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Neu-Ulm

12.11.2019

Neu-Ulmer Stadtrat: SPD-Fraktion wirft Wöhner raus

Karl-Martin Wöhner und die Neu-Ulmer SPD gehen getrennte Wege. Das Zerwürfnis hat sich seit Längerem angebahnt, nun eskalierte der Streit. 2013 war Wöhner noch als SPD-Kandidat bei der Landtagswahl angetreten.
Foto: Alexander Kaya (Archivfoto)

Plus Die Genossen haben nach der jüngsten Attacke ihres früheren Vorsitzenden die Nase voll. Karl-Martin Wöhner hat bereits eine neue politische Heimat gefunden.

Das Tischtuch zwischen Karl-Martin Wöhner und der Neu-Ulmer SPD ist zerschnitten. Nachdem der langjährige Stadtrat schwere Vorwürfe gegen den Ortsvorsitzenden Erich Krnavek erhoben hatte, haben die Genossen ihn mit sofortiger Wirkung aus der Fraktion ausgeschlossen. Auch aus dem Ortsverein wird er wohl rausfliegen. Wöhner selbst blickt gelassen auf das Ende seiner SPD-Karriere: „Das ist Schnee von gestern“, sagte er gegenüber unserer Redaktion. Denn er hat bereits eine neue politische Heimat gefunden. Strebt er noch mal nach Höherem?

Wöhner ist jetzt Sprecher der Bürgerliste Neu-Ulm

Wie Wöhner auf Anfrage unserer Redaktion sagte, ist er jetzt Sprecher der „ökologischen, sozialdemokratischen Bürgerliste Neu-Ulm“. Diese will am Donnerstag zusammen mit der Partei Die Linke einen gemeinsamen Wahlvorschlag für die Stadtratswahl 2020 präsentieren. Auch ein eigener Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl soll vorgestellt werden. Wer das ist, wollte Wöhner vorab nicht verraten. Auch nicht, ob er selbst Ambitionen hat. Nur so viel: „Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen.“

Vorwurf an den SPD-Ortsverein Neu-Ulm: "Raffgieriges Kindergartentheater"

Der SPD-Ortsverein Neu-Ulm hatte kürzlich seine Liste für die Stadtratswahl aufgestellt. Darauf fehlte ein prominenter Name: Karl-Martin Wöhner. Nachdem die Liste im Stadtverband beschlossen war, zog Wöhner in einem Zeitungsbericht vom Leder. Den Ortsvorsitzenden Erich Krnavek bezeichnete er laut Südwestpresse als „Schwachmat“. Außerdem warf Wöhner ihm vor, er habe sich kaufen lassen – mit dem Vize-Fraktionsvorsitz und einem Aufsichtsratsmandat bei der städtischen Wohnungsgesellschaft Nuwog. Hintergrund: Krnavek hatte die Satzung des SPD-Stadtverbands mitgetragen, die Wöhner als ungerecht empfindet. Denn die Stadträte aus Pfuhl müssten für den Wahlkampf pauschal 60 Euro monatlich an den Stadtverband überweisen. Die Stadträte aus Neu-Ulm zahlten dagegen 20 Prozent ihrer Aufwandsentschädigung. Das ist, je nach Posten, deutlich mehr. „Das ist ein Unding“, findet Wöhner. Und mehr noch: „Das ist raffgieriges Kindergartentheater.“ Der Ortsverein Neu-Ulm habe sich bei den Verhandlungen über den Tisch ziehen lassen. Mit solchen „Machenschaften“ vergraule die SPD ihre Wähler. Wöhner selbst will baldmöglichst sein Parteibuch zurück geben: „Die SPD muss selber mit ihrem Scherbenhaufen klar kommen. Ich tauche auf von einem morschen Wrack.“

Der SPD-Fraktionschef sagt: Hier wurde eine Grenze überschritten

„Die Vorwürfe sind unberechtigt“, sagte Rudolf Erne, Fraktionsvorsitzender im Neu-Ulmer Stadtrat, über Wöhners ins Feld geführte Gerechtigkeitslücke. „Der Stadtverband und die beiden Ortsvereine harmonieren gut miteinander.“ Die Frage der Finanzierung sei ausführlich diskutiert und von allen Beteiligten akzeptiert worden. „Er versucht, da immer wieder einen Keil reinzutreiben“, so Erne über Wöhner. Mit seinen jüngsten Äußerungen über Krnavek habe er eine Grenze überschritten. „Das darf man sich nicht bieten lassen.“ Die Fraktion sehe in dem Verhalten von Wöhner, ein Fraktionsmitglied öffentlich als „gekauft“ zu bezeichnen, „einen ungeheuerlichen und vertrauensschädigenden Akt“.

Die Rede ist von "rücksichtslosem Vorgehen" und "Freude an der Intrige"

Noch deutlicher wird der Stadtverbandsvorsitzende Patrick Steiner-Hirth. „Karl-Martin Wöhner war seit Jahren eine Belastung für das Engagement vieler Mitglieder in der SPD Neu-Ulm“, erklärte er am Dienstag. „Sein rücksichtsloses Vorgehen bei Eigeninteressen, seine Freude an der Intrige und dem Hinterzimmer stand seinem ohne Zweifel großen zeitlichen und persönlichen Engagement in einem immer größeren Missverhältnis gegenüber.“ Wöhners Ausschluss aus der Fraktion sei richtig und wichtig für die SPD.

Der Ortsverein Neu-Ulm trifft sich zu einer außerordentlichen Versammlung

Erich Krnavek kündigte an, dass Wöhner auch aus dem Ortsverein Neu–Ulm ausgeschlossen werden solle. Dazu findet am Mittwochabend eine außerordentliche Mitgliederversammlung statt. Grund seien aber nicht die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, so Krnavek. Es gehe um Mandatsträgerabgaben und Mitgliedsbeiträge. Wöhner soll über einen längeren Zeitraum zu wenig bezahlt haben. „Das ist ein unsolidarisches Verhalten“, sagte Krnavek. Und dies sei letztlich auch der Grund dafür gewesen, dass Wöhner nicht mehr nominiert wurde. „Wenn einer das einfach nicht zahlt, kann er nicht erwarten, dass wieder auf die Liste kommt“, so der Ortsvorsitzende, der sich von Wöhner wünscht: „Der soll einfach Ruhe geben.“

Wöhner war bereits zweimal OB-Kandidat in Neu-Ulm

Der 59-Jährige denkt jedoch nicht daran, wie sein neues Engagement für die Bürgerliste Neu-Ulm deutlich macht. Welche Ambitionen er diesmal hat, wird Karl-Martin Wöhner am Donnerstag bekannt geben. Der Ludwigsfelder war bereits zweimal Oberbürgermeister-Kandidat in Neu-Ulm: 2002, damals noch für Pro Neu-Ulm, und 2008 für die SPD. 2013 ging Wöhner, der als Laboringenieur an der Technischen Hochschule Neu-Ulm arbeitet, für die SPD bei der Landtagswahl ins Rennen. Wöhner ist seit 17 Jahren Parteimitglied, war Ortsvorsitzender und Fraktionsvorsitzender im Neu-Ulmer Stadtrat.

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