachtsgeschichte kennen und von denen auch noch ein Viertel meine, sie stamme von den Gebrüdern Grimm. „Aber nun sind wir hier. Und hören die alten Worte aus dem Lukas-Evangelium.“ Die Gemeinde höre damit die alten Worte, die vor Jahrhunderten Eingang in die Bibel gefunden haben, und werde Teil einer weltweiten Gemeinschaft über Zeiten und Räume hinweg. Traditionen und Rituale seien wichtig. Sie geben dem Leben einen Rhythmus und der Seele einen Halt. „Das spüren wir gerade in diesem Jahr besonders deutlich, wo wir lieb gewordene Rituale rund um Weihnachten nicht mehr ausüben können“, sagte Pommer. Während manche nun mehr Zeit haben, sich Dingen zuzuwenden, die sonst zu kurz kommen, kämpften andere um ihre Existenz – gesundheitlich oder wirtschaftlich. „Sie brauchen unsere Unterstützung, unsere Gebete und die biblische Botschaft.“ Doch neben all dem Schrecklichen, das diese Pandemie für viele Menschen hervorgebracht habe, gebe es auch so manches Gute: „Das Bewusstsein, dass wir alle zusammengehören. Wenn ich mich so verhalte, dass andere nicht zu Schaden kommen, ist das in meinem eigenen Interesse.“ Im Buch des Jesaja im Alten Testament heiße es: „Aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes“. Dazu predigte Pommer: „Gott wird euch trösten. Ihr werdet euch freuen. Ihr habt eine Zukunft. Euer Gott hat euch nicht verlassen. Er ist da!“

Ziemlich leer war es im Ulmer Münster beim Familiengottesdienst um 15 Uhr am Heiligen Abend. Längst nicht alle der knapp 300 zugelassenen Plätze waren besetzt.

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