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Neu-Ulm

08.10.2019

Neu-Ulmer Einblicke in die Daimler-Laster-Zukunft

Dieseltechnik hat im LKW-Bereich noch nicht ausgedient: Landrat Thorsten Freudenberger, Kundendienstleiter Matthias Betz und Vertriebsdirektor Andreas Schmid (von links) mit einem Schulungsmodell. Alternative Antriebe sind bei Lastwagen noch Zukunftsmusik.
Bild: Alexander Kaya

Plus Das 20–Millionen-Euro-Nutzfahrzeugzentrum hat das erste Jahr erfolgreich hinter sich gebracht. Diesel ist noch Alltag, doch die Alternativen geraten in den Blick.

Krise? „Nein wir spüren keine Krise“, sagt Andreas Schmid. Und der sollte es wissen: Als Daimler-Vertriebsdirektor der LKW-Sparte für Württemberg und Bayern hat der studierte Betriebswirt die Hand am Puls der regionalen Wirtschaft. Sein Dienstsitz ist das Mercedes-Benz Nutzfahrzeug Zentrum in Neu-Ulm. 700 Neufahrzeuge wurden von hier aus im vergangenen Jahr verkauft, 80 Prozent davon schwere Laster wie der Actros.

Der Landrat fuhr Daimler beim Bund

Landrat Thorsten Freudenberger nahm bei seinem ersten Betriebsbesuch in der vor ziemlich genau einem Jahr eröffneten Niederlassung Platz in einem „Actros 1848“ – einem 18-Tonner mit 480 Pferdestärken. Und traute seinen Augen kaum: Rückspiegel sind längst durch Kameras ersetzt, auch im Innerem dominieren Bildschirme. Dabei kennt – oder eher kannte – sich der CSU-Mann mit Brummis aus. Beim Bund machte er 1993 den LKW-Führerschein. Auf einem 1017, also Zehntonner mit 170 PS.

Brennstoffzelle ist bei Lastern noch zu teuer

Viel hat sich seitdem verändert in der Lasterbranche. Nur der Diesel tuckert noch immer unter den Hauben. So schnell werde sich das auch nicht ändern, sagte Schmid. Ein elektrisch betriebener Schwerlaster müsse mit einer vernünftigen Reichweite derzeit vier Tonnen Batterien mitführen. Die Brennstoffzelle bremsten (noch) die Kosten: Während eine neue Dieselzugmaschine um die 100000 Euro kostet, werden derzeit für die Brennstoffzellenvariante 600000 bis 700000 Euro fällig. Dennoch sei das 20-Millionen-Euro-Nutzfahrzeug-Zentrum mit 137 Beschäftigten am Mercedes-Benz-Platz im Industriegebiet Schwaighofen auf die Zukunft vorbereitet. Schon jetzt hätten 20 Prozent der Monteure eine Hochvolt-Ausbildung, also die Befähigung für E-Motoren.

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Daimler testet E-Laster

Der Elektroantrieb geht nämlich trotz Hindernissen auch an Lastern nicht vorbei: Eine Daimler-E-Versuchsflotte ist längst im Einsatz. Schmid rechnet mit einer Markteinführung aber nicht vor 2023. Zunächst stehe der innerstädtische Waren- und Lieferverkehr im Fokus – denn die hier benötigten Reichweiten könne der E-Actros sehr gut abdecken. Mit acht stationären Ladesäulen und drei mobilen wäre Daimler in Neu-Ulm aber dafür gerüstet.

Schon jetzt gerüstet ist der Standort für den Gasantrieb, eine Grube ist eigens für diese Technik ausgerüstet. Ein Löschfahrzeug mit dieser umweltfreundlichen als Zwischenlösung angesehenen Antriebsart stellte wie berichtet jüngst Magirus in Ulm vor.

Daimler hat den „Digital Vehicle Scanner“

Ein Blick in die Zukunft des Lasters wurde dem Landrat auch mit dem futuristischen „Digital Vehicle Scanner“ gewährt: Bei Einfahrt in die graue Röhre fertigen knapp 30 Kameras ein 360-Grad-Bild des Fahrzeugs. In Neu-Ulm steht einer von bundesweit nur vier derartigen Apparaten, die noch im Probebetrieb arbeiten. Das Ziel: Automatische Vorher-nachher-Vergleiche bei der Fahrzeuganlieferung. Noch müssten die Bilder des Lasters (oder auch von Bussen) von Ein- und Auslieferung manuell verglichen werden, doch schon im kommenden Jahr soll das eine Software übernehmen. So sollen Streitigkeiten über Macken am Laster der Vergangenheit angehören.

Laster verkauft Daimler laut Prognose auch im kommenden Jahr gut, wenngleich eine gewisse Beruhigung eines überhitzten Marktes eintrete, so Schmid. Doch mit Blick in die Zukunft gewinne der Bereich Dienstleistung an Bedeutung: Komplette vernetzte Lastwagen melden etwa vollautomatisch die Probleme an die Werkstatt – vom zu geringen Luftdruck bis hin zu größeren Problemen. Eine immer leistungsfähiger werdende digitale Technik helfe auch, die Laster besser auszunutzen. „30 Prozent der Laster fahren leer“, sagt Schmid. Eine bessere Planung könne dies verhindern.

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