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Ulm

25.09.2018

Nächste Runde im Ulmer Antisemitismus-Streit

Die Synagoge in Ulm ist Zentrum des regionalen Judentums. <b>Foto: Kaya</b>
Bild: Kaya

Eine Israelische Zeitung publiziert Kritik des Simon-Wiesenthal-Centers. Anlass sind umstrittene Vorträge in Ulm.

Wenn es um angeblichen Antisemitismus auf deutschen Vortragsbühnen geht, ist Benjamin Weinthal, Europakorrespondent der Jerusalem Post, meistens alarmiert. Der streitbare Journalist einer als regierungsnah geltenden Zeitung reagierte nun auch prompt auf unsere Berichterstattung über den Vorwurf der Deutsch-israelischen Gesellschaft (DIG) in Richtung Evangelisches Dekanat. Diese biete immer wieder Judenfeinden in Ulm ein Forum. Und zwar nicht nur in Ulm. So nimmt die Zeitung auch Bezug auf eine Konferenz zum Nahostkonflikt, die vergangenes Wochenendes in der Evangelischen Akademie Bad Boll stattfand.

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Hier wie in Ulm geht es um pro-palästinensische Referenten. Wie berichtet, kritisierte die DIG einen Vortrag von Judith Bernstein, der an diesem Mittwoch, 26. September, um 19.30 Uhr im Haus der Begegnung stattfinden soll. Die Publizistin spricht in Ulm über Jerusalem als das Herzstück des israelisch-palästinensischen Konflikts. Obwohl selbst in Jerusalem als Tochter deutsch-jüdischer Eltern geboren, ist Bernstein Befürworterin der BDS-Kampagne. Sie ist Mitglied der „Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München“, in der Palästinenser, Juden und Israelis zusammenarbeiten. Diese Gruppe tritt nach eigenen Angaben für das Ende der „israelischen Besatzung und für die Gleichstellung der Palästinenser in Palästina und in Israel“ ein. Bernstein und viele der Redner in Bad-Boll standen und stehen der oft als antisemitisch und antiisraelisch beschriebenen BDS-Kampage (BDS: Boykott, Veräußerungen, Sanktionen) nahe. In die Debatte habe sich nach Informationen Weinthals nun das israelische Außenministerium eingeschaltet. „Man muss sich nur die Liste der zu dem Seminar geladenen Teilnehmer ansehen, um zu begreifen, dass hier Hass auf Israel im pseudowissenschaftlichen Gewande geschürt werden soll“, habe der Sprecher des Außenministeriums, Emmanuel Nahshon, gegenüber der Jerusalem Post gesagt. Es sei „besonders verstörend“, dass derartige Veranstaltungen in Deutschland stattfinden. Damit sei auch der Vortrag in Ulm gemeint. Den stellvertretenden Direktor des Simon Wiesenthal Centers, Rabbi Abraham Cooper, zitiert die Jerusalem Post so: „Es ist skandalös, dass eine christliche Kirche in Deutschland ihre moralische Autorität einsetzt, um eine Veranstaltung zu organisieren, die denjenigen Legitimität verleiht, die die mehr als sechs Millionen Juden in Israel vernichten wollen.“ Das Simon Wiesenthal Center ist eine jüdische, politisch tätige Nichtregierungsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles und setzt sich hauptsächlich mit der Thematik des Holocausts auseinander.

Antisemitismus? Ulmer Pfarrer verteidigt umstrittenen Vortrag

Die Evangelische Akademie wies die Vorwürfe in einer Pressemitteilung zurück. Es gehe nicht um die BDS-Bewegung, sondern um den „in Deutschland immer kleiner werdenden Freiraum für zivilgesellschaftliche Akteure zu Fragen des Nahost-Konflikts“. Zu dem Treffen in Bad-Boll seien auch Menschen jüdischen Glaubens als Referenten eingeladen worden. Allerdings treffe auf alle zu, „dass ihnen Antisemitismus vorgeworfen wird“. Nach den Worten von Hübner gehört es zum Auftrag der Evangelischen Akademie, den Diskurs zu befördern und Themen anzusprechen, „die Streit hervorrufen“. Auch Pfarrer Michael Hauser, der Geschäftsführer des Hauses der Begegnung, einer Bildungs- und Kultureinrichtung der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Ulm, hatte wie berichtet den Vortrag verteidigt: „Man muss seine besten Freunde auch mal kritisieren dürfen.“

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