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Ulm

22.03.2019

Neues Kraftwerk: Ulm steigt aus der Kohle aus

Das Gelände der FUG in der Ulmer Magirusstraße. Auf dem Bild links neben dem höheren der beiden Schlote befindet sich der alte Kohlenkessel. Neben dem niedrigeren Schlot ist der Kohlelagerplatz zu erkennen. Aus dieser Perspektive im linken Bereich des Lagerplatzes soll das neue Kraftwerk entstehen.
Bild: Alexander Kaya (Archivfoto)

In spätestens drei Jahren soll mit dem alten Heizkessel Schluss sein: Betreiber FUG baut ein gasbefeuertes Fernwärme-Kraftwerk. Weitere Anlagen könnten folgen

Ulm will 16 Jahre schneller sein als der Bund – mindestens. Bis 2038 sollen alle Kohlekraftwerke in der Republik abgeschaltet werden. Die Fernwärme Ulm GmbH (FUG) plant, ihren steinkohlebefeuerten Kessel spätestens 2022 stillzulegen. Wenn möglich, sogar früher: Die FUG, die je zur Hälfte den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU) und dem Energiekonzern EnBW gehört, will ihr neues Blockheizkraftwerk nach Möglichkeit rechtzeitig zur Heizperiode 2021 in Betrieb nehmen. Das kündigte SWU-Chef Klaus Eder im Bauausschuss an.

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Der alte Kohlekessel stammt aus dem Jahr 1955 und wurde in den vergangenen Jahren vor allem im Winter betrieben. Durch ihn wurden nach Angaben der FUG zuletzt rund zehn Prozent des Fernwärmebedarfs in Ulm und Neu-Ulm abgedeckt. Ab 2023 steigen die Emissionsgrenzwerte für derartig betriebene Anlagen. Die FUG müsste viel Geld in die Hand nehmen, um ihr altes Kraftwerk nachzurüsten – das sie dann bloß 15 weitere Jahre betreiben dürfte. Den Kessel auf einen anderen Brennstoff umzurüsten, wäre ebenfalls zu teuer.

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Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm sind Anteilseigner der FUG

Allein wegen der politischen Entscheidungen der Kohlekommission habe man den Beschluss nicht getroffen, betont Michael Berger. Der technische Geschäftsführer der FUG sagt: „Wir haben uns schon lange vor dem Kohleausstieg damit beschäftigt.“ Die neue Anlage wird auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz auf dem FUG-Gelände in der Magirusstraße gebaut. Der nötige Dampferzeuger wird in ein bestehendes Gebäude integriert. Das alles kostet nach Angaben von SWU-Chef Eder knapp 30 Millionen Euro. Die Belastung der Luft durch Schadstoffe soll deutlich zurückgehen. Ein Beispiel: Nur etwa 15 Prozent der Stickoxide, die bisher ausgestoßen werden dürfen, wird das Kraftwerk abgeben. Ähnliches gilt auch für Staub, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid. Und nicht nur deshalb ist die Energie aus der neuen Anlage umweltfreundlicher: Auch der Transport der Kohle fällt in Zukunft weg.

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Wenn das Kraftwerk 2021 oder 2022 in Betrieb genommen wird, setzt die FUG nach eigenen Angaben zu rund zwei Dritteln auf erneuerbare Energien: Biomasse und Müll, der im Donautal verbrannt wird. Eine Rechnung, die Grünen-Stadtrat Michael Joukov-Schwelling anzweifelte. Müllverbrennung könne man nicht als regenerative Energie bezeichnen, sagte er im Bauausschuss. Die Investition lobte Joukov-Schwelling aber. Nach Angaben der Stadtverwaltung gelten Blockheizkraftwerke als beste verfügbare Technik im Niedertemperaturbereich der Kraft-Wärme-Kopplung. Joukov-Schwelling, der im Aufsichtsrat der SWU sitzt, nannte das Kraftwerk eine „Standard-Anlage“ – was durchaus positiv gemeint war: „Etwas Innovatives wäre schlecht, wenn dann die Wohnungen kalt bleiben.“

Fernwärme spielt in Ulm eine wichtige Rolle

Die FUG versorgt nach eigenen Angaben etwa die Hälfte der Ulmer Bürger, Betriebe und Unternehmen und deckt rund 20 Prozent des Strombedarfs ab. In das Fernwärmenetz der FUG speisen auch das Müllheizkraftwerk im Donautal und mehrere Biogasanlagen ein. Das Netz wächst: Bei großen Bauprojekten wie im Quartier Am Weinberg, wo 900 neue Wohnungen gebaut werden, setzen die Stadt Ulm, die Bauherren und die Energieunternehmen auf Fernwärme (hier lesen Sie mehr über das neue Wohngebiet). SPD-Rätin Brigitte Dahlbender erkundigte sich, warum die FUG nicht gleich ein zweites Blockheizkraftwerk errichtet. „Das wäre nicht wirtschaftlich“, antwortete SWU-Chef Klaus Eder. Man baue nur, was nachgefragt werde. Mit dem neuen Kraftwerk könne der Bedarf abgedeckt werden. Falls sich das ändert, will die FUG nachlegen: „Wir können Zug um Zug Anlagen dazubauen“, kündigte Eder an. Der Platz an der Magirusstraße reiche jedenfalls aus. Das neue Kraftwerk nimmt insgesamt sogar weniger Fläche in Anspruch: Weil keine Kohle mehr angeliefert wird, können die dafür genutzten Gleise abgebaut werden.

Der Bau soll laut Plan im vierten Quartal dieses Jahres beginnen.

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