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Ulm

25.12.2020

Neues Buch zeigt die Kostbarkeiten im Ulmer Museum Brot und Kunst

Ein Prachtstück aus der Dauerausstellung des Museums Brot und Kunst: Frans Franckens biblisch inspiriertes Renaissance-Gemälde „Der Reiche und der arme Lazarus“. Im Buch „Brot und Kunst: Wovon wir leben“ ergründet Museums-Chefin Isabel Greschat Werke wie diese, aus ihrem Haus.

Plus Welche Schätze gibt es in Ulms Museum Brot und Kunst? In einem neuen Buch begeben sich Isabel Greschat und Dorothea Patberg auf Spurensuche.

Es ist eine beachtliche Überraschung aus dem Lockdown heraus: Isabel Greschat, Leiterin des Museums „Brot und Kunst – Forum Welternährung“, und ihre Freundin Dorothea Patberg, evangelische Theologin, bringen gemeinsam ein Buch heraus, das zehn wertvolle Kunstwerke des Ulmer Museums Brot und Kunst – verschiedenen Epochen entstammend – aus kunsthistorischer und theologischer Sicht, aber auch mit zahlreichen spannenden Fragen und Assoziationen betrachtet.

„Brot und Kunst: Wovon wir leben“ ist letztlich ein Beleg dafür, dass es in der Wahrnehmung von Kunst nicht die eine richtige Art gibt, dass es ganz unterschiedliche Deutungsansätze gibt, und dass die Interpretation von Kunstwerken aus einem inneren Dialog zwischen Werk und Betrachter entsteht. Der Leser erfährt im Buch zudem viel zum Hintergrund der Werke.

Von Dalí bis Warhol: Isabel Greschats Buch über das Museum Brot und Kunst

Salvador Dalís Frauenbüste „Gala“, benannt nach Dalís Ehefrau und Muse, dürfte eines der bekanntesten Kunstwerke im Besitz des Museums sein: eine schöne Frau mit nackter Brust, Maiskolben um den Hals tragend, auf dem Kopf ein Baguette, auf dem ein goldfarbenes Schreibset mit bäuerlichen Figuren steht. Auf der Stirn hat die surreale Schöne einen toten Käfer, auf den Ameisen zulaufen - was die rätselhafte Schönheit der Figur aber nicht mindert. Fragen über Fragen stellt „Gala“ dem Betrachter im Spiel der Fantasie.

Isabel Greschat kommt zu dem Schluss, dass Gala, die zu den Fragen schweigt, im Grunde aufzeigt, dass die Gedanken und Assoziationen des Betrachters – auf die Puppenhafte projiziert – den Raum für Fantasie öffnen; optisch, emotional und im Denken. Dorothea Patberg interpretiert die Figur einer katalanischen Fruchtbarkeitsgöttin heraus und erklärt die ambivalente Haltung der christlichen Religion zur Frau in der Bibel und in der Kirchengeschichte. Sie spürt dem biblischen Hohelied der Liebe nach, in dem ein Mann die Brüste seiner Geliebten mit den Zwillingsjungen von Gazellen vergleicht.

Die Schätze des Ulmer Museums Brot und Kunst in einem Buch

Pablo Picassos Radierung „Das karge Mahl“, Marc Chagalls poetisch komponiertes Bild „Mann mit erhobener Hand“, „Das letzte Abendmahl“ eines unbekannten westfälischen Meisters, Frans Franckens biblisch inspiriertes und moralisch Genuss und Teilhabe darstellendes Renaissance-Gemälde „Der Reiche und der arme Lazarus“. Ernst Barlachs Bronzeskulptur „Hungergruppe“, Robert Häussers 50er-Jahre-Fotografie „Pfalz, Fresserei“, Agnes Denes´ Fotokomposition „Weizenfeld – eine Konfrontation“, Harald Kröners Neonleuchtschrift „Leuchtendes Brot“ und Andy Warhols PopArt-Siebdruck-Stillleben „After the Party“. All diese Werke werden im Buch aus der Sichtweise der beiden Autorinnen heraus interpretiert, wobei deutlich spürbar ist, dass jede der beiden auch viel Kenntnis vom Fachgebiet der jeweils anderen hat.

Überraschend ist die Offenheit, mit der die beiden Freundinnen mit verschiedenen Ansätzen umgehen, sie nutzen, um weitergehende Assoziationen aufzuschlüsseln. Greschat stellt zu Andy Warhols „After the Party“ die Frage, wer nach den Festen die Spuren der ausgelebten Lebensfreude aufräumt, und Patberg sagt dem Leser zum gleichen Bild: „Unser Leben sei ein Fest!“, und dass es darum geht, zu erkennen, wann die Zeit zum Zugreifen und Handeln ist.

Das Buch zum Museum: "Brot und Kunst: Wovon wir leben"

Isabel Greschats Hintergrund ist allerdings nicht nur ein kunsthistorischer – auch sie absolvierte zum Studium der Kunstgeschichte ein Theologiestudium als Nebenfach. Pfarrerin wollte sie nicht werden, aber „vom Inhalt her war das superspannend“, sagt sie. „Es ist Teil unserer Kulturgeschichte.“ Umgekehrt hat sich Dorothea Patberg schon als Schülerin für Kunst begeistert. Kennengelernt haben sich beide während ihrer beruflichen Tätigkeiten in Pforzheim.

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