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Illertissen/Emershofen

01.02.2018

Neue Route für die Lehmlaster zum Bellenberger Ziegelwerk

Am Parkplatz „Reudelberger Forst West“ sollen die Transporter die Autobahn verlassen. Über den weiteren Verlauf der Strecke wird noch debattiert. 
Bild: Archivfoto Regina Langhans

Eine alternative Strecke für die umstrittenen Transporte ist in der Debatte. Sie soll die Umwelt weniger belasten. Doch einige Bedenken bleiben.

Statt der direkten Strecke von der Autobahn zum Ziegelwerk in Bellenberg sollen die Lehmtransporter einen Zick-Zack-Kurs durchs Ried fahren: Darum ging es in der jüngsten Sitzung des Illertisser Stadtrats, bei der man der neuen Route zustimmte. Sie ist etwa zwei Kilometer lang, verläuft zum Teil auf der Gemarkung des Ortsteils Tiefenbach und soll aus der Kasse des Ziegelwerks für den Schwerlastverkehr ausgebaut werden.

Die ursprünglich ins Auge gefasste Strecke von der A7 zum Werk wäre allein auf Bellenberger Flur verlaufen. Doch es gab Kritik, wonach die Route im Bellenberger Ried Lebensräume von Tieren durchschnitten hätte. Deshalb hat Michael Angerer, der Leiter des Fachbereichs Naturschutz und Landschaftsplanung am Landratsamt Neu-Ulm , die jetzige Route ins Spiel gebracht.

Hintergrund der Überlegungen: Jeden Tag rollen dutzende Lastwagen auf ihrem Weg zum Ziegelwerk durch Emershofen und Tiefenbach. Sie bringen Aushub von den Baustellen des Bahnprojekts Stuttgart 21 nach Bellenberg, der dort zu Ziegeln verarbeitet wird. Der Verkehr könnte demnächst noch zunehmen: Weitere Lieferungen mit einem Umfang von mehreren Millionen Tonnen stehen zur Debatte. Viele Lokalpolitiker und Verwaltungsmitarbeiter sind sich einig: Das ist den Dörfern und ihren Bewohnern nicht mehr zuzumuten.

Im vergangenen Jahr hatte ein runder Tisch mit mehreren Beteiligten im Landratsamt getagt. Daraus resultierte wie berichtet der Vorschlag, die Lastwagen könnten am Autobahnparkplatz „Reudelberg West“ zwischen Vöhringen und Illertissen abfahren und über das Ried nach Bellenberg gelangen. Die Orte blieben so vom Schwerlastverkehr verschont. In Emershofen und Tiefenbach soll zudem das Tempo für Lkw auf 30 Kilometer pro Stunde beschränkt werden. Noch ist das Limit nicht in Kraft. Die Straßenschilder seien aber bestellt, hieß es am Mittwoch auf Anfrage beim Landratsamt.

Nachdem die Pläne, die Lastwagen mitten durchs Ried zu schicken, auf Einwände gestoßen waren, machte sich Angerer für eine andere Strecke stark. Sie führe an den Lebensräumen vorbei und sei „vertretbar“, was den Umweltschutz angehe. Die Route sei mit zirka 1,8 Kilometern etwas länger als die zuerst ins Auge gefasste, allerdings gebe es bereits einige befestigte Wege. Insgesamt dürfte durch die notwendigen Straßenbauten etwas weniger Fläche versiegelt werden als bei der anderen Strecke, sagte Angerer.

Bei der Ziegelei akzeptiert man den Vorschlag – wenn auch zähneknirschend: Es sei nicht „die Traumvariante“, aber es gebe keinen andere Möglichkeit, sagte Bevollmächtigter Anton Grehl, der sich mit seiner Firma SGWM Umwelt GmbH um die Rekultivierung von Ton- und Lehmgruben widmet, in der Stadtratssitzung in Illertissen. Wie dort weiter zu erfahren war, hätte für die erste Route (entlang der Biotope) ein Artenschutzgutachten erstellt werden müssen. Das hätte allerdings wohl ein Jahr gedauert – und damit zu lange, wie Bürgermeister Jürgen Eisen betonte.

Von einer „verträglichen Lösung“ sprach Bernd Hillemeyr, der im Illertisser Rathaus für den Tiefbau zuständig ist. Die „massiv ausgebaute Lastwagenfahrstrecke“ könne zügig umgesetzt werden, eine „Zerschneidung des Biotops“ lasse sich so verhindern. Doch einige Bedenken blieben: Eine Strecke direkt an der Autobahn entlang hätte ihr „wesentlich besser“ gefallen, sagte Rätin Helga Sonntag (ÖDP/AB/Grüne). Das Problem: Das ist nach Auskunft der Experten der Autobahndirektion nicht möglich, weil nächtliche Fahrten auf der Ausweichstrecke mit Scheinwerferlicht die Verkehrsteilnehmer auf der A7 blenden würden.

Der dritte Bürgermeister Wolfgang Ostermann (SPD) zeigte sich droh darüber, dass es immerhin machbar sei, die Orte Tiefenbach und Emershofen zu entlasten. Dörfer entlang der Strecke hin zum Ziegelwerk in Klosterbeuren hätten diese Möglichkeiten nicht. Aufwendig seien die Straßenbauten nun dennoch, fand Uwe Bolkart (CSU). Mit Blick auf den Weg auf Tiefenbacher Flur sagte er: „Da wäre ein Dankeschön von Weißenhorn angebracht.“ Immerhin werde Emershofen auch entlastet.

Nach der Illertisser Zustimmung ist die neue Route am Donnerstag auch Thema im Bellenberger Gemeinderat.

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