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Ulm

10.01.2019

Nach Tod auf der A8: So erlebten Helfer den Mega-Stau

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Bild: Ralf Zwiebler, dpa

Durch den Schnee kommt der Verkehr auf der A8 bei Ulm für zwölf Stunden zum Erliegen. Fahrer finden eine 54-Jährige tot in ihrem Wagen.

Der starke Schneefall hat den Verkehr auf der A8 in Richtung Stuttgart für viele Stunden zum Erliegen gebracht. Ab Mittwochnachmittag war es zwischen Ulm und Merklingen zu Behinderungen gekommen, weil Lastwagen quer zur Fahrtrichtung standen. Erst am Donnerstagmorgen gegen 5 Uhr kam der Verkehr wieder ins Rollen.

Eine 54-jährige Autofahrerin, die mit ihrem Wagen im Stau feststeckte, wurde gegen 20 Uhr leblos in ihrem Wagen gefunden. Die Polizei schließt ein Fremdverschulden aus. Todesursache sei wohl ein medizinischer Grund, sagte Sprecher Wolfgang Jürgens unserer Redaktion – so bezeichnet die Behörde Herzinfarkte und andere plötzliche natürliche Todesursachen. Dass die Frau in der Kälte erfroren sein könnte, wies Jürgens entschieden zurück. „Dazu gibt es überhaupt keinen Anhaltspunkt“, betonte er.

Lesen Sie auch: Frau stirbt in ihrem Auto auf der A8, während sie im Stau steht

Andere Autofahrer hatten die Frau gefunden, als der Verkehr zwischenzeitlich wieder lief. Ihr Wagen stand auf dem Mittelstreifen, während links und rechts Fahrzeuge vorbeirollten. „Irgendwann steigt einer aus und schaut, warum fährt das Auto nicht weiter“, beschreibt Polizeisprecher Jürgens, wie die Verstorbene gefunden wurde.

Stau auf der A8: DRK, ASB und THW im Einsatz

Volker Thierer koordinierte als Leiter der DRK-Rettungswache den Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes und des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB) bis etwa 1.30 Uhr, bevor er die Aufgabe an einen Kollegen übergab. Thierer berichtete unserer Redaktion, das DRK sei gegen 21.50 Uhr alarmiert worden. Gegen 23 Uhr waren die rund 80 Helfer auf der Autobahn, um die feststeckenden Fahrer zu betreuen. „Die Helfer kommen alle von zu Hause, müssen zuerst in ihre Rettungswachen, Tee und Kaffee kochen und Decken holen“, schildert der Leiter der Rettungswache. „Wir hatten großes Glück, dass uns das Restaurant Seligweiler Räume zur Verfügung gestellt hat“, sagte Thierer. Dadurch hätten auch die Helfer einen Ort gehabt, an dem sie sich aufwärmen konnten. Die Zusammenarbeit beim Einsatz habe gut funktioniert, lobte er. Die Ehrenamtlichen stemmen nach Thierers Angaben etwa einmal im Jahr einen Einsatz dieser Größe, fast immer im Winter.

Die Helfer kümmerten sich bis etwa 4.30 Uhr um die Fahrer, die auf dem Abschnitt zwischen Ulm und Merklingen festsaßen. Einmal mehr hielten nicht alle die Rettungsgasse frei. „Das war das größte Problem für uns“, kritisierte Thierer.

Frau stirbt in ihrem Auto: Hätte sie gerettet werden können?

Schon ab dem Nachmittag war das Technische Hilfswerk (THW) mit zwei schweren Lastwagen im Einsatz, um quer stehende Lkw wieder in die richtige Fahrtrichtung zu ziehen. Hätten auch die Helfer von DRK und ASB früher alarmiert werden müssen? Der Leiter der Rettungswache sieht das nicht so. In den Autos im Stau sei es warm gewesen, als die Ehrenamtlichen auf der Autobahn eintrafen, berichtete Thierer. Die Fahrer seien zudem gut auf die Notlage vorbereitet gewesen: Keinem ging im nach Polizeiangaben rund 35 Kilometer langen Stau der Sprit aus.

Stefan Kiemel ist THW-Ortsbeauftragter in Ulm. Eigentlich kümmert er sich um die Verwaltung. Doch in der Nacht auf Donnerstag stieg er gegen 1.30 Uhr selbst ins Auto, um seine Kollegen abzulösen. Bis 6.30 Uhr am Morgen bekam Kiemel gerade einmal eine gute Stunde Schlaf, zuvor hatte er den Einsatz vom Büro aus betreut. „Mein Eindruck war, dass es glatter war als sonst“, berichtete er unserer Redaktion. Der Todesfall habe seinen Kameraden, die die erfolglose Reanimation miterlebten, schwer zu schaffen gemacht. „Das ist nicht alltäglich für uns. Man stellt sich da schon die Frage: Hätten wir früher da sein müssen?“, sagte er. Doch wie? „Der Baustellenstreifen und der Seitenstreifen waren voll, eine Rettungsgasse gab es nicht. Da war kein Durchkommen“, schildert Kiemel.

A8 bei Ulm: Schneepflug bleibt stecken

Weil es immer weiter schneite, wurden die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei, die mit Räumfahrzeugen unterwegs waren, den Schneemassen zunächst nicht Herr. Durch hohes Verkehrsaufkommen wurde der frisch gefallene Schnee auf der Autobahn festgefahren. Es bildete sich eine eisige Schicht, die immer wieder Autos ins Rutschen brachte. Hinter den Lastwagen und den THW-Fahrzeugen bildete sich ein Stau, der bis zum Autobahnkreuz Ulm/Elchingen zurückreichte. Teilweise standen die Lkw zu dritt nebeneinander und blockierten die Räumfahrzeuge. Ein Schneepflugfahrer hing so über vier Stunden fest. Die Polizei sperrte die A8 immer wieder, damit der Verkehr langsam in Richtung Stuttgart abfließen konnte. Anschließend räumten und salzten Schneepflüge auf dem dann freien Abschnitt die Fahrbahn. Weil sich zahlreiche Lkw-Fahrer in der Zwangspause zum Schlafen gelegt hatten, lief die Freigabe der Teilstrecken nur sehr schleppend. „Das größte Problem war, alle Fahrer aufzuwecken“, berichtet DRK-Mann Thierer.

Viele Brummi-Fahrer nutzen für ihre Schlafpause auch die Baustellenbereiche am Fahrbahnrand. Diese gut gemeinte Notlösung versperrte den Katastrophenhelfern von DRK und ASB den Weg neben der blockierten Autobahn. In Richtung München blieb der Alb-Donau-Kreis weitgehend staufrei, da der Albaufstieg ab Gruibingen immer wieder wegen quer stehender Fahrzeuge gesperrt werden musste und nur wenige Autos überhaupt in Richtung München durchkamen. Vor Gruibingen staute es sich am Abend auch rund 15 Kilometer.

In Richtung Stuttgart kam es auf der A8 auch am Donnerstag immer wieder zu Behinderungen.

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