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Ulm

11.03.2015

Nach Eklat um Oratorium: Komponist wehrt sich

„Für dieses Gebäude zu komponieren, hat mich im Innersten erreicht“, sagt Marios Joannou Elia, hier bei einem Besuch in der Münsterbauhütte. 
Bild: Foto: Dagmar Hub

Marios J. Elia erhebt nach der Absage Vorwürfe gegen die Verantwortlichen. Das Werk sei nun fertig – und könnte eine zweite Chance bekommen.

Es gehe darum, die besondere „Biografie“ des Projektes zur Kenntnis zu nehmen – und um die Bürger, die die Absage des Hauptereignisses zum Münsterjubiläum treffe, weil diese Tragödie den Ruf der Stadt beschädige. „Die Belohnung der langen Vorbereitungszeit fehlt für alle“, sagt der 36-Jährige. Der auf der Facebook-Seite der Stadt Ulm geladene Werbe-Track aus dem Ulmer Oratorium sei allein in der ersten Woche über 40000 Mal angeklickt worden. Elia: „Was für eine Werbung und Anziehungskraft für die Stadt das war!“

Der Komponist ist überrascht darüber, als zentrales Mitglied des Teams des Ulmer Oratoriums nicht zu der für die Absage ausschlaggebenden Teambesprechung am 4. März geladen worden zu sein, an der er persönlich oder via Telefonkonferenz hätte teilnehmen können. Die Entscheidung zur Absage fiel, ohne ihn gehört zu haben. Noch am 4. März habe er von Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland Anweisungen erhalten, wohin Materialen zu schicken seien, und von Operndirektor Matthias Kaiser eine Nachricht über eine Szene des Werkes mit zwei minimalen Vorschlägen zum Text.

Elia wehrt sich gegen Darstellungen der Nicht-Aufführbarkeit seines Werkes. Von mehreren Beteiligten habe er im Vorfeld positive Kommentare bekommen. Jürgen Grözinger, Leiter der Schlagzeuggruppen, schrieb Elia zufolge am 1. März: „Ich freue mich sehr auf das Stück!“ Joo Kraus habe kommentiert: „Das wird klasse!“ Der Leiter der Jungen Bläserphilharmonie, Josef Christ, habe ihm am 3. März mitgeteilt, das Werk sei „für die JBU okay und spielbar”.

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Der Komponist verteilt die Schuld am Drama auf mehrere Schultern. Die Absage sei erfolgt, unmittelbar nachdem er per E-Mail die Übersendung der fehlenden Teile angekündigt hatte. Es habe zudem triftige Gründe für die Verspätung gegeben: Das Libretto sei ihm erst mit zwei Monaten Verspätung zugegangen. Seinen Wunsch nach einem professionellen Projektleiter oder Produzenten, der vermitteln hätte können, habe die Kulturabteilung aus Kostengründen abgelehnt. Elia war dadurch ständig aufgefordert, E-Mails zu schreiben, Erklärungen und Einweisungen zu geben, offene Fragen zu beantworten, anstatt sich auf seine eigene Arbeit zu fokussieren. Zwischen 14. Januar und dem 3. Februar schickte Elia nach seiner Darstellung sechs der acht Teile. Der eine noch fehlende Teil war fokussiert auf Schlagzeug, und der Schlagzeugleiter war auch am Tag der Absage bereit, alles umzusetzen. So blieb ein einfacher Popsong als letzter Teil. Schon früher hatte Elia Kontakt mit dessen Sängerin, Fola Dada, die einverstanden war mit dieser Planung. Am Tag der Absage waren alle Teile abgeschlossen.

Als er die Komposition ab Mitte Januar lieferte, hätte Münsterkantor Wieland in die Komposition eingegriffen und Änderungen gefordert, sodass Elia im Wesentlichen mit Anpassungen für das leichtere Singen und schnellere Proben der Amateurchöre beschäftigt gewesen sei. Ein erheblicher Aufwand. „Trotzdem war ich immer kooperationsbereit und habe versucht, alles entsprechend umzusetzen, um den Aufführenden behilflich zu sein“.

Die Chöre hätten Elia zufolge mit den Proben längst beginnen können. Bei einem so großen Projekt fange man stufenweise an und baue alles allmählich auf. Probenreifes Material habe vorgelegen. „Man hat alles fertig serviert erwartet, aber in einem solchen Prozess ist es selbstverständlich, dass alle Mitwirkenden sich viel Mühe geben.“ Eine Situation wie in Ulm erlebe er zum ersten Mal. „Der Komponist liefert normalerweise die Musik, und das Produktionsteam geht damit um.“ Elia hat die Theorie, dass die Münsterkantorei vom Oratorium überfordert gewesen sei, zumal sie am 19. Juli die „Carmina Burana“ aufführe.

Die Absage trifft Elia schwer. Sein Herzblut stecke in seiner Komposition, sagt der Künstler. „Für dieses Gebäude zu komponieren, das hat mich im Innersten erreicht“, sagt er. Und in diesem Innersten hofft er, dass das Oratorium doch noch zu hören sein wird. „Wenn es die Bürger wollen, wird ein Weg gefunden werden, das Werk aufzuführen. Das Projekt ist noch nicht tot“, sagt Elia. Einige Ulmer Künstler überlegen sich dem Komponisten zufolge, das „Ulmer Oratorium“ auf die Bühne zu bringen. Unabhängig vom Münsterjubiläum.

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