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Nersingen

24.01.2019

Nachbarn ärgern sich über Kinderlärm

Hier ist die Tagesstätte in Nersingen untergebracht.
Bild: Alexander Kaya (Archivbild)

Plus Ein Ehepaar, das neben der Heilpädagogischen Tagesstätte in Nersingen wohnt, beschwert sich über die Lautstärke. Auch auf manche Gemeindevertreter ist es sauer.

Es sei „Horror“, eine „Zumutung“, was sie tagtäglich erleben müssten, schildern es Heidi und Lothar Diemer. Seit die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) nach Nersingen gezogen ist, es mit der Ruhe für das Ehepaar als direkte Nachbarn vorbei. Viel mehr als der bloße Lärm stört die beiden aber noch etwas anderes.

Wie berichtet, wurde die HPT Ende Oktober vergangenen Jahres offiziell eröffnet, in Nersingen untergebracht ist sie aber bereits seit April 2017. Die Einrichtung kümmert sich um Kinder, die beispielsweise Entwicklungsschwierigkeiten oder Verhaltensstörungen haben. 1995 machten Jugendamt und der Arbeiter-Samariter-Bund, (ASB) Region Ulm, dafür gemeinsame Sache.

Auch, wenn die Kinder nicht draußen toben, sei es nicht unbedingt leise, sagte Heidi Diemer, die eine Herzoperation hinter sich hat: „Das Haus ist ja gar nicht isoliert.“ Abends würden oft die Betreuer zusammen sitzen, es werde „bis in den späten Abend hinein gefeiert, gequalmt und getrunken“. Zwischenzeitlich – das Ehepaar hatte im Rahmen der Eröffnung der Tagesstätte mit dem Leiter der ASB Jugendhilfe gesprochen – sei es auch schon leiser gewesen, das hat aber den Diemers zufolge nicht lange gehalten.

Jugendhilfe-Leiter: Zeitfenster zum Spielen und Toben ist kurz

Jochen Heilemann, Leiter der ASB-Jugendhilfe Ulm, kann den Nachbarn ein Stück weit recht geben: Natürlich seien die Kinder manchmal laut. Aber: „Wir können sie nicht immer im Zaum halten.“ Zumal seien es Kinder aus schwierigen Familien, die erst noch ein soziales Miteinander lernen müssten – was nicht so leicht sei. Manche der Kinder haben ADHS-Diagnosen, andere psychiatrische Probleme. Das Zeitfenster zum Toben sei jedoch kurz – die Kinder werden an Schultagen gegen 11 oder 12 Uhr abgeholt, dann gibt es Mittagessen, danach geht es an die Hausaufgaben. Sie würden also viel sitzen – ganz entgegen ihren Bedürfnisse, erklärt Heilemann. „Dass die dann irgendwann ausbrechen, kann ich ihnen tatsächlich nicht verübeln.“ Um 16.30 Uhr seien aber alle weg, freitags um 15 Uhr. Das wäre ganz anders, wenn zwei Familien mit mehreren Kindern in das Haus gezogen wären.

Heilemann fasst zusammen: „Es sind zwei Bedürfnisse, die sich gegenüberstehen. Aber ich vermag tatsächlich nicht viel mehr zu tun, als die Nachbarn um Verständnis zu bitten.“ Der Nachbar habe auch schon einmal die Kinder angebrüllt. „Das war auch nicht in Ordnung.“ Und dass die Betreuer manchmal ein Feierabendbier trinken würden, „will ich ihnen nicht zum Vorwurf machen“, so Heilemann weiter, der auch nicht davon ausgeht, dass hier die normale Lautstärke überschritten wurde. Vor Einzug der HPT hatten Betreuer mit allen Nachbarn geredet. „Dass da etwas ganz anderes versprochen wurde, kann ich mir nicht vorstellen.“

Die Nachbarn fühlen sich hintergangen und nicht ernst genommen

Denn das stört die Diemers mehr als der Lärm: „Wir haben uns geärgert, dass wir so hintergangen worden sind. Da hätte ein Infoabend hergehört“, sagt Heidi Diemer. Ihre Beschwerden seien lange einfach „abgeblitzt“. Das Ehepaar fühlt sich nicht ernst genommen – auch von einigen Gemeindevertretern nicht. Besonders hart ins Gericht geht Heidi Diemer mit Sabine Krätschmer, der dritten Bürgermeisterin und stellvertretenden Landrätin. Diese stellt in einem Gespräch mit unserer Redaktion klar, sie habe dem Ehepaar zwar gesagt, dass sie sich bei einer Schule oder einem Kindergarten auch nicht beschweren könnten. Manche der ihr zugerechneten Äußerungen habe sie jedoch nie getätigt. Krätschmer betont: „Kinderlärm gilt auch nicht als Lärm, das ist höchstrichterlich entschieden worden.“ Darauf weist auch Richard Götz von der Abteilung Immissionsschutz am Landratsamt hin. Anders sehe es dagegen aus, wenn der Lärm von „Anlagen“ resultiere, beispielsweise einer quietschenden Schaukel – oder Erwachsene zu laut sind.

Bürgermeister Erich Winkler erklärt, die Räte hatten damals nur über die reine Nutzungsänderung diskutiert – also das Wohnhaus in eine Tagesstätte umzuwandeln. Deshalb hat es auch keinen Infoabend gegeben. Winkler, der sich an sein Gespräch mit Lothar Diemer erinnern kann, äußert durchaus Verständnis. Vorher habe man dort nur Nachbarn gehabt, von denen man gar nichts gehört habe – und „jetzt welche, die man hin und wieder hört“. Allerdings: „Fakt ist: Von gemeindlicher Seite ist rechtliches Einschreiten sehr schwierig.“

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