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08.01.2010

Nach Schlaganfall als Geisterfahrer unterwegs

Illertissen Mit einer Geldbuße von 1 000 Euro davongekommen ist ein 78-jähriger Mann, der im vergangenen Frühjahr bei Illertissen als Geisterfahrer auf die Autobahn aufgefahren war und dort einen schweren Unfall verursacht hatte. Wie sich danach herausstellte, hatte der Senior kurz vor dem Unfall einen Schlaganfall erlitten.

Autobahnanschlussstelle Illertissen, 13. Mai 2009: Um 10.25 Uhr kommt es zu dem schweren Unfall, weil der 78-Jährige als Geisterfahrer mit einem entgegenkommenden Pkw zusammenstößt. Eine 54-jährige Frau aus dem Raum Lindau erleidet schwere Verletzungen, unter anderem auch Beckenriss und Wirbelbrüche; ihre 28-jährige Tochter und deren einjähriger Sohn werden ebenfalls verletzt.

Fahrerlaubnis für Senioren ein "ganz heißes Thema"

Am Dienstag nun wurde der Fall vor dem Amtsgericht Neu-Ulm verhandelt, wobei Direktor Thomas Mayer anmerkte, dass das Thema "Fahrerlaubnis für ältere Menschen" ein "ganz heißes Thema" sei, wenngleich es auch mit dem schrecklichen Geisterfahrer-Unfall vor wenigen Tagen bei Altenstadt nichts zu tun habe. Die Terminierung dieser Verhandlung sei lange vorher erfolgt. Der 78-jährige Unfallverursacher hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt.

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Staatsanwalt Daniel Egge warf dem Angeklagten neben dreifacher Körperverletzung auch "fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs" vor. Der 78-Jährige machte dagegen geltend, er sei auf der Kreisstraße NU 5 von Unterroth her gefahren und unmittelbar vor deren Einmündung in die von Obenhausen kommende - damals gesperrte - Staatsstraße 2018 sei es ihm schwarz vor Augen geworden. Weil er, wie sich herausstellte, einen Schlaganfall erlitten habe. Er sei ungewollt geradeaus weiter in die Autobahneinfahrt Richtung Ulm geraten und an deren Ende nach links, also in die Gegenrichtung nach Süden, abgebogen. Er könne sich aber an nichts mehr erinnern und sei erst im Rettungswagen wieder zu sich gekommen.

Der Staatsanwalt tat sich zunächst schwer, zu glauben, dass dem 78-Jährigen die Steuerungsfähigkeit komplett abhanden gekommen war. Der Angeklagte verwies auf ein ärztliches Attest, in dem ihm bestätigt worden war, dass tatsächlich ein Schlaganfall vorgelegen habe.

Vorsitzender Richter Mayer sah nun zwei Möglichkeiten: Man könne ein Gutachten anfordern, in dem die Frage der Steuerungsfähigkeit geprüft werde. Falls diese verneint werde, was zu erwarten sei, könne die Fahrerlaubnis auf keinen Fall wieder erteilt werden. Oder der Angeklagte könne freiwillig auf seinen Führerschein verzichten, sodass das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt werden könne.

Dies sei vor allem möglich, weil sich der Mann in seinem Leben nie etwas habe zuschulden kommen lassen und rund fünfzig Jahre unfallfrei gefahren sei. Die zivilrechtliche Seite mit Schadenersatz und Schmerzensgeld für die Unfallopfer sei bereits geregelt. Staatsanwalt Egge stimmte dem Vorschlag zu und beruhigte den 78-Jährigen mit den Worten: "Niemand macht Ihnen einen Vorwurf wegen des Schlaganfalles."

Hätte wesentlich schlimmer ausgehen können

Mit dem Vorsitzenden Richter war er sich einig, dass das Ganze leicht hätte wesentlich schlimmer ausgehen können. Dieser Ansicht war auch der Angeklagte; er nahm das Angebot an und erklärte sich zum endgültigen Verzicht auf den Führerschein bereit. Unter den von Richter Mayer angebotenen Möglichkeiten wählte er die Caritas als Adressat der Geldbuße aus, die auf 1 000 Euro festgelegt wurde.

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