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Weißenhorn

09.02.2018

Närrisches Entführungsdrama um den Eschagore

Die Figur der Narrenzunft Eschagore kann eingelöst werden. 

Die Puppen-Diebe haben sich bei unserer Zeitung gemeldet – und ihre Bedingungen genannt.

Der Eschagore ist weg. Was sich für den normalen Bürger nach nichts Besonderem oder sogar verwirrend anhört, ist für Faschingskenner mindestens eine mittlere Katastrophe – in dem Fall speziell für die Weißenhorner Narrenzunft D’r Eschagore.

Deren Symbol hängt traditionell am Narrenbaum in Weißenhorn – und das tat es bis zum vergangenen Samstag auch. Doch an diesem Tag hat eine Gruppe, die unserer Redaktion bekannt ist, die Figur gestohlen. Sie haben sich damit einen närrischen Streich erlaubt, sagt einer von ihnen im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei im Fasching ein alter Brauch, die Symbole zu stehlen, die dann von der betroffenen Faschingsgruppe eingelöst werden müssen, sagt einer der Puppen-Diebe. Ähnlich wie bei den Maibäumen gilt nämlich auch in der Fasnacht: Der Narrenbaum muss bewacht werden.

Über Räuberleitern Richtung Narrenbaum-Spitze

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Bemerkt haben die Eschagore den Diebstahl erst einige Tage später, sagt einer aus der Diebes-Gruppe, deren Mitglieder anonym bleiben wollen. Samstagabend haben sie sich auf den Weg gemacht. Über Räuberleitern sind sie ans obere Ende des Narrenbaums gestiegen, auf dem der Eschagore sitzt – oder saß. Als ein Auto vorbeifuhr sind einige aus der Gruppe weggesprungen, „einer hing dann noch oben am Baum“, erzählt einer. Der Narrenbaum steht mitten in Weißenhorn, deswegen fragt die Gruppe sich eigentlich bis heute, warum man sie nicht entdeckt hat.

Danach haben sie, so erzählen sie es, einen Erpresserbrief an die Narrenzunft geschrieben. Sie wollen nicht etwa Leberkäse und Bier, wie bei derartigen Aktionen üblich. Sie haben Soziales im Sinn: Der Eschagore hat der Sage nach schon vor vielen Jahren mit den Fuggerstädtern sein Unwesen getrieben, in dem er die meist betrunkenen Bürger in den Wald lockte und dort bis in die Morgenstunden seinen Schabernack trieb.

Nun solle er auch mal etwas Gutes tun, verlangen die Diebe. Die Narrenzunft Eschagore soll eine frei wählbare Summe an das Illertisser Hospiz spenden. Dann bekommt sie ihre Puppe zurück. Und das soll rechtzeitig passieren. „Wir wissen, dass sie die Figur schon am Samstag brauchen, deswegen wenden wir uns jetzt an die NUZ“, sagt einer aus der Gruppe.

Übergabe ist am Freitagnachmittag

Die Puppe soll am heutigen Freitag, 9. Februar, um 15 Uhr, im Eingangsbereich des Illertisser Hospiz übergeben werden. Im Gegenzug soll die Narrenzunft ihre Spende überreichen. Die sozial eingestellten Puppen-Diebe haben die Figur bereits dort hingebracht, sie wollen nach wie vor nicht erkannt werden. „Es geht dabei ja nicht um uns, sondern um eine Unterstützung fürs Hospiz und die tolle Arbeit, die dort geleistet wird“, sagt der unbekannte Anrufer. Die Figur wird deswegen auch von Mitarbeitern der Einrichtung überreicht.

Es ist die Angst jedes Narren, dass das eigene Symbol entwendet wird. Vor einigen Jahren wurde der Eschagore schon mal unfreiwillig von seinem Narrenbaum geholt. Danach wachte er ein paar Jahre lang vom Oberen Tor aus über die feiernde Faschingsgesellschaft – ein Diebstahl war damit so gut wie ausgeschlossen. Bis der urige Zeitgenosse am vergangenen Wochenende mal wieder seinen Platz aufgeben musste.

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