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Prozess

22.04.2010

Neu-Ulm: Onkel vermöbelt 14-Jährigen

Szene aus dem Gericht.
Bild: AZ

Nachdem ein 14-Jähriger seine Nichte immer wieder drangsaliert hatte, schritt deren Onkel ein. Dafür musste er nun vor Gericht.

Seine Art der Konfliktregelung hat einen 37 Jahre alten Italiener vor die Schranken des Neu-Ulmer Amtsgerichts gebracht. Der Mann hatte einem 14 Jahre jungen Landsmann, der über längere Zeit die gleichaltrige Nichte des Angeklagten drangsaliert hatte, nachdrücklich gezeigt, dass man so etwas nicht tut.

Laut Anklage hatte der Mann den Buben in Neu-Ulm der Reihe nach gegen ein Auto, dann zu Boden und anschließend in einen Dornbusch gestoßen - begleitet von finsteren Drohungen, von denen eine lautete: "Ich mache deinen Kopf kaputt."

Amtsgerichtsdirektor Thomas Mayer ließ durchblicken, dass er die Angelegenheit "möglicherweise" weniger gravierend als die Staatsanwaltschaft betrachte, die dem in Süditalien aufgewachsenen Beschuldigten vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt hatte.

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Der Richter fand heraus, dass die Nichte des Angeklagten immer wieder weinend aus der Schule nach Hause gekommen sei. Der Grund war ein Mitschüler mit ebenfalls italienischen Wurzeln, der das Mädchen laufend piesackte und sie einmal an einer Ampel vor ein Auto stieß. Passiert war damals gottlob nichts. Gespräche von Mutter zu Mutter brachten nichts ein nach dem Motto: "So etwas tut mein Sohn nicht."

Die Folge war, dass der angeklagte Mann aus Apulien sich der Sache annahm.

Der angeblich unschuldige Sohn hat aber offensichtlich durchaus einiges aus dem Kerbholz. Wie Amtsgerichtsdirektor Mayer berichtete, stand der Bursche zwischenzeitlich schon vor dem Jugendrichter, der ihm eine Woche Arrest aufbrummte.

Angesichts der etwas verschwommenen Situation - wer ist der eigentliche Täter, wer das eigentliche Opfer - meinte auch Staatsanwalt Daniel Egge, dass in diesem Fall nicht unbedingt ein Urteil gefällt werden müsse. Er war ebenso wie die beeindruckend perfekt Italienisch parlierende Verteidigerin Monika Biesinger aus Ulm mit einer Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen einverstanden.

In dieser Frage machte Amtsgerichtsdirektor Mayer dem Angeklagten ein Angebot, das dieser nicht ablehnen konnte: "Geld oder Arbeit?"

Der arbeitslose Angeklagte entschied sich für Arbeit. (kr)

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