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Nach Giftattacke: Kinderklinik hat eine Chance verdient

Nach Giftattacke: Kinderklinik hat eine Chance verdient
Kommentar Von Sebastian Mayr
31.01.2020

Noch sind viele Fragen offen. Eine Antwort gibt es schon jetzt: Trotz der Giftattacke auf fünf Säuglinge hat die Kinderklinik Ulm Vertrauen verdient.

Ja, es sind noch viele Fragen offen. Zur Tat selbst genauso wie zur Aufdeckung durch das Ulmer Universitätsklinikum, zu dem die Kinderklinik gehört. Eine Antwort gibt es schon jetzt: Die Einrichtung hat es nicht verdient, das Vertrauen der Bürger zu verlieren.

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Was hat die junge Krankenschwester angetrieben, die versucht haben soll, fünf Säuglinge mit Betäubungsmittel zu töten? Trägt sie überhaupt die Schuld? Oder hat ihr womöglich jemand die Beweismittel untergeschoben? Die Staatsanwaltschaft will diese Fragen klären. Warum hat es mehr als 14 Tage gedauert, bis die Urinproben der durch Morphin lebensgefährlich bedrohten Babys ausgewertet waren? In dieser langen Zeit wären weitere Attacken möglich gewesen. Die Klinik-Verantwortlichen haben darauf nur eine dürre Antwort gegeben: Es könne an den Feiertagen gelegen haben, dass die Auswertung so viele Tage in Anspruch nahm.

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Morphin in der Muttermilch: Fünf Säuglinge in Ulm vergiftet

Auf alle anderen Fragen haben sie ausführlich geantwortet. Kinderklinik-Chef Klaus-Michael Debatin hat persönlich das Gespräch zu den Eltern der betroffenen Kinder gesucht. Er und der Leitende Ärztliche Direktor des Uniklinikums Udo X. Kaisers haben sehr viel offen gelegt – viel mehr als die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft. Dass die Ärzte nicht über die verdächtige Krankenschwester sprechen, versteht sich: Ein Unternehmen hat die Pflicht, seine Beschäftigten zu schützen. Auch in einem solchen Fall.

Das Uniklinikum hat auch eigene Nachforschungen angestrengt, strengere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ja, da wäre noch mehr möglich gewesen. Ein Vier-Augen-Prinzip etwa für Entnahmen aus dem Betäubungsmittelschrank. Doch die Reaktion zeigt auch so, wie ernst die Mediziner den Vorfall nehmen. Und wie ernst sie es damit meinen, sich das Vertrauen von Patienten, Angehörigen und allen anderen Bürgern aufs Neue zu erarbeiten: sehr ernst.

Was bleibt, ist Entsetzen über das, was geschehen ist. Und Unsicherheit, weil noch so viel unklar ist. Die Unsicherheit könnte noch lange bleiben: Wie schnell die Ermittler den Fall klären können, ist offen.

Was bleiben sollte, ist Vertrauen. Weil die Uniklinik mit aller Kraft versucht, den Fall zu klären und weitere schlimme Vorfälle zu verhindern. Und weil die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger gute Arbeit zum Wohl ihrer Patienten leisten – trotz dieser entsetzlichen Ausnahme.

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