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Neu-Ulm

28.04.2015

Neu-Ulmer Bergsteiger sitzen am Mount Everest fest

Helga Söll am Basislager, aufgenommen am 16. April diesen Jahres. Ihre Nachricht dazu via Internet: „Allen geht es gut und das Basislager ist soweit fertig eingerichtet.“
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Helga Söll am Basislager, aufgenommen am 16. April diesen Jahres. Ihre Nachricht dazu via Internet: „Allen geht es gut und das Basislager ist soweit fertig eingerichtet.“

Nach dem Erdbeben in Nepal hält ein Ulmer Vereinsmitglied Kontakt zu zwei Alpinisten, die über eine Satellitenverbindung von dramatischen Geschehnissen vom Mount Everest berichten.

Zwei Bergsteiger der Sektion Neu-Ulm des Deutschen Alpenvereins überlebten das verehrende Erdbeben am Fuße des Mount Everest. Doch die Erde bebt weiter am höchsten Berg der Welt: „Im Moment erneutes Beben! Die Erde hat wieder kräftig gewackelt. Ich möchte nicht wissen, was in Kathmandu los ist“, schrieb am Montag Jürgen Greher. Der Ulmer Alpinist Christoph Haas hält über ein internetfähiges Satellitentelefon Kontakt zum Ehepaar Helga Söll (52) und Jürgen Greher (55), einem Kinderarzt aus Blaubeuren.

Die erste Nachricht aus der Krisenregion erreichte Haas am vergangenen Samstag: „Vor 90 Minuten gab es hier ein kräftiges Erdbeben. Der Boden schwankte um circa einen halben Meter und der Tee schwappte aus den Tassen. Man musste richtige Ausfallschritte machen“, schrieb Greher. Und: „Bei uns ist alles gut.“ Die erfahrenen Bergsteiger, die bereits drei Achttausender erklommen, hatten bisher Glück: Sie wählten die vergleichsweise wenig begangene Nordroute und blieben so von den Lawinen, die viele Todesopfer im südlichen Basislager forderten, verschont. Am „North Col“, einem Bergpass in Tibet, gibt es nach Informationen des Paares wohl keine Opfer.

Die Expedition auf dem Mount Everest scheint beendet

Die Kommunikationstechnik funktioniere zumindest hin und wieder: „Aus dem chinesischen Internet haben wir ein paar schlimme Bilder aus Kathmandu gesehen.“ Nach vielen Fehlversuchen erreichte Haas die Neu-Ulmer über das Satellitentelefon. Die Sherpas, die für das verlegen der Fixseile verantwortlich sind, waren bereits bis auf 8300 Meter Höhe und haben demnach berichtet, dass wohl der gesamte Eisaufbau dort oben relativ instabil ist und sich stark verschoben hat. Das heißt: Die Expedition scheint beendet, nicht zuletzt weil einheimische Helfer bereits abgereist seien, um nach ihren Familien zu sehen.

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Die gute Nachricht: Alle zum Team gehörenden Sherpas hätten in Erfahrung bringen können, dass in ihren Familien keine Opfer zu beklagen sind. Wie es nun weiter geht ist unklar. Da auch die Region zwischen dem Basislager und Kathmandu stark vom Erdbeben betroffen ist, dürfte eine Rückfahrt nach Kathmandu ausfallen. Christoph Haas vermutet, dass die Gruppe, zu der auch ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks gehört, nun über China den Heimweg antreten wird.

Familie Ruckgaber in Sorge: Funkstille um Josef Ruckgaber

Am 6. April folgt das Paar von Frankfurt aus nach Kathmandu in Nepal. Drei Tage später ging es mit dem Bus über die Rüttelpisten des Araniko Highway nach Kodari, dem Grenzübergang nach Tibet/China und von dort aus auf den Weg zum nördlichen Basislager des Everest auf über 5000 Meter Höhe. Erst im Juni wollte die Gruppe eigentlich wieder zurück sein.

Sorge über die Lage im Himalaya-Staat herrscht bei Familie Ruckgaber im Roggenburger Ortsteil Meßhofen. Amateur-Fußballtrainer Josef Ruckgaber hält seit mehr als drei Jahrzehnten Kontakt zu Freunden aus Nepal, die er einst als Student kennengelernt hat. Vor drei Jahren war er zusammen mit seinem Sohn Kai in der Hauptstadt Kathmandu, um für einige Wochen die Fußball-Jugendnationalmannschaft des Landes zu trainieren. Sein erster Besuch damals war von starken Eindrücken geprägt. Einerseits die überschwängliche Herzlichkeit der Nepalesen, andererseits Armut, Chaos und Elend.

Josef Ruckgaber war gestern nicht erreichbar, seine Frau Petra berichtet, dass es ihrer Familie noch nicht gelungen sei, Kontakt zu den nepalesischen Freunden herzustellen. „Wir wissen derzeit nicht, ob sie die Katastrophe überstanden haben.“ Intensiven Kontakt pflegt die Familie aus Meßhofen etwa zu einem pensionierten Universitätsprofessor aus Kathmandu: „Wir machen und große Sorgen um ihn, derzeit herrscht absolute Funkstille.“

Das Erdbeben hat "wirklich alles zerstört"

Gescheitert sind auch die Versuche von Ulrich Weber, der mit seiner Neu-Ulmer Firma ARS-tec in Nepal zu tun hatte, mit früheren Kollegen in Kontakt zu treten. Unweit von Kathmandu half Weber hochgiftiges Methyl-Bromid zu entsorgen. Weber weiß aus eigener Anschauung, dass die Sorgen der Menschen schon vor dem Erdbeben nicht klein waren. „Und jetzt ist wirklich alles zerstört.“ Sogar die über 1000 Jahre alten Tempel, die er als Tourist bewunderte. Auf gepackten Koffern sitz bereits Sylvia Rohrhirsch aus Bellenberg. Als Mitglied der Hilfsorganisationen Humedica und Landsaid war sie mehrfach nach Naturkatstrophen im Einsatz. Dieses Mal ist Rohrhirsch nicht mit der ersten Helfer-Welle nach Nepal geflogen, beruflich ist die Mitarbeiterin des Arbeitersamariterbundes in Illertissen unabkömmlich – zumindest in dieser Woche. Sollte sie in den nächsten Tagen frei machen können und der Ruf kommen, wären die Koffer schnell gepackt. „Die meisten Helfer in den Katastrophengebieten arbeiten ehrenamtlich. „Sie opfern ihre Urlaubstage“, erzählt die Bellenbergerin. Sie tut das auch.

Das Erdbeben der Stärke 7,8 war die stärkste Erschütterung des Bodens in Nepal seit mehr als 80 Jahren.
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Heftigstes Beben seit 80 Jahren erschüttert Nepal - Bilder der Katastrophe
Bild: dpa/afp
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