1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Nervenkitzel unter dem Zeltdach

Ulm

08.04.2016

Nervenkitzel unter dem Zeltdach

Crazy Wilson und sein fliegendes Motorrad sorgten bei den Besuchern für Nervenkitzel. Am Ende sprang er mit einem Salto Mortale in die Matte.
Bild: Alexander Kaya

Der Zirkus Krone bringt in der Friedrichsau ein buntes Programm in die Manege. In den kommenden Tagen können die Zuschauer Artisten, Tiere und Clowns bestaunen.

Eine Sekunde lang hält das Publikum den Atem an: Gehört das noch zur Show? Der Artist Crazy Wilson hat sich mit den Füßen im Springseil verheddert, rudert mit den Armen und behält gerade noch die Balance. Das wäre nicht so wild, würde er nicht in zehn Metern Höhe auf einem Teufelsrad stehen, das sich unaufhörlich dreht. Aufatmen – Crazy Wilson in seinem rotglänzenden Anzug winkt ins Publikum. Alles Teil der waghalsigen Nummer, alles Routine im Zirkus Krone. Und wenn nicht, würden die Artisten wohl einfach darüber hinweg lächeln.

Gestern, am späten Nachmittag, feierte der Zirkus in Ulm Premiere. Seit fünf Jahren hat er nicht mehr in der Stadt gastiert. Für die nächsten Tage aber reihen sich die Wohnwagen in der Friedrichsau, Jogger hören die Seelöwen in ihrem Becken platschen und riechen den Duft von Popcorn und Sägemehl. Zur Eröffnungsshow sind rund 1500 Besucher gekommen, die meisten mit Kindern. Sie sitzen auf ihren roten Samtsesseln und blicken gebannt zur Manege, wo gerade sechs Elefanten ihren Rüssel in die Luft strecken. Auf ihren Rücken sitzen Artistinnen mit Paillettenkleidchen und Federn im Haar. Ein anerkennendes „Oooh“ erklingt, als die Elefanten auch noch ihre Vorderpfoten heben und auf zwei Beinen stehen.

Weniger eindrucksvoll, dafür umso lustiger: Clown Tonito. Aus seiner „Balance totale“ wird eine „Balance katastrophale“, denn das Silbertablett, dass er gerade noch auf einem Stecken gedreht hat, fällt krachend auf sein Gesicht. Die Kinder johlen. Das haben die Seehunde zuvor bessergemacht – mit ihren glitschigen Nasen balancierten sie Bälle oder einen Besen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Zuschauer lassen sich von den einzelnen Nummern in eine andere Welt entführen. Mit Musik, Licht und Kostümen erzählen die Zirkuskünstler Geschichten – etwa die eines vor Kraft strotzenden Mongolen, der nicht nur einen Hantelbalken heben kann, sondern gleich noch vier Frauen oben drauf. 250 Kilogramm lasten auf dem Mann im goldenem Lendenschurz, der die Augen zusammenkneift und dessen runder Bauch sich immer wieder zusammenzieht. Im Hintergrund hört man mongolischen Kehlkopfgesang, unterlegt mit Pop-Beats.

Höhepunkt der Vorführung sind für viele die Raubkatzen, denn die Nummer wurde anfangs als Weltrekord angekündigt. In die Manege, die in der Pause eingezäunt wurde, trotten nach und nach ganze 26 Raubkatzen ein: Tiger, Löwen, manche davon mit weißem Fell. Der Dompteur schwingt die Peitsche und leitet die Tiere auf ihre Hocker und Podeste. Dort soll einer nach dem andern auf den Hinterpfoten zu stehen kommen. Ein Mädchen im Publikum reißt die Augen auf, die Finger mit Popcorn halten auf dem Weg zum Mund inne. Als alle Raubkatzen stehen, klatscht sie dem Dompteur entgegen. Die Löwen und Tiger dagegen freuen sich weniger über Beifall, als über das Steak, dass an einem Seil herabgelassen wird. In diesem Moment vergessen die Tiere dann die Show kurz.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20em_carmina_hp1_056.tif
Ulm

Faszinierende Moderne

ad__querleser@940x235.jpg

Qualität auch für Querleser

Montag bis Samstag ab 4 Uhr morgens. Und die Multimedia-Ausgabe
"Kompakt" mit den wichtigsten Nachrichten von Morgen ist auch dabei.

Jetzt e‑Paper bestellen!