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Konzert

14.02.2012

Neue Horizonte der Chormusik

Der 2011 von Stefan Glasbrenner (links) gegründete Chor „Junges Vokalensemble Ulm“ legte in Ulm eine beeindruckende Visitenkarte seines Könnens vor.
Bild: Foto: Arnold

„Junges Vokalensemble Ulm“ meistert in der Martin-Luther-Kirche auch schwierigste Werke brillant

Ulm Die lyrische Anmut skandinavischer Chormusik der Gegenwart hat das „Junge Vokalensemble Ulm“ in seinem Konzert „Northern Lights“ in der Ulmer Martin-Luther-Kirche vorgestellt. Rund 70 Minuten feinster Chormusik, die mustergültig zur Aufführung kam – ein Abend voller eindrucksvoller Momente.

Transparenter und doch kräftiger Klang

Zur Eröffnung erklang das fanfarenhafte „Be not afraid“ des Schweden Knud Nysted. Ein Stück, das der erst 2011 von Stefan Glasbrenner gegründete Chor wie eine Visitenkarte dem Konzert voranstellte und deutlich machte, welchen Anspruch man sich stellt. Denn der Chor ist einem Klanghorizont verpflichtet, wie man ihn etwa aus dem Baltikum kennt: ein gerader, transparenter und dabei kräftiger Chorklang. Eine nahezu ohne Vibrato geführte Stimme ist das ohrenfälligste Merkmal. Die Frauenstimmen sind makellos hell, was in der Summe einen sehr glänzenden, silbrigen Klang erzeugt; dazu die Männerstimmen, markant eingesetzt und mit erstaunlicher Tiefe, die im Konzert immer wieder mit profundem Kontrast zu den Frauenstimmen einsetzen. Mühelos, so hatte man den Eindruck, meisterte der junge Chor unter seinem punktgenau agierenden Leiter und Dirigenten jedes noch so komplizierte Werk.

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Gleich das zweite Werk, Arvo Pärts „Da Pacem“ mit seinen stehenden Klängen, in die Melodiesprengsel von gregorianischer Strenge eingewoben sind, lebt von der Qualität der Sänger. Das Ensemble erfasste die schwebenden, weiten Klangräume mit einem Maximum an Ausdruck und Eleganz.

Edward Griegs „I Himmelen“, ein Werk des 19. Jahrhunderts, erklang so frisch und modern, als habe es der Komponist erst vor Kurzem geschrieben. Eine liebliche, von lichten, fröhlichen Harmonien bestimmte Mittsommernachtsfantasie.

Das Schwerkraftzentrum des Konzerts bildeten zwei Werke von großer Klangschönheit. Ohne anbiedernde Effekte, gespeist aus modernen Harmoniefolgen und Antiphonen in Kirchentonarten, erklangen Leif Martinussens „Ode to Light“ und Ola Gjeilos den Konzerttitel gebendes „Northern Lights“. Martinussens magisch-plastisches Werk, erhebt sich über „erdigen“ Klangharmonien zu einer wahren Hymne; das Licht zerbricht das Dunkel, pointiert vorgetragen durch die Frauenstimmen, die ein hochengergetisches „Light“ singen. Gjeilo, 34 Jahre alt, lebt in New York. Sein Werk schrieb er in einer tiefen Winternacht in der schwedischen Heimat. Eine zarte, fragile Melodie, die unglaublich weite Klangräume eröffnet. Neue vokale Horizonte eröffneten sich auch durch Urmas Sisasks „Benedictio“, das den Bogen von der Gregorianik zum Groove spannt. Ein wiegender Rhythmus treibt den Chor schließlich zu pointierten „Fanfarenstößen“.

„Vokale Nordlichter“ faszinierte zu jeder Sekunde. Sensibel agierten die Einzelstimmen im Gesamtklang; die Gestaltung der anspruchsvollen Chorsätze gelang ohne Intonations-Unschärfen, das Nebeneinander von sanften Dissonanzen, Rhythmus und chorischer Strenge gelang durchweg.

Der junge Chor möchte „eigene musikalische Akzente“ setzen. Das ist ihm mit diesem Konzert eindrucksvoll gelungen. (flx)

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