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Ulm

03.12.2015

Nach Rauswurf: Basketball-Spieler verklagt Bundesligisten Ratiopharm Ulm

Ein 22-Jähriger klagte gegen den Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm.
Bild: Symbolbild, Alexander Kaya

Nach seinem Rauswurf hat ein Nachwuchsspieler gegen den Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm geklagt. Nach dem Urteil fürchtet der Verein weitreichende Folgen.

Nach dem Fall des ehemaligen Bundesliga-Torhüters Heinz Müller in Mainz haben nun auch die Ulmer Basketballer ganz ähnlichen juristischen Ärger an der Backe. Ein ehemaliger Nachwuchsspieler des Bundesligisten hatte gegen den Verein geklagt, weil er diesen Sommer wegen vermeintlich „fehlender Eignung“ vor die Tür gesetzt worden war.

Das Arbeitsgericht in Neu-Ulm gab dem 22-Jährigen gestern in erster Instanz recht. Weder die Kündigung sei rechtlich in Ordnung gewesen, noch hätten die Basketballer ihrem Schützling überhaupt einen auf drei Jahre befristeten Vertrag geben dürfen – laut deutschem Arbeitsrecht sind nur zweijährige Befristungen erlaubt. Eine Ausnahme im Bereich des Profisportes sahen weder im Frühjahr die Richter in Mainz, noch Richter Thomas Taubert in Neu-Ulm.

„Uns geht es bei dieser Sache ums Prinzip“, erklärte gestern Thomas Schmid, Rechtsanwalt des klagenden Spielers. Einen Vorschlag des Gerichts, sich gütlich zu einigen, hatte er im Laufe des Prozesses daher ausgeschlagen und auf ein Urteil gepocht. Schmid sieht in dem Fall eine allgemeine Bedeutung für den gesamten Profisport und eine „im großen Stil betriebene Grauzone“.

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Verteidiger: Verein habe Verantwortung gegenüber schutzbedürftigen Spielern

Dort sei es üblich, gerade junge Spieler zu sehr günstigen Konditionen anzustellen und sich darüber hinaus mit entsprechenden Verträgen alle Optionen offen zu halten. „Das umgeht den Kündigungsschutz und stellt sich als sozialwidrig dar“, sagte Schmidt. Dagegen wehren würden sich allerdings die wenigsten Sportler – aus Angst, künftig in der Branche überhaupt keinen Spielervertrag mehr zu bekommen.

Im Falle seines Mandanten hatten sich die Ulmer Basketballer die Dienste des damals 20-jährigen Talents mit einem Drei-Jahres-Vertrag gesichert. Im ersten Jahr sollte er 600 Euro, im zweiten 800 Euro und im dritten 1000 Euro verdienen – doch soweit kam es erst gar nicht. Nachdem der 2,04-Meter-Hühne lediglich im sogenannten Farmteam der Ulmer, den Weißenhorn Youngstars, zum Einsatz kam, beendete der Bundesligist das Arbeitsverhältnis.

Aus Sicht von Rechtsanwalt Schmidt ein Unding, habe der Verein doch einerseits eine Verantwortung gegenüber schutzbedürftigen Spielern. Zum andern trage seiner Meinung nach der Arbeitgeber das Risiko einer ungewissen Leistungsentwicklung seiner Angestellten – und nicht umgekehrt.

Verein will sich gegen das Urteil wehren

Auf der Gegenseite sorgte das Urteil des Neu-Ulmer Gerichtes gestern für Unverständnis. „Das kann so auf keinen Fall stehen bleiben“, erklärte Armin Weidt, der die Ulmer Basketballer vertrat, und kündigte an, weitere Rechtsmittel wie den Gang vor die nächsthöhere Instanz umgehend zu prüfen. „Das Urteil würde den kompletten Profisport aushebeln. Dann dürfte auch der FC Bayern einem Philipp Lahm oder einem Thomas Müller keinen Zwei- oder Drei-Jahres-Vertrag mehr geben“, argumentierte Weidt.

Zumal er den Fall des Ulmer Nachwuchsspielers ohnehin anders gelagert sieht. Der Spieler habe parallel zu seinem Engagement bei den Basketballern eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen. „Dem Verein ist der Nachwuchs enorm wichtig und er ist sich auch der Verantwortung bewusst“, sagte Weidt und bezeichnete den Einsatz des Spielers für den Ulmer Verein als „bezahltes Hobby, dem er nachgeht“.

Für Richter Thomas Taubert und seine zwei Beisitzer spielte das gestern allerdings keine Rolle. Er erklärte die Kündigung, gestützt auf eine angeblich fehlende Eignung des Spielers, sowie die Befristung des Vertrags auf drei Jahre für ungültig und verdonnerte die Ulmer Basketballer außerdem zur Bezahlung der ausstehenden Monatsgehälter – abzüglich der 400 Euro, die der 22-Jährige mittlerweile bei einem Basketball-Drittligisten in der Region monatlich verdient.

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