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Expedition

10.05.2013

Neu-Ulmer Bergsteiger auf Kamtschatka obenauf

Chris Romeike und Philipp Moser erklimmen den 4579 Meter hohen Berg Kamen

Neu-Ulm Minustemperaturen in schwindelnden Höhen, Schneestürme und steile Passagen, so sah die Bergtour aus, von der die passionierten Kletterer Chris Romeike und Philipp Moser vor gut einer Woche aus Russland zurückgekehrt sind.

Ihre Expedition auf den zweithöchsten Berg der Halbinsel Kamtschatka, dem 4579 Meter hohen Kamen, war erfolgreich, und darüber freuten sich jetzt auch die Bergsteiger der Neu-Ulmer Sektion des Deutschen Alpenvereins, die das junge Team am Dienstag feierten. „Die beiden sind mutterseelenallein in die Natur hinausgezogen“, fasste Siggi Hupfauer, selbst gefahrenerprobter Expeditionsbergsteiger, zusammen.

Für ihre insgesamt vierwöchige Reise nach Russland hatten sich Romeike und Moser (beide 27) eine abgelegene und unbekannte Gegend ausgesucht: Kamtschatka ist eine von felsiger Landschaft und Vulkanen geprägte Halbinsel, die an den Osten Sibiriens grenzt.

Neu-Ulmer Bergsteiger auf Kamtschatka obenauf

Ein ganz besonderes Erlebnis sei dieser Aufenthalt für sie gewesen, berichtete Chris Romeike am Dienstag den Bergsteigerkollegen. Kamtschatka als Ziel auszusuchen, war seine Idee gewesen, schon lange habe er diese Gegend einmal kennenlernen wollen. Ziel der Reise war der Vulkan Kamen, über den vergleichsweise wenig bekannt ist. Über die 2500 Meter hohe Ostwand wollte das Team den Berg besteigen, eine Route, für die sich, so haben sie in Russland erfahren, bereits andere Bergsteiger interessierten, doch erfolgreiche Besteigungen auf diesem Weg sind ihnen bisher nicht bekannt.

Monatelanges Training und Anreise mit Skiern und Schlitten

Monatelang hatten die beiden Extremsportler für dieses Vorhaben trainiert. Mit insgesamt 95 Kilo Gepäck inklusive Kletterausrüstung sowie Schlitten und Skiern setzten sie sich am 30. März ins Flugzeug, reisten später per Bus und Schneemobil zum Berg Kamen weiter.

Ihr Basislager schlugen Moser und Romeike nach fünftägigem Aufstieg auf einem Bergsattel zwischen dem Kamen und einem noch aktiven Vulkan, dem Klyuchevskaya, auf, in 3300 Metern Höhe. Von dort aus war die Strecke zum Gipfel vergleichsweise kurz, sie wählten wegen der schlechten Wetterverhältnisse schließlich den Nordostgrat des Berges als Weg. Schnee, große Eisflächen und Steigungen von bis zu 80 Grad erwarteten sie auf dieser beschwerlichen Strecke.

Nach sechseinhalb Stunden war sie geschafft. Oben auf dem Gipfel blieben sie nur wenige Minuten, berichtet Philipp Moser, „wir machten uns gleich wieder an den Abstieg“. Das Wetter änderte sich, bei stürmischem Wind und Schneefall begaben sie sich zurück ins Lager.

Am nächsten Morgen ein neues, unerwartetes Ereignis: ein heftiger Schneesturm. Drei Tage lang harrten die beiden in ihrer Hütte aus, versuchten sie mithilfe von Tüten und Hölzern so gut wie möglich abzudichten. Minus 28 Grad Celsius haben sie im Basislager gemessen. Tage und Nächte, berichtet Romeike, in denen sie oft an Zuhause gedacht haben, die Menschen, die ihnen wichtig sind, und an die so selbstverständlich erscheinenden Errungenschaften der Zivilisation. Zuletzt hatten die beiden noch den Abstieg zu bewältigen und die rund 60 Kilometer ins nächstgelegene Dorf.

Trotz der notwendigen Routenänderung sei ihre erste Expedition ein Erfolg geworden, sind sich Romeike und Moser einig. Alles in allem „ist sehr vieles gut gelaufen, unsere Planungen haben funktioniert“, sagt Moser. Jetzt wisse er, was es heißt, „eine Leidenschaft zu haben“, ergänzt Romeike, „ich habe da auch echt gelitten“.

Jetzt, sind sie sich einig, hätten sie viel mehr Wertschätzung übrig für die Bequemlichkeiten des Alltags. Und sie haben, allen Widrigkeiten zum Trotz, einen Gipfel erreicht, der bisher von nur wenigen Bergsteigern während der Winterzeit erreicht wurde.

Peru im Blick: Die nächsten Pläne reifen schon

Beide haben durch die Anstrengung Gewicht verloren, doch das habe sich nach der Rückkehr schnell wieder ausgeglichen. Und schon schmieden sie neue Pläne: Ingenieur Romeike plant ein Auslandsjahr in Peru, wo er für die Hilfsorganisation „Herzen für eine neue Welt“ tätig sein wird. Dass Moser ihn in Peru besuchen wird, steht schon jetzt fest. „Und Berge gibt es dort einige“, sagt Romeike lachend. 2014 wollen sie dort eine Expedition starten, und wenn sie Sponsoren dafür finden, mit dieser Tour Geld für die Organisation sammeln.

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