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26.03.2015

Neue Variante für Bahnübergang: Drunter oder drüber?

Hauptstraße muss mit dem Auto erreichbar bleiben

Bürgermeister bringt eine Unterführung in der Haydnstraße ins Gespräch

Senden In der viel diskutierten Frage über die Zukunft des Bahnüberganges in der Sendener Hauptstraße hat Bürgermeister Raphael Bögge mit einer neuen Variante überrascht: Er kann sich vorstellen, dass nur wenige Hundert Meter nördlich vom jetzigen Übergang eine neue Verbindung zwischen der Innenstadt und dem östlichen Senden hergestellt wird. Sein Vorschlag: Die Haydnstraße soll über die Robert-Bosch-Straße und im weiteren Verlauf die St.-Florian-Straße verbunden werden. Findet diese Variante eine Mehrheit, könnte der Übergang in der Hauptstraße endgültig dichtgemacht werden. Noch am Abend informierte er darüber die Anlieger in der Haydnstraße. Heute soll der Vorschlag in deren Zukunftswerkstatt im Bürgerhaus diskutiert werden.

Eine erstatzlose Schließung des Bahnüberganges in der Hauptstraße, wie sie noch vor sechs Monaten diskutiert und auch von Bürgermeister Raphael Bögge favorisiert worden war, ist inzwischen offenbar vom Tisch. Dafür gibt es mehrere Gründe: Nicht nur die Bewohner in den Gebieten östlich der Innenstadt haben ihren Widerstand gegen diese Pläne angekündigt, auch die Händler laufen dagegen Sturm, weil sie um ihre Existenz fürchten. Obendrein hatten auch Verkehrsplaner vor einem solchen Schritt gewarnt, weil dies zu einer weiteren Konzentration des Verkehrs auf der jetzt schon überlasteten Kreisstraße NU3 und auf der Römerstraße in Wullenstetten führe und wohl unweigerlich einen Verkehrskollaps im Sendener Norden zur Folge habe. Der Bau einer Unterführung in der Orts- und Hauptstraße, für den es schon Planskizzen gibt, lässt sich technisch nur schwer realisieren und hat bei Geschäftsleuten in der Innenstadt wenig Begeisterung ausgelöst. Nun soll die neue Bögge-Variante untersucht werden, wie die trennende Bahnlinie weiter nördlich überwunden werden kann: durch einen normalen Bahnübergang oder eine 15 Meter breite und 4,50 Meter tiefe Unterführung. Vage Planungen dafür gebe es im Rathaus schon, beide Möglichkeiten bezeichnen Verkehrsplaner als machbar.

Obwohl Bögge im jetzigen Stadium und vor einer Untersuchung durch Fachleute noch keiner dieser Optionen den Vorzug geben will, spricht vieles für eine Unterquerung. Dort könnte der motorisierte Verkehr ungehindert von häufig geschlossenen Schranken fließen und obendrein würde die Bahn dafür Geld lockermachen.

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Die jetzigen Probleme des Bahnüberganges, der fast 30 Minuten in der Stunde geschlossen ist, würden durch eine Verlagerung in Richtung Norden nicht gelöst. Für eine Unterführung sprechen die Zuschüsse der Bahn in Höhe von 66 Prozent der Baukosten. Widerstand gegen solche Überlegungen haben Bögge und die zuständigen Mitarbeiter in der Stadtverwaltung nicht erkennen können – weder bei den Anliegern der Haydnstraße noch bei den führenden Köpfen des Industrie-, Handels- und Gewerbeverbandes (IHGV), die allerdings bis gestern Mittag noch keine Details der neuen Überlegungen kannten. Auch die zum Bau einer Unterführung benötigten Grundstücke könnten gekauft werden, zumindest hätten die Eigentümer Verkaufsbereitschaft signalisiert. Dabei handelt es sich in erster Linie um August Inhofer, dem das brachliegende Gelände nördlich der Haydnstraße gehört und der dort ursprünglich mehrere Wohnblocks bauen wollte. Allerdings wird noch die Zustimmung weiterer Grundstückseigentümer benötigt. Für den Fall, dass die sich weigern, gebe es „städtebauliche Möglichkeiten“, an deren Eigentum heranzukommen, sagte der Bürgermeister, ohne das Wort Enteignung in den Mund zu nehmen.

Nun will sich Bögge noch die Zustimmung der Bürger holen. Etwaige Widerstände sollen durch umfassende Information über das Für und Wider der möglichen Varianten beseitigt werden, damit es nicht zu einem möglicherweise denkbaren Bürgerentscheid mit ungewissem Ausgang kommt. „Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Bürger und des IHGV ernst“, betonte Bögge. Den Händlern in der Innenstadt versprach er, dass eine autofreie Innenstadt nicht Ziel seiner Überlegungen war oder sei: „Die Hauptstraße muss immer mit dem Auto erreichbar sein.“ Allerdings in erster Linie für den Ziel- und nicht für den Durchgangsverkehr.

Das große Dilemma in der Diskussion ist der enorme Zeitdruck, unter dem die Stadt steht. Welche Lösung auch gewählt wird, sie muss bis Ende 2018 fertig sein. Wenn bis dahin der barrierefreie Zugang zu den Bahnsteigen nicht umgesetzt ist, zieht die Bahn die zugesagten Fördermittel zurück.

Welche Entscheidung der Stadtrat in dieser wichtigen Frage auch fällen wird, es ist nach Bögges Ansicht eine Entscheidung für die nächsten 50 Jahren, die auch eng mit der Entwicklung der Sendener Innenstadt verbunden ist. Allerdings lasse sich auch eine attraktive City mit einem geöffneten Bahnübergang in der Hauptstraße realisieren, räumte der Bürgermeister ein.

Der Bahnübergang sei nur ein Baustein in einem Paket, das die Innenstadt, das Bahnhofsumfeld und das Gesamtverkehrskonzept beinhalte und an dessen Ende eine attraktivere City stehe. Dieses Konzept soll schrittweise in den nächsten zehn Jahren umgesetzt werden. Dafür hat sich die Stadt um Mittel aus der Städtebauförderung beworben. Das Sanierungsgebiet dafür muss noch genau definiert worden, ist aber schon grob umrissen. Es soll die Innenstadt, das Webereigelände, das GPS-Areals und Teile von Ay umfassen.

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