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Weißenhorn

22.05.2015

Neidvolle Blicke auf die Musikschule

Die Stadt übernimmt jedes Jahr das Defizit der Musikschule, vor diesem Hintergrund wünschen sich einige Vereinskapellen höhere Zuschüsse.
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Die Stadt übernimmt jedes Jahr das Defizit der Musikschule, vor diesem Hintergrund wünschen sich einige Vereinskapellen höhere Zuschüsse.
Bild: Kaya

Räte aus Weißenhorner Ortsteilen fordern höhere Zuschüsse für Vereinskapellen. Schließlich werde ja auch das Defizit der Lehrreinrichtung bezahlt. Die Stadt will nun reagieren

Wenn es um Musik geht, sind in Weißenhorn mitunter raue Töne zwischen Stadt und Land zu hören. Auf der einen Seite steht die städtische Musikschule mit ihren festangestellten Lehrern und einem hohen jährlichen Defizit, auf der anderen die Vereine in den Ortsteilen, die ihre Jugendarbeit nicht zuletzt mit viel ehrenamtlichen Engagement stemmen. Dieser Gegensatz wird in Diskussionen häufig bemüht, meistens wenn es ums Geld geht – so wie kürzlich wieder im Stadtrat. Rote Zahlen standen auf der Tagesordnung: In diesem Jahr muss die Stadt Weißenhorn für den Verlust der Musikschule eine Summe von 220000 Euro bezahlen. Der ebenfalls an der Einrichtung beteiligte Markt Pfaffenhofen entrichtet 73000 Euro.

Die Diskussion im Weißenhorner Rat war eigentlich schon vorbei, bevor sie richtig begann: Es bleibe den Räten schließlich nichts anders übrig, als die Rechnung zu bezahlen, sagte zweiter Bürgermeister Ernst Peter Keller ( CSU), der die Moderation von Rathauschef Wolfgang Fendt übernahm, weil dieser sich als Vorsitzender der Musikschule für befangen erklärt hatte. Keller verwies auf die bestehende Vereinbarung zwischen Stadt, Markt Pfaffenhofen und der Schule: „Wir müssen den Bedarf also übernehmen.“ Das in diesem Jahr höher ausfallende Minus werde auch durch neue Arbeitsverträge der Lehrer verursacht, die nun nach dem Tarif für den öffentlichen Dienst (und damit besser) bezahlt werden, hieß es. Der Zuschussbedarf liegt bei rund 413 Euro pro Schüler, rechnete Rat Franz Josef Niebling (CSU), Leiter der Wallenhauser Musikkapelle, vor.

Aus Sicht mancher Vereine eine durchaus stattliche Summe, die man in ähnlicher Höhe gerne auf dem Vereinskonto sähe. Daraus machte Rat Marcus Biberacher (CSU) aus Biberachzell und ebenfalls Musiker keinen Hehl. Gleiches Recht für alle forderte er und sprach für die Jugendkapelle WABBs vor, die sich aus 60 Kindern und Jugendlichen aus Wallenhausen, Attenhofen, Biberachzell und Bubenhausen zusammensetzt. Jene leiste in Sachen Jugendförderung die gleiche Arbeit wie die Musikschule und sollte deshalb auch entsprechend unterstützt werden. Und schließlich sei die Musikschule auch ein Verein. „Eine Gleichbehandlung wäre wichtig“, sagte Biberacher in der Sitzung.

Prompt regte sich Widerspruch. So warnte Herbert Richter (SPD) davor, die Schule mit Vereinen gleichzusetzen. Werner Weiss (WÜW), der über drei Jahrzehnte der Weißenhorner Stadtkapelle vorgestanden hatte, pflichtete bei – die Musikschule sei eine „quasistädtische Einrichtung“. Beide betonten, über neue Förderrichtlinien sollte besser unabhängig vom Musikschuletat gesprochen werden.

Dies soll bald geschehen: Momentan arbeitet die Stadtverwaltung an einheitlichen Fördersätzen für die Jugendarbeit der Verein, ein Vorschlag dazu soll demnächst im Rat präsentiert werden. 35000 Euro stehen dafür bereits im Haushaltsplan. Momentan gibt es noch keine generelle Jugendförderung aus städtischen Finanzen – Musikkapellen erhalten pauschal je 1000 Euro im Jahr.

Damit kommen die vier an der WABB beteiligten Vereine nicht weit, schilderte Niebling im Gespräch mit unserer Zeitung. Rund 6000 Euro müssten für Lehrstunden jährlich aufgebracht werden, dazu noch etwa 1000 Euro für Noten. Abzüglich mitunter zu erwartender Zuschüsse, etwa von Banken (zuletzt gab es hier 2000 Euro), liege der Bedarf der WABBs bei etwa 80 Euro pro Schüler. Niebling: „Es würde uns reichen, wenn der Aufwand gedeckt wäre, wir wollen uns nicht bereichern.“ Niebling regte eine gemeinsame Jugendarbeit von Musikschule und Vereinen an.

Die ist bereits vorgesehen, sagte Musikschulleiter Sepp Meixner auf Nachfrage. So könnte die Stadtkapelle, deren Mitglieder sich vorwiegend aus Musikschüler rekrutierten, an der WABBs mitwirken – wodurch dann ein zweites „W“ zu dem Namen hinzukommen würde.

Meixner hält eine Kooperation mit den Vereinen für sinnvoll, auch wenn die Musikschule nicht direkt für sie werben könne. „Neue Mitglieder muss jeder selbst gewinnen, wir könnten Unterricht geben.“

Gegen zwei Stimmen beschlossen die Räte, das Defizit der Musikschule zu übernehmen. Biberacher blieb bei seiner Kritik: „Andere machen die gleiche Arbeit.“

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