Newsticker

Bundesregierung erklärt fast ganz Österreich und Italien zu Risikogebieten
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Nach Vidals Rücktritt: ÖDP erhebt schwere Vorwürfe

Pfaffenhofen

08.05.2015

Nach Vidals Rücktritt: ÖDP erhebt schwere Vorwürfe

Sein Rücktritt sorgt für Diskussionen: Klaus Vidal
4 Bilder
Sein Rücktritt sorgt für Diskussionen: Klaus Vidal
Bild: Florian Ankner

Kreisverband hält Umstände des Abschieds für „desaströs“. Fall beschäftigt Dienstaufsicht weiter

Nach dem Rücktritt von Marktrat Klaus Vidal (ÖDP) erhebt seine Partei schwere Vorwürfe gegen Bürgermeister und Ratsgremium. Kreisvorsitzende Gabriela Schimmer-Göresz spricht von einem „desaströsen Bild“, das sich rund um den Abschied des Erbishofers geboten habe. „Ein schwarzer Tag für das politische Ehrenamt.“ Schimmer-Göresz bezieht sich auf die Märzsitzung, in der es, wie berichtet, auf Anregung Vidals um eine Zeiterfassung für die Mitarbeiter des örtlichen Bauhofs ging. Es kam zu einer emotional geführten Diskussion. Für die ÖDP ist klar: Ein „harmloser Antrag“ hat ein „Feuerwerk an Boshaftigkeiten“ gegenüber Vidal entzündet. Jener habe „Beleidigungen, Angriffe und Unterstellungen gar aus den Reihen der Verwaltung“ hinnehmen müssen. Hier hätte Bürgermeister Josef Walz einschreiten müssen. Dass dies nicht passiert sei, hält Schimmer-Göresz für einen „Vorgang, der seinesgleichen sucht“.

Zu Recht habe sich Vidal entschlossen, dem Gremium den Rücken zu kehren: „Wer in der Öffentlichkeit steht, muss etwas aushalten, aber wenn es so persönlich wird, hätte ich auch aufgehört.“ Kritik übt Schimmer-Göresz an Rat Karlheinz Thoma (SPD), der bemängelt hatte, Vidal entziehe sich durch den Rücktritt der politischen Verantwortung. Viel mehr sei der ÖDP-Mann ein Jahr lang engagiert gegen festgefahrene Mehrheiten angerannt – und sein Abschied deshalb nicht verantwortungslos, sondern konsequent. Als Oppositionspartei sei die ÖDP mit ihren insgesamt 400 Mandatsträgern grundsätzlich einiges gewöhnt, so Schimmer-Göresz, die auch Bundesvorsitzende ist. Doch die Vorgänge in Pfaffenhofen seien „das Schlimmste, was ich in dieser Hinsicht jemals erlebt habe“.

Rathauschef Walz will die Vorwürfe der ÖDP nicht kommentieren. Diese seien größtenteils in der Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn genannt und von der Rechtsaufsicht abgewiesen worden. „Es wurde festgestellt, dass ich keine dienstlichen Fehler begangen habe.“ Für Walz ist die Sache damit aktuell erledigt – ebenso wie der Rücktritt Vidals. Er sehe keine Notwendigkeit, „Öl ins Feuer zu gießen“.

Klaus Vidal bekräftigt, der Grund seines Abschieds liege in der Art, wie man ihn angegangen habe: „Ich will diesen Angriffen nicht weiter ausgesetzt sein.“ Nach der Zurückweisung der durch ihn gegen Bürgermeister Walz eingereichten Dienstbeschwerde, halte er sich offen, in der Sache nun bei der Regierung von Schwaben nachzufragen. „Ich will schon wissen, ob das in Ordnung war.“

Enttäuscht äußert sich Vidal zum Verlauf der jüngsten Ratssitzung, in der sein Rücktritt angenommen wurde. Gegen die dabei gegen ihn geäußerte Kritik habe er sich mehr Einspruch von Ratskollegen gewünscht, so Vidal, der damals nicht anwesend war. Aus der Bevölkerung sei wenig Resonanz gekommen. „Einer gewissen Verbitterung kann ich mich nicht erwehren.“

Persönliche Gründe seien nicht ausschlaggebend für seinen Abschied. „Auch wenn ich jetzt durchaus Trauerarbeit leisten muss“, sagt Vidal im Hinblick auf den kürzlichen Tod seines Sohns. Ob er außerhalb des Marktrats in Pfaffenhofen politisch tätig werde, wisse er noch nicht. „Ich interessiere mich natürlich weiter dafür, was hier passiert.“ Dies gelte auch für die im Raum stehenden Umgestaltung der Tavernekreuzung. Allerdings sehe er sich Anfeindungen ausgesetzt – und müsse an seine Familie denken.

Rat Dominik Wansing (Grüne) weist die Kritik der ÖDP zurück: „Ich ziehe mir den Schuh nicht an, dass ich schuld an dem Rücktritt sein soll.“ Der stellvertretende Bauhofleiter hatte in der Sitzung im März, als es um die Zeiterfassung ging, für die Mitarbeiter der kommunalen Einrichtung gesprochen. An der Stellungnahme habe er vier Abende lang gearbeitet: „Sie war nicht kuschelig, aber auch nicht beleidigend.“ Durch Zuhörer seien aber später Tatsachen „verdreht“ worden. So habe er eben nicht gesagt, dass Landwirte – wie Vidal – am Ratstisch fehl am Platz seien. „Das ist absurd, mein Vater war Landwirt und einige Kollegen sind es“, so Wansing. Er habe gesagt, er würde sich nicht anmaßen, Leuten ihre Arbeit vorzuschreiben, von der er nichts verstehe. „Das wurde überbewertet“, sagt Wansing.

Karlheinz Thoma hält die Kritik an seiner Äußerung zum Abschied Vidals für überzogen: „Ich weiß nicht, was daran beleidigend war.“ Er bleibe bei seiner Sichtweise, dass sich Vidal nun, wo es um die Umsetzung durch ihn angestoßener Themen wie das Verkehrskonzept gehe, der Verantwortung entziehe. Er hoffe, dass man im Markt bald wieder über Themen diskutiere und nicht mehr über angebliche, gegenseitige Beleidigungen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren