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Zuschauer-Stimmen

08.10.2011

Nach dem Inferno zurück zur Tagesordnung

In der ersten Schauspielpremiere der neuen Spielzeit im Großen Haus agierten in August Strindbergs Ehetragödie „Totentanz“ (v.l.) Gunther Nickles (Kurt), Karl Heinz Glaser (Edgar) und Ulla Willick (Alice).
Bild: Foto: Hermann Posch

Strindbergs „Totentanz“ im Meinungsspiegel des Premierenpublikums

Ulm Gedämpfte Stimmung während der Pause, leise Stimmen nach dem Schlussapplaus: August Strindbergs „Totentanz“ in der Inszenierung von Antje Thoms schuf eine bedrückte und bedrückende Stimmung im Theater Ulm. Die NUZ befragte nach der Premiere Zuschauer.

Christina Engelhard (Ulm): „Ich fand es einen interessanten Abend. Die Atmosphäre zwischen Edgar und Alice fühlt sich an wie ein Gummiband, der Kampf geht hin und her. Man kommt als Zuschauer nicht ´rein. Aber auch der Dritte, Kurt, kommt nicht ´rein. Langweilig war es aber in keinem Moment. Wahrscheinlich ist das Stück schon realistisch. Paare bleiben ja oft nur wegen der Kinder oder wegen irgendwelcher Lebenssituationen zusammen. Im Alter kann es wohl wirklich so enden. Allerdings ist die Silberhochzeit wie im Stück da eine zu kurze Zeit. Aber zu Strindbergs Zeit war eine Scheidung ja auch etwas Spektakuläres.“

„Gruselig“, sagt Petra Löwe (Ulm). „Das Ende war für mich sehr überraschend. Dass Alice und Edgar zur Tagesordnung übergehen! Ich hatte erwartet, dass etwas Dramatisches passiert, dass Edgar Alice umbringt oder tot umfällt. Aber dass die einfach weitermachen! Ein zweites Mal würde ich mir das Stück aber nicht ansehen.“

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Gert Grabensee lächelt seine Frau an. „Warum tut man sich so etwas an?“, fragt das Ulmer Ehepaar. „Wir sind seit 48 Jahren verheiratet. Aber anscheinend haben wir etwas verpasst! Aber das holen wir jetzt auch nicht mehr nach“, versprechen beide, die sich einig sind: „Ein schwaches Stück!“

„Aus dem Leben gegriffen“ findet der Ulmer Bernd Nobis Strindbergs Stoff. „Doch, gefallen hat mir die Inszenierung schon. Allerdings stört mich, dass die Morsezeichen über den Telegrafen nur Zahlen und Buchstaben ergaben und keinen Sinn. Außerdem fehlte am Ende jedes Mal das „Kommen!.“

„Das Stück ist sehr statisch“, urteilt Harry Hieb. „Mir fehlt ein Bruch, eine Steigerung. Da passiert nichts. Aber das liegt am Stück, die Inszenierung selbst ist gut, und vom Bühnenbild und der Beleuchtung bin ich sehr angetan“, sagt der Ulmer.

„Gut gefallen“ hat der „Totentanz“ dem Ulmer Dr. Karl Friedrich Kirchner. „Ulla Willick und Karl Heinz Glaser spielen eindrucksvoll, die Inszenierung ist glänzend gestaltet. Gunther Nickles ist ein starker Schauspieler, der aber in diesem Stück nicht so voll zur Geltung kommt wie sonst oft. Aber das liegt wahrscheinlich an der Rolle des Kurt. Das sparsame Bühnenbild und die Lichteffekte haben mich sehr angesprochen.“

Der „Totentanz“ ist ein schwieriges Stück

Wolfgang Frauendorf (Neu-Ulm) bewundert die schauspielerische Leistung im „Totentanz“: „In den meisten Stücken stehen ja mehr als drei Leute auf der Bühne, sodass die Schauspieler nie über die ganze Länge des Stücks präsent sein müssen. Der „Totentanz“ lässt den drei Schauspielern keinen Raum, sich einmal kurz zurückzunehmen. Das ist auch körperlich anstrengend. Der „Totentanz“ ist ein schwieriges Stück. Wenn man es öfter gesehen hat, neigt man vielleicht dazu, die Aufführung mit anderen Bildern, die man im Kopf hat, zu vergleichen.“ "siehe KulturSeite 13

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