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14.03.2009

Nach dem Amoklauf geraten Sportschützen ins Visier von Kritikern

Landkreis Nach dem blutigen Amoklauf eines 17-jährigen Jungen in Winnenden mehren sich auch im Landkreis Neu-Ulm Stimmen, die eine Verschärfung des Waffengesetzes fordern. Ins Visier der Kritik sind wieder einmal die Sportschützen geraten, die ganze Arsenale von Waffen horten. Weil sowohl der Amokschütze in Erfurt als auch der Killer von Winnenden Mitglied in einem Sportschützenverein war, sehen sich die Organisationen Verunglimpfungen ausgesetzt. "Man schaut uns schief an", klagte ein Sportschütze aus dem Landkreis, der nichts anderes will, als friedlich sein Hobby mit dem Luftgewehr auszuüben.

Viele Landkreisbürger sind bis auf die Zähne bewaffnet, mit ihrem Arsenal könnte eine halbe Division ausgerüstet werden. Im Landkreis sind derzeit 4750 Bürger als legale Schusswaffenbesitzer registriert. Die meisten davon haben gleich mehrere Schießprügel. Insgesamt befinden sich in ihren Händen 14500 "Ballermänner", im Schnitt also fast drei Schusswaffen je Berechtigtem. Ferner gibt es noch 446 Jäger im Landkreis, die eine scharfe Waffe führen dürfen. Zwölf Waffenscheine wurden an Beschäftigte von Geldtransportfirmen ausgegeben.

Groß sind die Hürden, legal an eine scharfe Waffe zu kommen, nicht. Wer ein Jahr lang Mitglied eines Schützenvereins ist und dort eine Ausbildung mit Kleinwaffen beginnt, bekommt nach einer kurzen Prüfung über die Sachkunde beim Umgang mit Waffen in der Regel eine Waffenbesitzkarte. Damit kann er Gewehr und Pistolen kaufen, mit denen er üben will.

Mit der Wahnsinnstat von Tim K. sind die Sportschützen wieder zur Zielscheibe der öffentlichen Kritik geworden und ins Visier derer geraten, die eine Verschärfung des Waffenrechtes fordern und auch den Sportschützen schärfer auf die Finger schauen wollen. Deren Waffen sind nämlich in der Vergangenheit immer wieder als Mordwerkzeuge missbraucht worden. Auch im Landkreis Neu-Ulm. Mitte der 80er Jahre hat ein 28-jähriger Sportschütze in Burlafingen seinen Vater hinterrücks erschossen.

Nach dem Amoklauf geraten Sportschützen ins Visier von Kritikern

In den letzten Jahren wurden die Vorschriften immer wieder verschärft, inzwischen gilt Deutschland als Land mit besonders harten Waffengesetzen. "Das genügt", meint Michael Netter, Fachbereichsleiter für "Allgemeines Sicherheitsrecht" im Landratsamt Neu-Ulm. Persönliche Unzulänglichkeiten seien nie auszuschließen, auch nicht mit strengeren Vorschriften. "Eine absolute Sicherheit wird es nie geben, wenn einer eine Waffe will, kann er sich die auch auf dunklen Wegen besorgen", glaubt Netter.

Von Überlegungen, dass Sportschützen womöglich ihre Waffen zentral in den Schützenheimen lagern sollen, hält Netter wenig. Nicht nur, weil die Sportschützen seit Jahren gegen derartige Absichten Sturm laufen. "Wer garantiert die Zuverlässigkeit derer, die Schlüssel zu den zentralen Waffenschränken haben?", fragt der Fachbereichsleiter.

Kritiker allerdings glauben, dass sich Waffennarren nur deshalb einem Schützenverein anschließen, um legal Pistolen, Gewehre und Revolver kaufen zu dürfen, aber ansonsten mit sportlichem Wettkampf nichts am Hut haben. "Da sind viele Wichtigtuer dabei", meint ein Waffenrechtsexperte. Der Vergleich zwischen Mitgliederbestand und den Schießkladden liefere den Beweis. Nur ein Drittel der Mitglieder nehme regelmäßig am Übungsbetrieb teil, die anderen seien nur auf dem Papier Sportschützen.

Bei allen Überlegungen zur Verschärfung des Waffenrechtes bleibt ein Problem, das nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Die meisten Straftaten werden nachweislich mit illegalen Waffen begangen. Wie viele es davon gibt, weiß keiner. Polizeisprecher Ulrich Polzmacher: "Die Dunkelziffer ist riesengroß."

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