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Ulm

15.08.2020

Neuer Anbau für das Theater Ulm: Dieser Entwurf hat die Jury überzeugt

Das Theater Ulm blickt in die Zukunft: Ein neuer Anbau soll ein Kinde- und Jugendtheater, aber auch Werkstätten und Proberäume beinhalten. Aus 25 Wettbewerbsmodellen haben sich drei Preisträger durchgesetzt.
Bild: Veronika Lintner

Plus 58 Büros aus Deutschland und Europa haben sich beworben: Eine Jury hat nun die besten Entwürfe für den Bau eines Kinder- und Jugendtheaters in Ulm gekürt.

So könnte der neue Anbau am Theater Ulm aussehen: Ein längliches, schmales Haus mit hohem, spitzen Dach beherbergt das neue Kinder- und Jugendtheater. Daneben klafft eine Fuge zum zweiten Bauteil, in dem neue Werkstätten und Proberäume Platz finden. In einem hochkarätigen Wettbewerb, den die Stadt Ulm ausgeschrieben hatte, konnte sich am Freitag dieser Entwurf des Architekturbüros Max Dudler (Berlin) als Gewinner durchsetzen. „ Es ist eines der Top-10-Büros in der Bundesrepublik“, sagt der Vorsitzende der Preisjury, der Architekt Arno Lederer aus Stuttgart.

Dieser Entwurf von Max Dudler hat sich im Wettbewerb um den Anbau am Theater Ulm durchgesetzt.
Bild: Veronika Lintner

Eine Fachjury kürt die besten Entwürfe für einen Anbau am Theater Ulm

Dass das Theater einen Anbau für 27 Millionen Euro erhalten soll, hatte der Ulmer Gemeinderat bereits im Juli 2019 beschlossen - nicht ohne Kritik und bewegte Debatten. Der Wettbewerb wurde nun europaweit ausgeschrieben. Von 58 Bewerbungen internationaler Architekturbüros wurden 25 Modelle zum Wettbewerb zugelassen. Die eingereichten Entwürfe stammen aus Deutschland, Frankreich sowie Österreich und wurden durch das Preisgericht, mit 20 Juroren, gesichtet und bewertet.

So steht es da, das Theater Ulm. Ein neuer Anbau könnte das Profil des Theaters aber stark verändern.
Bild: Veronika Lintner

Tim von Winning erklärt das Ziel des Anbaus am Theater Ulm

Ulms Baubürgermeister Tim von Winning erklärt, worin die Herausforderung für die Wettbewerber lag: „Ein Theater ist ein Theater, aber der wesentliche Teil davon ist eben eine Fabrik, die versucht, dieses Theater zu bespielen - mit Werkstätten, Proberäumen, Lagerräumen. Und die muss man möglichst effizient zusammenbringen", sagt er. "Und das an einer Stelle, wo es aus städtebaulichen Gründen eigentlich nicht wahnsinnig viel Platz gibt. Das war die riesige Aufgabe, die heute zu lösen war."

Der Jury-Vorsitzende Arno Lederer zieht ein Fazit: „Das waren durchaus gute Beiträge - und nicht ohne Grund, weil ja schon eine Vorauswahl stattgefunden hat.“ Das machte die letzten Entscheidungen aber nicht viel leichter: Es war ein langer Freitag. Im Foyer des Theaters tagte die Jury von 9.30 Uhr bis weit in die Abendstunden. Um 17 Uhr tigerten die Jurymitglieder noch zwischen Plänen, Stellwänden und Modellen hin und her und debattierten über die besten sechs Kandidaten. „Das war sehr intensiv. Auf der anderen Seite muss man einfach den Arbeiten gerecht werden“, erklärt Lederer.

Der Anbau am Theater Ulm soll ein Jugendtheater und Werkstätten beinhalten

25 kleine Modelle, Miniaturen vom Areal rund um das Theater an der Olgastraße, stehen im Foyer. „Die Unterschiedlichkeiten liegen im Städtebau, das sieht man sehr schnell“, erklärt Lederer - große und kleine Entwürfe, unterschiedliche Konstellationen, mal mehr oder weniger transparent, geschlossen oder verteilt auf mehrere Gebäude. „Und es gibt große Unterschiede in der Funktionalität“, sagt der Jury-Vorsitzende. „Das war ein sehr anspruchsvolles Programm, weil es auf der einen Seite Werkstätten beinhaltet, auf der anderen Seite ein Kinder- und Jugendtheater und das sind zwei Paar Stiefel."

„Architektur umfasst alles“, sagt Lederer. Wichtig sei der Blick von außen, genauso wie die Gestaltung von Innen, Finanzierung, Umsetzbarkeit und Ästhetik. Sechs Entwürfe stehen nach dem Jury-Entscheid in der engsten Auswahl, darunter drei Preisträger. Hatte der Juryvorsitzende von Beginn an einen Favorit? „Das verrät man nicht.“

In einer langen Sitzung tagte die Jury bis in die Abendstunden

Ulms Baubürgermeister erlebte eine lange Sitzung - Langeweile sei trotzdem nicht aufgekommen. „Das war eine Aufgabe, die uns die ganze Zeit gefesselt hat, über den ganzen Tag hinweg.“ Wie groß die Qual der Wahl tatsächlich ist, habe man erst an diesem Tag gespürt. "Wir haben uns in einem stringenten Prozess auf eine eine Größenordnung von sechs Entwürfe geeinigt. Und dann haben wir aber sehr lang und intensiv gerungen.“

Tim von Winning erklärt, dass nun ein langer, formaler Prozess beginnt, die Stadt tritt in Verhandlungen mit den Preisträgern. Der erste Preisträger ist der Favorit - „Nachdem, wie wir heute gerungen haben, kann ich mir eigentlich auch nichts anderes vorstellen“, sagt von Winning . Der Gewinner erhält aber nicht automatisch den Zuschlag. Es bleibt laut dem Bürgermeister "ein System der Bewerbung", in dem das Wettbewerbsergebnis der wichtigste Faktor ist. Am Ende steht die konkrete Zusammenarbeit mit einem Büro.

Bis zum Bau am Theater Ulm wird wohl mehr als ein Jahr vergehen

„Keine Arbeit ist so, dass sie morgen gebaut werden kann“, sagt der Bau-Bürgermeister. Und wie lange es dauern wird, bis die Bagger anrollen, darüber möchte er keine Prognosen abgeben: „Das würde ich nicht wagen." Er gehe davon aus, dass der Stadt nun eher mehrere Jahre Planung bevorstehen. Trotzdem wolle man das Projekt zeitnah voranbringen, es sei für Ulm "eine der spannendsten Aufgaben“ der kommenden Jahre.

Der Gewinner-Entwurf von Max Dudler erinnert in seiner spitzen Form durchaus an den Stil der Altbauten im Herzen von Ulm. Das Architektenbüro hat unter anderem das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in Berlin, die Stadtbibliothek in Heidemheim und das Eisenbahnmuseum in Bochum gestaltet.

Die Wettbewerbsbeiträge sind im Foyer des Theaters Ulm zu sehen

Am Samstag und Sonntag, 15. und 16. August, können alle 25 Wettbewerbsbeiträge jeweils von 10 bis 16 Uhr im unteren Foyer des Theater Ulm besichtigt werden. Es wird während der Öffnungszeiten immer ein Experte vor Ort sein, um auf Wunsch fachliche Erläuterungen zu geben. Besucher werden gebeten, sich an die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln zuhalten. Es gilt Maskenpflicht.

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