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Ulm

11.05.2018

Neue Straßenbahnlinie wird 44 Millionen Euro teurer

Die Kosten für die neue Straßenbahnlinie 2 in Ulm  sind deutlich gestiegen.
Bild: Alexander Kaya

Die neue Linie 2 in Ulm verschlingt erheblich mehr Geld als geplant. Für die Kostensteigerungen gibt es eine ganze Reihe von Gründen.

Die Arbeiten für die neue Ulmer Linie 2 auf den Kuhberg und in die Wissenschaftsstadt laufen trotz einiger zwischenzeitlicher Verzögerungen derzeit so, dass die Straßenbahnen wie geplant am 9. Dezember ihre Fahrt auf der neuen Trasse aufnehmen können. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass sich die Kosten für das gesamte Projekt gemäß der neuen Hochrechnung der Stadtwerke (SWU) gegenüber der veranschlagten Gesamtkostenrechnung vom Mai 2015 um 44,4 Millionen, also um rund 20 Prozent erhöht haben.

Ulmer Bürgermeister ist zuversichtlich, dass es bei Gesamtkosten von fast 270 Millionen bleibt

Der Ulmer Bürgermeister für den Bereich Stadtentwicklung, Bau und Umwelt, Tim von Winning, geht aber zuversichtlich davon aus, dass die nun errechneten Gesamtkosten von 268,8 Millionen Euro Bestand haben werden. Er verhehlt jedoch nicht, dass bezüglich der städtischen Belastung noch ein gewisses Risiko bestehe. Dann nämlich, wenn ein Teil der Fördermittel vom Bund und vom Land Baden-Württemberg wegfallen würde. „Dies ist schwer zu definieren und eher unwahrscheinlich“, so von Winning.

Er betonte dabei, dass die Stadt die Mehrbelastung, die bereits entstanden sei „wegstecken“ könne: „Im vergangenen Jahr war das Jahresergebnis besser als prognostiziert und wir konnten die Rücklagen aufstocken. Aus diesen Rücklagen können wir die Mehrkosten finanzieren. Natürlich waren diese Gelder ursprünglich für anderes gedacht.“ Der Anteil der Stadt an den Gesamtkosten hat sich um 10,6 Millionen auf nun 107 Millionen Euro erhöht. Die Kostenfortschreibung hat der Ulmer Gemeinderat einstimmig genehmigt.

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Warum wird das Projekt "Straßenbahnlinie 2" überhaupt teurer?

Dass das Projekt „Linie 2“ – die errechnete Kostensteigerung gegenüber dem Vorjahr beträgt alleine 20,1 Millionen Euro – teurer wird als ursprünglich errechnet, hat verschiedene Gründe. Unter anderem sind bei einigen Ausschreibungsergebnissen laut einer Presseerklärung der Stadt Ulm die Kosten zum Teil doppelt so hoch wie kalkuliert. Es gab zusätzliche, vorher nicht erkennbare Baumaßnahmen der Kanalerneuerung in der Römerstraße. Die Kosten für die provisorische Straßenbahntrasse am Hauptbahnhof waren höher als erwartet. Aufgrund schwieriger Baugrundverhältnisse und einigem mehr gab es Mehrkosten für die Arbeiten im Bereich des Herbert-von-Karajan-Platzes. Durch Baubehinderungen entstanden mehr Kosten und die längere Projektlaufzeit hat die SWU-internen Aufwendungen erhöht. Auch die Betriebshoferweiterung ist teurer geworden als veranschlagt. Im Mai 2015 gingen die Stadtwerke von Kosten in Höhe von 13,9 Millionen Euro aus, nun liegt man bei 20,5 Millionen. Aufgeteilt ergeben sich jetzt folgende errechnete Gesamtkosten: 214 Millionen Euro für die Neubaustrecke, der Rest, also etwa 54,8 Millionen für den Betriebshof und die Anschaffung von insgesamt zwölf neuen Straßenbahnwagen.

Wie Projektleiter Ralf Gummersbach ausführlich schilderte, ist der Leitungsbau im Bereich Wissenschaftsstadt zu 99 Prozent abgeschlossen, der Gleis- und Straßenbau zu 80 Prozent. Unter anderem wurde mit dem Fahrleitungsbau und dem Endausbau der Kienlesbergbrücke begonnen. Das Einweihungsfest ist auf 12. September terminiert. Am Kuhberg, so Gummersbach, hinke man noch etwas hinterher. Dort sei der Leitungsbau zu 80 Prozent sowie der Gleis- und Straßenbau zu 70 Prozent fertig. Die Römerstraße bleibe aber noch bis zum Ende der Sommerferien gesperrt. Die Arbeiten im Betriebshof seien teilweise komplett (zum Beispiel die neue Abstellhalle) und teilweise fast beendet (Umbaumaßnahmen bestehender Bauobjekte). Vier der zwölf neuen Straßenbahnen seien bereits ausgeliefert und würden ab Ende Juni/Anfang Juli auf der Linie 1 zum Einsatz kommen. Testfahrten auf der Linie 2 seien für Oktober angesetzt.

Welche Arbeiten jetzt noch anstehen

Noch stehen in den kommenden Monaten nach den Worten von Ralf Gummersbach einige Arbeiten wie etwa die Einrichtung von Ampeln oder das Installieren von Haltestellenausstattung und Beschilderungen an, und auch 2019 müssten noch einige Arbeiten, beispielsweise Landschaftsbau, Bau einer provisorischen Straßenbahntrasse am Hauptbahnhof sowie der Endausbau der Haltestelle dort erledigt werden. Dennoch versicherte der Geschäftsführer der SWU Verkehr, André Dillmann: „Wir gehen fest vom Start am 9. Dezember aus. Das Projekt Linie 2 wird immer konkreter, immer sichtbarer.“ Die Unternehmen seien sehr engagiert, arbeiteten mehrschichtig, teilweise auch am Wochenende.“ Bei den höheren Kosten muss man bedenken, dass die Arbeiten an den Straßenabschnitten für die Stadt eine Wertsteigerung bedeuten und jetzt dort für die nächsten etwa 80 Jahre Ruhe ist.“

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