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Ulm

22.01.2019

Neuer WKO-Dirigent: „Wie mit den Berliner Philharmonikern“

Von New York nach Heilbronn – und ab jetzt regelmäßig auch in Ulm: Der US-Amerikaner Case Scaglione ist der neue Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters. Eine Arbeit, die er sehr genießt.
Bild: Sonja Werner

Der Amerikaner Case Scaglione ist Chefdirigent des Württembergischen Kammerorchesters, das er als Weltklasse-Ensemble bezeichnet. Nun leitet er erstmals ein Konzert in Ulm.

Herr Scaglione, das Publikum in Heilbronn konnte Sie schon als neuen Chefdirigenten des Württembergischen Kammerorchesters erleben. Am Donnerstag nun steht die Premiere in Ulm an? Was wissen Sie über die Stadt?

Ulm ist für die Geschichte des Württembergischen Kammerorchesters sehr wichtig, für uns ist es immer eine Freude, dort zu spielen. Für mich persönlich ist es spannend, schließlich hatte Herbert von Karajan in Ulm seine erste Stelle. Am Donnerstag ist tatsächlich mein erster Besuch.

Sie sind in Texas geboren, arbeiteten mit dem berühmten New York Philharmonic. Vor einigen Jahren gingen Sie dann nach Europa, nach Berlin. Was hat Sie zu dem Wechsel bewogen?

Für uns Amerikaner ist Deutschland wie ein Himmel für die klassische Musik. Als mein Engagement in New York beendet war, habe ich beschlossen, hierher zu kommen. Ich habe schon als Kind deutsche Orchester im Fernsehen gesehen, ich habe immer die deutsche Sprache gehört, darum fiel mir der Wechsel nicht schwer.

Sie haben Ihr allererstes Konzert in Deutschland am Pult des WKO bestritten.

Das war vor zwei Jahren – damals habe ich zwei Tage vor Probenbeginn den Anruf begonnen. Das war nervenaufreibend, denn wir haben die „Linzer Sinfonie“ gespielt, und mit Mozart anzufangen, ist schon etwas kompliziert. Aber die Arbeit mit dem WKO war von Anfang an ein Traum, wir haben unsere Stimme schnell gefunden.

Sie haben das WKO als großartiges Orchester mit „dem Herz eines Löwen“ bezeichnet. Was bedeutet das?

Die Energie, die dieses Orchester schaffen kann, ist einfach unglaublich. Zum Beispiel bei Schönbergs „Verklärte Nacht“, das wir im Kornhaus spielen: Wir haben nur 19 oder 20 Streicher, aber es ist wie mit den Berliner Philharmonikern.

Ihr Vorgänger Ruben Gazarian leitete 16 Jahre lang das Orchester. Wie spüren Sie seinen Einfluss?

Ruben hat eine tolle Arbeit hier geleistet, die Qualität des Orchesters ist wirklich hoch. Ich habe großen Respekt vor ihm.

Wie war Ihr Start in Heilbronn?

Sehr gut! Ich fühle mich schon zu Hause. Das WKO als deutsches Orchester und ich als amerikanischer Dirigent haben verschiedene Geschichten, aber sprechen die gleiche musikalische Sprache.

Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als Dirigent?

Als Dirigent muss man die Stimme des Orchesters finden. Man muss ganz genau zuhören. Die Orchester sind heute so viel besser als etwa zu Zeiten Karajans, sie können auch ohne Dirigent spielen. Das macht die Aufgabe schwieriger, man muss sich gut vorbereiten und genau erklären können, was man will.

In ihrem ersten Ulmer Konzert schlagen Sie einen Bogen von Amerika nach Europa, von Aaron Copland zu Leopold Mozart. Haben Musiker aus der Neuen Welt einen anderen Blick auf Musik der Alten Welt?

Natürlich. Amerika hatte anfangs nur eine gestohlene Kultur und hat seine Stimme erst im frühen 20. Jahrhundert gefunden. Für mich ist „Appalachian Spring“ von Copland ein perfektes Stück. Es beschreibt sehr schön, wo die Vereinigten Staaten am Ende des Zweiten Weltkriegs kulturell standen.

Was sind ihre Ziele mit dem WKO?

Mein Ziel im Moment ist es, die Basis weiter zu verstärken. Was bei einem Weltklasseorchester schwer ist, die letzten Prozente sind immer am schwierigsten. Ich hoffe, dass wir unsere Fähigkeiten im klassischen Repertoire erweitern können, zum Beispiel mit den Sinfonien von Beethoven. Dazu kommt aber auch Neues, wie Ligeti und Schönberg, aber immer mit den klassischen Komponisten verbunden.

Bei Ihrer Ulmer Premiere haben Sie prominente Verstärkung: Hakan Hardenberger, hatten Sie schon früher das Vergnügen?

Wir treffen uns vor den Konzerten zum ersten Mal. Ich habe schon viele Aufnahmen gehört, er ist einer der besten Trompeter der Welt. Ich freue mich!

(Interview: Marcus Golling)

Case Scaglione wurde 1982 geboren. Er studierte in Aspen, Cleveland und Baltimore. 2014 machte ihn Alan Gilbert, damaliger Chefdirigent des New York Philharmonic, zum „Associate Conductor“. Scaglione arbeitete mit Orchester auf vier Kontinenten. Seit Beginn der Saison ist er Chefdirigent des WKO. Dieses Jahr übernimmt er zusätzlich das Orchestre National d’Île-de-France.

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