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Neu-Ulm

20.09.2013

Neu-Ulm auf Höhenflug

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2 Bilder
Nur ein Straßenschild im Gewerbegebiet Schwaighofen deutet noch auf den Flughafen hin. Vor etwa 20 Jahren sah das Ganze noch anders aus (rechts): Vom „Abfertigungsgebäude“ aus entstand dieses Foto vom Fluggelände am 17. Januar 1994.
Bild: Gerrit-R. Ranft

Der NUZ-Spaziergang macht Halt in Schwaighofen

Manch einer ist in diesen Wochen unterwegs auf der Suche nach dem Besonderen an Neu-Ulm. Der Oberbürgermeister spaziert mit Bürgern durch die Stadtteile. Der Verein „Win“ (Wir in Neu-Ulm) hat schon mal einen Touristiker durch die Stadt geschickt. Auch Stadträte wälzen einen „Masterplan“. Nun spaziert auch die Neu-Ulmer Zeitung durch die Stadt – zum „Alten Flugplatz“.

Ein knapp zweihundert Meter langes Sträßchen im Gewerbegebiet Schwaighofen trägt den Namen „Am Alten Flugplatz“. Doch weit und breit kein Flieger zu sehen, keine Start- oder Landebahn, kein Hangar. Rundum nur Gewerbebauten, ein Autoverkäufer, ein Früchteimporteur, ein Mietpark für Baumaschinen, ein Paketshop, mehrere Bürokomplexe. Der Neu-Ulmer Flugplatz, der hier am östlichen Ortsrand Schwaighofens im „Finninger Ried“ tatsächlich einmal bestanden hat und auf älteren topografischen Karten auch noch zu finden ist, gehört lange schon der Vergangenheit an.

Ein Notlandeplatz war im Sommer 1930 am Westrand es Finninger Rieds angelegt worden. Noch im selben Jahr wurde auf dem Gelände ein erster Flugtag gehalten. Als die Luftwaffe 1937 die gesamte Anlage übernahm, wurde sie zu einem Fliegerhorst zweiter Ordnung erweitert.

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Geplant waren tausend Mann Belegschaft, für die Unterkünfte – teils in Baracken – teils in der gleichzeitig errichteten Neu-Ulmer Reinhardt-Kaserne geschaffen wurden.

Der Flugbetrieb wurde im Herbst 1939 aufgenommen. Genutzt wurde der Platz hin und wieder von den Kampfgeschwadern 27 (Hannover), 51 (Landsberg am Lech), 55 (Gießen), und 76 (Wiener Neustadt). Die bis dahin in Leipheim stationierte 2. Staffel des Kampfgeschwaders 55 wurde im April 1940 nach Schwaighofen verlegt und nahm von dort am Abgriff gegen Frankreich teil. Der Flugbetrieb wurde im Oktober 1944 eingestellt, nachdem im Monat zuvor alliierte Bomber den Platz angegriffen und stark beschädigt hatten.

Einen solchen Kriegsflugplatz hatten sich die Neu-Ulmer wohl kaum gewünscht, als schon in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts Stimmen laut wurden, die einen Anschluss der Stadt ans nationale Flugnetz forderten.

Auch die Neu-Ulmer Zeitung machte sich damals für einen Flughafen stark. Ein Redakteur hatte im „Flugkursbuch der süddeutschen Lufthansa für den Sommer 1927“ geblättert und Ernüchterndes gefunden: „Ganz Deutschland,“ schrieb er voll Staunen, „ist mit einem Netz von Fluglinien durchwoben, auf denen zum Teil so starker Verkehr herrscht, dass einige Linien am Tag mehrmals geflogen werden.“

Daraus zieht der Redakteur die Konsequenz und bastelt eigene Flugstrecken. Neben einer Route von München über Neu-Ulm nach Stuttgart hält er eine „Nord-Süd-Linie etwa von Berlin nach Nürnberg, Fürth, Ulm, Memmingen, Oberstdorf, Lindau, Konstanz und Zürich für sehr aussichtsreich“.

Aus solchen Neu-Ulmer Höhenflügen ist nichts geworden. Nach Kriegsende nutzten die amerikanischen Besatzungstruppen das Fluggelände als Hubschrauberlandeplatz, gelegentlich als Gefechtsstand für Großübungen. Als sie abzogen, kamen die Segler und Privatflieger. Ein liebloser Versuch der Politik, in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts doch noch einen Regionalflughafen einzurichten, scheiterte am Widerstand der Bürger, die den Fluglärm fürchteten – und Flugunfälle. Kurz nach Eröffnung des Landeplatzes stürzte am 21. Juni 1930 eine Maschine im Finninger Ried ab. „Der Flugzeugführer konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen,“ schrieb die Neu-Ulmer Zeitung.

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