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25.02.2010

Neue Ära im Nahverkehr

Landkreis Wenn, wie vorgesehen und erhofft, auf der Bahnlinie von Weißenhorn nach Senden wieder das "Bähnle" fahren wird, wird im Landkreis eine neue Ära im öffentlichen Personennahverkehr anbrechen - nicht nur für die Gemeinden entlang des Schienenwegs. Gestern erläuterte der Tübinger Nahverkehrsberater Ulrich Grosse den Mitgliedern des Kreis-Verkehrsausschusses ein Konzept, wie Bahn- und Busverkehr künftig optimal und "kostenneutral" abgestimmt werden können - und erntete fast euphorische Zustimmung für seine Überlegungen.

Zentral in dem Konzept: Rund um die Haltepunkte des "Bähnles" werden kurze Zubringer-Buslinien eingerichtet. Bisherige "lange" Buslinien, die quasi parallel zur Zugstrecke verlaufen, entfallen. Die auf diese Weise frei werdenden 380 000 Beförderungskilometer pro Jahr werden umgeschichtet - aus einigen wenigen langen Buslinien werden mehrere kurze, die auf die Abfahrtszeiten des "Bähnles" abgestimmt werden. So soll eine gewisse Kostenneutralität erreicht werden. Unschlagbarer Vorteil einer Bahnverbindung von Weißenhorn über Senden und Neu-Ulm bis Ulm ist die Zeit: Von Endpunkt zu Endpunkt dauert die Reise gerade einmal 25 Minuten - weil die Bahn Vorfahrt hat. Mit Bussen braucht es im Idealfall mindestens doppelt so lange. Zudem ist vorgesehen, dass das "Bähnle" zwischen 6 Uhr in der Früh bis Mitternacht im Stundentakt startet. Für Bahnreisende aus dem Rothtal bedeutet das auch, dass sie in kürzester Zeit am Sendener Bahnhof sind - mit Anschluss an die Züge auf der Illertalbahn nach Memmingen oder nach Ulm.

Wenn Buslinien - beispielsweise die Linie "76" von Weißenhorn nach Senden - aufgelöst werden, sind ganze Viertel in der Stadt Senden und die Ortsteile Ay, Aufheim und Teile von Wullenstetten ÖPNV-mäßig schlechter gestellt als bislang. Die Lösung: eine neue Linie, welche besagte Örtlichkeiten bedient und die am Bahnhof in Senden endet (oder beginnt).

Ähnlich in Weißenhorn: Dort soll die Buslinienführung aus Krumbach via Roggenburg modifiziert werden, sodass auch die vielen Weißenhorner Ortsteile und die Innenstadt-Haltestellen regelmäßig von Bussen mit Endstation Bahnhof angefahren werden. Großer Vorteil: das sogenannte Hinterland von Weißenhorn bekommt ein viel engmaschigeres ÖPNV-Netz als es bisher der Fall ist - die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Ulm nach Roggenburg mit Kloster und Familienzentrum wird kürzer und problemloser. Wichtig wegen der Berufspendler ist nach Grosses Ansicht auch ein Bahnhaltepunkt im Industriegebiet Eschach.

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"Linienstern" Bahnhof Senden

Der Bahnhof Senden soll nach der Vorstellung von Planer Grosse ein "Linienstern" für Omnibusse und die "Drehscheibe" für Bus und Bahn werden - sprich: Busse auch aus Vöhringen und Illerzell (IllertalGymnasium) steuern den Bahnhof in Senden an, um Fahrgästen das Umsteigen auf die Bahn in dann drei Richtungen zu ermöglichen.

Ulrich Grosse plauderte in der Sitzung auch ein wenig aus dem Nähkästchen von Verkehrsplanern: Beispielsweise akzeptieren Reisende eine "Brechung" (sprich: Umsteigen von einem auf das andere Verkehrsmittel) eher, wenn das zweite Vehikel schneller als das erste ist - der Umstieg von Bus auf Bahn fällt leichter als der von Bahn auf Bus. Die Frage der Taktung hängt vom Ziel der Reise ab: Wer von Weißenhorn nach Hamburg will, dem würde ein Zweistundenbahntakt genügen. Wer aber von Weißenhorn nach Wullenstetten will, der möchte möglichst alle halbe Stunde eine Fahrgelegenheit.

Grosses Vorschläge sind eine Art Grobkonzept, das später verfeinert werden kann. Beispielsweise muss festgelegt werden, ob an Wochenenden oder Feiertagen das Fahrangebot reduziert wird. Gleiches gilt für die täglichen Abfahrtszeiten. Fraglich ist etwa, ob der letzte Bus aus Roggenburg unter der Woche um 24 Uhr abfahren muss. Eher könnten zum Beispiel das Busangebot von Roggenburg ins Rothtal Richtung Buch oder nach Nersingen verdichtet werden.

Franz Schmid, Fraktionschef der Grünen im Kreistag, erklärter ÖPNV-Befürworter, staunte: "Ich bin baff."

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