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Buch

16.06.2018

Nachwuchs im Lamastall

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3 Bilder
Mama Peppie (braun) und der kleine Hugo (davor): Der Hengst ist das erste Junge aus der Zucht von Stefanie und Thilo Weis in Buch. Link steht Rudolfo, rechts seine Mutter Patrizia.
Bild: Felicitas Macketanz

Bei Familie Weis in Buch haben vor wenigen Tagen Hugo und Rudolfo das Licht der Welt erblickt. Wir haben sie auf ihren ersten Schritten begleitet.

Unerschrocken stolziert Hugo an den Zaun, ganz nah an die Menschen heran. Er ist neugierig, blickt mit seinen großen, dunkelbraunen Augen durch die Latten durch, die markanten, sogenannten Bananenohren nach vorne gestreckt. Flauschig sieht der Kleine aus und natürlich zuckersüß, aber anfassen ist nicht – dann werde das Tier auf Menschen geprägt, was sogar gefährlich werden kann, sagt Thilo Weis, der seit Kurzem stolzer zweifacher Lamababyvater ist, wenn man so sagen darf. Und Hugo ist sein allererstes Lamajunges aus der eigenen Zucht.

Überhaupt ist es für die Familie Weis der erste Lamanachwuchs. Vor knapp zwei Jahren hat sich die Familie aus Buch die besonderen Herdentiere gekauft – damals nur Stuten. Im vergangenen Jahr wurde der Bestand der Paarhufer um sechs Hengste und eine Stute erweitert, die Zucht wurde angemeldet. In diesem Jahr kamen weitere zwei weibliche Tiere und drei Hengste hinzu. Und jetzt sind bereits die ersten beiden Jungen da. Vor wenigen Tagen erblickten Hugo de Blanca und Rudolfo de Blanca – wie die Tiere mit ihrem Zuchtnamen heißen – das Licht der Welt. Den Namen Hugo hat der Sohn von Thilo und Stefanie Weis ausgesucht: Das flauschige Tier sollte schließlich so heißen wie er selbst.

Trotz des jungen Alters von wenigen Tagen sehen die Lamababys recht groß aus. Thilo Weis bestätigt: „Die sind schon so an die 70 Zentimeter groß, wenn sie geboren werden.“ Die Geburt schaffen die Stuten meist ganz alleine, sagt der selbstständige Landschaftsbauer.

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Trotzdem sind Stefanie und Thilo Weis momentan ein wenig angespannt: Denn das nächste Junge sollte eigentlich schon da sein oder aber in den nächsten Stunden geboren werden. „Meistens bringen sie ihre Babys gegen die Mittagszeit auf die Welt“, erklärt Thilo Weis, der durch einen Schüleraustausch in Südamerika seine Leidenschaft für die für Buch untypischen Herdentiere entdeckte. Das liege daran, dass in den Anden, woher Lamas ursprünglich stammen, die Zeit bis zum Mittag am besten für die Geburt geeignet ist. Nachts werde es sehr kalt, tagsüber extrem warm. Durch den gewählten Geburtszeitpunkt soll beispielsweise verhindert werden, dass die Kleinen an den Boden festfrieren. Innerhalb einer Stunde nach der Geburt könnten Lamababys Weis zufolge dann schon stehen. „Das sind Fluchttiere, die müssen so schnell aufstehen können.“

Bei der ersten Lamageburt in Buch war Weis leider nicht live dabei, allerdings schaffte er es, die braune Stute Peppie und ihr Neugeborenes Hugo wenige Minuten nach der Geburt zu besuchen. „Die ersten Stunden schaut man intensiv nach den Tieren, etwa ob die Milch bei den Stuten einschießt“, sagt er. Denn die Erstmilch sei besonders wichtig für die jungen Lamas.

Fast ein Jahr sind Lamamütter trächtig, ehe sie gebären. Umso glücklicher ist Weis jetzt, dass bisher alles mit seinen selbst gezüchteten jungen Hengsten gut geklappt hat. Er werde sie wahrscheinlich verkaufen, sagt er. Je nach Zuchtart könne ein Lama mehrere Tausend Euro kosten. Und die Wolle der Tiere sei ebenfalls kostbar: Zwischen März und Mai werden die Tiere geschoren, denn während dieser Monate würden sie viel Wolle bilden, sagt der 45-Jährige. Die Lamas wurden vor Kurzem nur am Bauch geschoren, die Alpakas komplett. „Die brauchen das auch“, sagt er. Sonst wäre es den Tieren zu warm. Die Wolle wird gesammelt und verschiedene Produkte werden daraus gefertigt, wie etwa Decken.

Das Fell der beiden Lamababys ist natürlich noch nicht so dick wie die Felle der zwei Mütter Peppie und Patrizia, Letztere ist ein helles Tier. Dennoch sieht das Fell flauschig und weich aus. Es ist fast eine Qual, die Jungen nicht streicheln zu dürfen. Aber: Würde man intensiven Kontakt zu den Kleinen suchen, würden die Tiere den Menschen nicht mehr als fremde Person, sondern sogar als Artgenosse betrachten. Im schlimmsten Fall könne ein Hengst aggressiv gegenüber dieser Person werden, die Tiere seien in diesem Fall fehlgeprägt. „Lamas sind Herdentiere, sie leben in einem Verbund. Da gibt es immer eine Rangordnung“, sagt der 45-jährige Landschaftsbauer.

Die Rangordnung erkennt man auch bei den erwachsenen Hengsten: Eine Herde aus Lamas und Alpakas schreitet neugierig an das Gatter heran. Der große Braune ist der Vater von Hugo und Rudolfo, ein imposantes Tier. Während die Hengste auf ihrer Koppel traben, genießen die beiden Neugeborenen ihre Zeit bei ihren Müttern. Sie haben ein eigenes Gehege. Immer wieder stecken die Kleinen ihre Köpfe durch die Zaunlatten, sie wollen schließlich wissen, was da draußen vor sich geht, es gibt ja auch einiges zu entdecken: Die Familie Weis beherbergt auf ihrem Areal unter anderem noch Schweine und Ponys. Es sei das gemeinsame Hobby von ihm und seiner Frau, so beschreibt Weis die Leidenschaft für die Tiere.

Inzwischen ist einige Zeit verstrichen. Stefanie und Thilo Weis sind nach wie vor etwas angespannt: Denn das erwartete Baby ist immer noch nicht da. Aber es könnte jeden Moment so weit sein. Ob es ein Hengst oder eine Stute wird, wissen die beiden nicht, sie lassen sich überraschen.

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