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Nersingen/Burgau

06.01.2021

Nersinger Entwickler liefern Unfallschaden-Software fürs ganze Land

Die Autoexperten, die sich Autoixpert nennen: Andreas Schliefer, Steffen Langer und Mark Langer (von links) haben eine Firma für Unfallsachverständigen-Software gegründet.
Bild: Rico Grund

Plus Jeder Blechschaden verursacht eine Menge Papierkram. Wie aus einer Idee, die in Nersingen geboren wurde, ein bundesweit agierendes Unternehmen wurde.

Wie sich dank moderner Technik der Arbeitsalltag verändert, zeigten die fünf Mitarbeiter der Nersinger Software-Schmiede Autoixpert (Eigenschreibweise „autoiXpert“) schon vor Corona. Als „Software-Nomaden“ arbeiten die drei Gesellschafter Andreas Schliefer, Mark Langer und Steffen Langer mal von Burgau, Würzburg oder Stuttgart. In den drei Städten leben die Gesellschafter.

Doch die Keimzelle der Firma liegt in Nersingen. Auch wenn mit dem Slogan „Qualität aus Ulm“ geworben wird. Die Münsterstadt kennen halt auch Hamburger. Im Bürogebäude des Kfz-Sachverständigenbüros Fronius, wo heute auch der Firmensitz von Autoixpert ist, hatte einst Markus Fronius, ein befreundeter Kfz-Sachverständiger der drei Gesellschafter, ein Problem. Seine Festplatte mit unzähligen wertvollen Daten ging kaputt. Für die Datenrettung verlangten Spezialisten satte 8300 Euro. Schliefer & Fronius hatten dann die Idee: Wieso nicht die Daten dezentral auf sicheren, verstreuten Servern abspeichern, also einer Cloud?

Autoixpert: Firma aus Nersingen hat Kunden in ganz Deutschland

Das war 2015. Der heute 36-jährige Wirtschaftsinformatiker Schliefer und die 27-jährigen Zwillinge Mark und Steffen Langer begannen gemeinsam, Kfz-Sachverständigen wie Markus Fronius, der auch eine Außenstelle in Vöhringen hat, eine Software auf den Leib zu schreiben. Der Markt ist groß: Bei so gut wie jedem Unfall auf bundesdeutschen Straßen kommt ein Kfz-Sachverständiger ins Spiel. Immer geht es um das Thema Schadensschätzung. Aber auch Versicherungsunternehmen beauftragen Kfz-Sachverständige mit der Anfertigung von Gutachten, um den Zeitwert des Fahrzeuges einschätzen zu können. Heute zählen die Gesellschafter ihre Firma Autoixpertzu den großen Akteuren - in einem Nischen-Markt.

Über konkrete Umsätze möchte der zweifache Familienvater Schliefer nicht sprechen. Doch das Wachstum sei „sehr rasant“.

Damit auch mit vielen Kunden alles reibungslos läuft, kümmert sich Software-Architekt Steffen Langer um die Skalierung der Server & Datenbanken. Von Hamburg bis München werde Autoixpert laut Langer von mehreren hundert Sachverständigen genutzt. Geld wird durch eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Software verdient.

Software für Kfz-Sachverständige: Auch das Design zählt

Das Team von Autoixpert nimmt für sich durchaus in Anspruch etwas Revolutionäres geschaffen zu haben. Die Software der Mitbewerber erinnere im Vergleich an das längst überholte „Windows 98“. „Alles grau in grau wie ein Formular vom Finanzamt. Furchtbar.“ Nicht zuletzt dank dem „begnadeten Designer“, wie Schliefer seinen Mitgesellschafter Mark Langer nennt, sei das bei Autoixpert anders. Der ganze Gutachterprozess gehe so weit komfortabler und schneller.

Für Außenstehende ein Prozess, mit dem man im Alltag wenig zu tun hat. Die Schäden am verunfallten Auto werden von den beauftragten Experten per Fotos in der Software dokumentiert. Grafisch können sämtliche beschädigte Teile dann gezeigt werden. Inklusive einer Kalkulation der Kosten.

Bei einem Unfall kommt oft das Programm von Autoixpert ins Spiel

Die überschaubare Größe der Nersinger Software-Schmiede sei von Vorteil. Wenn bei der „Hotline“ gleich einer der Gesellschafter oder ein Software-Entwickler am Hörer ist, sei das von großem Vorteil. Anregungen von Kunden würden „sofort“ umgesetzt. Bei großen Firmen seien die Entscheidungsprozesse weit schwerfälliger - das wissen alle drei Gesellschafter aus eigener Erfahrung bei Beratungsunternehmen vor ihrer Zeit als Unternehmer. Schliefer: „Wir nehmen sehr ernst, was der Markt haben möchte.“ Wirklich fertig werde Software nie - egal ob sie aus dem Silicon-Valley oder Nersingen kommt.

In der Unternehmenszentrale in Nersingen treffen sich die fünf Mitarbeiter - gerade in Corona-Zeiten - eher selten. Aber per Videokonferenz sehen sie sich täglich. In letzter Zeit würde dann darüber diskutiert, auf welche Bereiche man das Erfolgsmodell Autoixpert noch übertragen könne. Im Bereich Buchhaltung könnten die Fünf demnächst fündig werden. Zeit haben die Gesellschafter dafür gerade mehr, als ihnen lieb ist: Denn der geplante Skiurlaub fällt wegen Corona aus.

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