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Neu-Ulm

06.02.2019

Neu-Ulmer Festungsbau wird aufgemöbelt

Das ehemalige Neu-Ulmer Kriegsspital, das Teil der Bundesfestung ist, soll umfassend saniert und um zwei Geschosse aufgestockt werden. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hat jetzt über die Pläne beraten.
Bild: Alexander Kaya

Das ehemalige Kriegsspital in der Nähe der Glacis-Galerie wird aufgestockt und durch ein 28 Meter hohes Gebäude ergänzt. Was Stadträte dort für die Umwelt tun wollen.

Das ehemalige Kriegsspital an der Kreuzung Memminger Straße/Turmstraße ist zwar ziemlich in die Jahre gekommen, wird aber rege genutzt. Etliche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe haben sich in dem massiven Backsteinbau angesiedelt, etwa eine Schilderfabrik, ein Reinigungsservice, eine Pizzeria, eine Werbeagentur, ein EDV-Systemhaus und das Archiv des Ulmer Instituts für Transkulturelle Forschung. Das Grundstück liegt wenige Meter nördlich der Bahngleise. Die Glacis-Galerie und der künftige Südstadtbogen sind nur einen Steinwurf entfernt. Jetzt soll das denkmalgeschützte Gebäude, das zur Bastion 5 der Bundesfestung Ulm gehört, in großem Stil saniert, umgebaut und aufgestockt werden.

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Der Förderkreis Bundesfestung Ulm war entsetzt von den Plänen

Das rief im Vorfeld der Planungen lautstarke Proteste hervor. Der Förderkreis Bundesfestung nannte das Vorhaben „monströs“ und befürchtete einen massiven Eingriff in die historische Substanz (wir berichteten). Am Dienstag diskutierte der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt des Neu-Ulmer Stadtrats über die Pläne. Die Stadträte waren davon durch die Bank angetan. Den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan fassten sie daher einstimmig.

„Es gab Irritationen“, räumte Stadtbaudirektor Markus Krämer mit Blick auf die Einwände des Förderkreises ein. „Damit haben wir uns eingehend beschäftigt. Wir sind auf einem sehr guten Weg.“ Ziel der Eigentümer sei es, das Gebäude langfristig zu sichern und zu erhalten. Die Substanz des Hauses und das Mauerwerk müssten ausgebessert werden, es seien aber keine einschneidenden Änderungen am Baudenkmal an sich vorgesehen.

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Ein Neubau neben den Gleisen und dem Südstadtbogen

Das von 1850 bis 1854 erbaute Gebäude, das nach Aussage der Verwaltung seit Jahrzehnten „einer anhaltend starken Durchfeuchtung ausgesetzt“ und dadurch geschädigt ist, soll durch den Investor grundlegend instandgesetzt werden. In Anlehnung an die Gebäudehöhe von 1894 soll das ehemalige Kriegsspital außerdem um zwei Geschosse aufgestockt werden. Damit wird Platz für 55 neue Wohnungen geschaffen. Das Gebäude hätte durch die Aufstockung eine maximale Höhe von 18 Metern. In den Stockwerken darunter soll die bisherige Nutzung nach der Sanierung weitgehend erhalten bleiben. Gegenüber dem Festungsbau, der ursprünglich eine Kaserne war, steht heute ein Flachdachgebäude mit einer Spielhalle drin. Das will der Vorhabenträger und Grundstückseigentümer, die Firma Panescu Immobilien aus Kempten, abreißen und durch einen gestaffelten, vier- bis achtstöckigen Neubau ersetzen. Dieses Wohn- und Geschäftshaus wird den Plänen zufolge bis zu 28 Meter hoch. Es soll den städtebaulichen Abschluss zur Bahnlinie schaffen und dabei zwischen dem historischen Kriegsspital und dem künftigen Hochhaus auf dem Areal des Südstadtbogens „vermitteln“, wie es die Baufachleute beschreiben. Im Bereich zwischen Festungsgebäude und Neubau, der heute von Parkplätzen und Laderampen geprägt wird, soll ein kleiner Park angelegt werden.

Bienenstöcke auf dem Dach des ehemaligen Kriegsspitals?

Reinhard Junginger (CSU) lobte die städtebauliche Aufwertung, die das Grundstück durch den Umbau erfahre, und mahnte an, dass auch die draufgesetzten Stockwerke ins Stadtbild passen müssten. Er schlug außerdem vor, auch etwas für die Umwelt zu tun: „Könnte man da Bienenstöcke unterbringen?“, fragte er – gemeint war das neue Dach. Eine Blühwiese auf der Tiefgarage fände er ebenfalls eine gute Sache. Von den Bäumen auf dem Grundstück sollten seiner Ansicht nach mindestens 20 Prozent Obstbäume sein – das wäre dann einer, wie Oberbürgermeister Gerold Noerenberg (CSU) flugs ausrechnete. Christa Wanke (FDP) fand die Idee mit den Bienen „ganz zauberhaft“, Stadtbaudirektor Markus Krämer versprach: „Wir gehen der Sache nach. Wenn das geht: Warum nicht?“

Ulrich Seitz (SPD) drängte darauf, dass der Umbau im Einklang mit der historischen Bedeutung des Gebäudes erfolgen müsse: „Wir wollen ein Ergebnis, das dem entspricht, was wir uns vorgestellt haben.“ Markus Krämer wies darauf hin, dass die Stadt vor allem bei der Aufstockung des Festungsgebäudes über den Denkmalschutz ein gehöriges Wort mitreden könne. Bei dem Neubau auf dem Platz der heutigen Spielhalle seien die Mitwirkungsmöglichkeiten etwas geringer. Doch er warb dafür, dem Investor an dieser Stelle zu vertrauen. Das Wohn- und Geschäftshaus werde gebraucht, um den vorderen Teil neu herzurichten – denn die Sanierung des Kriegsspitals sei nicht rentabel. Das eine ohne das andere sei daher nicht möglich. Christa Wanke regte als Gedanken für die Zukunft an: „Es wäre schön, eine Verbindung zur Bastion 5 zu schaffen.“ Dieser Teil der Bundesfestung werde auf jeden Fall von der Sanierung des Kriegsspitals profitieren, versicherte der Stadtbaudirektor.

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06.02.2019

Ehrlich gesagt eine sinnvolle Investition, das alte Kriegsspital hat in der aktuellen Nutzung und der dort angesiedelten Umgebung (Spielcasino) nicht wirklich etwas von einem denkmalgeschützten Gebäude.

Die Sanierung und Erweiterung, wie sie ja auch über 60 Jahre schon mal so stand, hilft den Glaciepark und die Fläche entlang der Turmstraße aufzuwerten. Das ein Casino, besonders mit dieser Bauform (Flachdachgebäude) im Zentrum nichts zu tun hat, sollte klar sein. Mehr Wohnraum an einer so günstigen Verkehrsanbindung (Bahnhof) ist ideal und ist ein Gewinn für Neu-Ulm.

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