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Ulm

05.07.2016

Neue Banden heizen den Rockerkrieg an

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Dass es die „Osmanen Germania“ nicht nur in Ulm gibt, zeigt dieses Bild. Anfang des Jahres wurde ein Treffen von Anhängern in Neuss von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet.
Bild: Dieter Staniek/dpa

Nach dem Großeinsatz der Polizei ist klar: In der Region sind nun auch die Gruppierungen „Osmanen Germania BC“ und „Bahoz“ angekommen. Was das mit den Hells Angels zu tun hat.

Die in Ulm bereits manigfaltig vertretene Rocker-Szene ist jetzt um zwei Namen reicher: Wie Kenner der Materie unserer Zeitung mitteilten, stecken hinter einer drohenden Auseinandersetzung am vergangenen Freitagabend (wir berichteten) die kurdische Vereinigung „Bahoz“ und der türkische Kreis „Osmanen Germania BC“ – im Polizeijargon werden beide als „rockerähnliche Gruppierungen bezeichnet.

In der Nacht zum Freitag verhinderte die Polizei ein Aufeinandertreffen der martialisch auftretenden Männergruppen. Demnach standen sich von einem Döner-Lokal im Hafenbad bis zu 60 Menschen kampfbereit gegenüber. Die Polizei sprach einen Platzverweis aus und verhinderte in der Nacht immer wieder Auseinandersetzungen.

Offenbar spielt in dem Konflikt auch die Feindschaft zwischen Türken und Kurden eine Rolle. In den sozialen Netzwerken wird deutlich, wie ernst dieser Rocker-Streit zu nehmen ist: Auf einer im Laufe des gestrigen Tages wieder vom Netz genommen Facebook-Seite schreibt „Bahoz Ulm“ unter ein offenbar in Ulm aufgenommenes Foto mit Kuttenträgern: „Ich werde mit Männern kommen, die den Tod mehr lieben als ihr das Leben.“ Ein Zitat, das Chalid ibn al-Walid zugeschrieben wird, einem Gefährten Mohammeds und einer der bedeutendsten arabischen Feldherren. Bahoz ist ein kurdisches Wort und bedeutet so viel wie Sturm. Die Gruppierung beschreibt sich selber als ein „antirassistisches, antifaschistisches Projekt“.

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Das Verhältnis zwischen "Osmanen Germania BC" und Hells Angels ist unklar

Den Kurden gegenüber standen im Hafenbad Anhänger des „Osmanen Germania Boxclubs“. Diese Vereinigung entstand laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen 2015 in Frankfurt. Ihrer Gründung soll demnach ein Streit innerhalb der Hells Angels vorangegangen sein. Gestritten wurde und wird bei den „Höllenengeln“ darüber, ob junge Migranten als Mitglieder zugelassen werden sollen oder nicht, was letztlich zur Gründung des „Osmanen Germania Boxclubs“ geführt habe. Dieser kopiert offenbar was Organisationsstruktur in lokalen Chaptern und auch ihre „Geschäftsfelder“ angeht, die Hells Angels. Unklar ist nach Expertenmeinung, in welcher Verbindung der „Boxclub“ nun zu den Hells Angels steht. Spekuliert wird deshalb in Insiderkreisen inwiefern das Aufkommen der „Osmanen Germania“ mit einem regionalen Machtanspruch der Hells Angels zusammenhängen könnte.

Optisch sind weder „Osmanen“ noch „Bahoz“ von anderen Rocker-Clubs zu unterscheiden: Männer, Muskeln, Tätowierungen und Lederkutten mit großen Aufschriften dominieren. Wie Augenzeugen unserer Zeitung berichten, traten neben den Männern in „Bahoz“- oder „Osmanen“- Kutten auch Anhänger der „Red Legion“ auf. Diese Organisation ist inzwischen verboten. Der kurdisch geprägten Vereinigung wird eine Nähe zur PKK nachgesagt, was sie wiederum zu Feinden der „Osmanen Germania“ macht.

Rockerkrieg: Ulm ist kein Einzelfall

Auch „Black Jackets“, die spinnefeind der „Red Legion“ gegenüber stehen, wurden im Hafenbad am Freitagabend gesichtet. Diese wiederum geraten immer wieder in Konflikte mit den „United Tribuns“. Doch wie ein Polizeisprecher auf Nachfrage sagt, gebe es keine Erkenntnisse, dass das jüngste Aufeinandertreffen der Rocker im Zusammenhang mit den Ereignissen aus Heidenheim stehe. Wie berichtet, wurde der Vizepräsident des Ulmer Chapters der „United Tribuns“ in Heidenheim mit drei Schüssen getötet, sein Bruder überlebte einen Bauchschuss. „Wir behalten sämtliche Gruppierungen im Auge“, heißt es bei der Ulmer Polizei. Für die Beamten ist klar, dass es zu „Folgetreffen“ kommen wird, die die Beamten mit „verstärkten Kräften“ begleiteten wird.

Kenner der Szene gehen davon aus, dass sich hierzulande der politische Konflikt zwischen Türken und Kurden an letztlich an handfesten Geschäftsinteressen entzündet. So sollen „Schutzgeldzahlungen“ in der regionalen türkisch geprägten Gastronomie ein großes Thema sein.

Dass Ulm kein Einzelfall ist, was derartige Auseinandersetzungen angeht, zeigte sich jüngst auch in Frankfurt am Main: Während des EM-Spiel Türkei gegen Tschechien konnte die Polizei nach Medienberichten nur mit Mühe und 100 Beamten einen „Rockerkrieg“ zwischen dem „Osmanen Germania Boxclubs“ und einer kurdischen Gruppierung vermeiden.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.07.2016

Last doch die Rocker aufeineander los gehen, wenn sie sich beruhigt haben "wie auch immer" kann der Räumtrupp kommen und den Kolateralschaden wegräumen.

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05.07.2016

kollateralschäden sind aber unbescholtene Bürger, die zwischen die Reihen geraten oder von Querschlägern getroffen werden, also keine gute Idee.

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05.07.2016

Ich hoffe mal, wenn die Rocker aufmarschieren, das sich kein Normalbürger dort blicken lässt.

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