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Ulm

01.04.2019

Neues Museum für Ulm: Einstein zieht in den „Engländer“

Im „Engländer“ am Ulmer Weinhof lebte einst Albert Einsteins Großmutter – jetzt soll ins Erdgeschoss eine Ausstellung über den Nobelpreisträger und seine Ulmer Verwandten einziehen.
Bild: Andreas Brücken

Die Stadt Ulm will mit einer Ausstellung an seinen großen Sohn und dessen Familie erinnern. Das dafür vorgesehene Gebäude hat einen besonderen Bezug zum Physik-Nobelpreisträger.

Albert Einstein wurde in Ulm geboren. Das weiß vermutlich jeder Ulmer, aber international bringt den Vater der Relativitätstheorie kaum jemand in Zusammenhang mit der schwäbischen Stadt. Dafür gibt es vor allem einen Grund: Der spätere Nobelpreisträger war erst einige Monate alt, als seine Eltern mit ihm nach München zogen, sein wissenschaftlicher Durchbruch gelang ihm viel später in der Schweiz. Aktuelle Forschungen belegen aber: Das Verhältnis des Physik-Genies zu Ulm war viel enger, als man gemeinhin annahm – zumindest zu seiner Familie in der Münsterstadt. Dieses, in der Literatur über Einstein wenig behandelte Thema will die Stadt nun in einer Dauerausstellung im Haus „Engländer“ am Weinhof beleuchten. In seiner jüngsten Sitzung machte der Kulturausschuss des Ulmer Gemeinderats einstimmig den Weg frei für das Projekt. Dessen Kosten lösten bei manchen Räten allerdings Stirnrunzeln aus.

Vorgestellt wurden die Pläne im Ausschuss von Ingo Bergmann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Ulm – und studierter Historiker. „Die Erkenntnisse, die wir haben, rechtfertigen diese Ausstellung“, betonte er. Man habe zwar wenige Exponate, aber „viele Geschichten“: von Ulm-Besuchen mit Münsterbesteigung etwa, vom Leben der verbliebenen Einsteins in Ulm, davon, wie sich Einstein nach 1933 als Emigrationshelfer für seine Familie betätigt habe – und davon, wie einige seiner Verwandten von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden.

Im "Engländer" lebte einst Einsteins Großmutter

Der historische „Engländer“ sei, nach der Kriegszerstörung von Einsteins Geburtshaus, das einzig erhaltene Gebäude mit authentischem Bezug zum Nobelpreisträger, so Bergmann: Dort befand sich die Bettfedernfabrik, an der sein Vater Hermann beteiligt war, dort betrieb sein Onkel zeitweise ein Damenbekleidungsgeschäft, dort lebte seine Großmutter Helene. Letzterer Umstand macht es aus Sicht Bergmanns nahezu sicher, dass Baby Albert auch einmal im „Engländer“ war: Mit einem Säugling besuche man natürlich die Oma.

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Dass das Erdgeschoss des im 15. Jahrhundert errichteten Hauses, das seinen Namen von einer früher dort befindlichen Gaststätte hat, bald frei wird, ist also ein glücklicher Umstand: Ende 2020 läuft die Förderperiode des dort untergebrachten Kontaktbüros „Europe Direct“ aus, direkt danach soll der Umbau beginnen, sodass spätestens 2022 die Ausstellung „Albert Einstein und seine Familie“ eröffnet werden könnte, ziemlich genau 100 Jahre nach der Verleihung des Nobelpreises an den Physiker. Die Schau soll stark auf Medien und Digitaltechnik setzen – und wird in der Erstellung wohl 5000 Euro pro Quadratmeter kosten, was bei einer zu bespielenden Fläche von 200 Quadratmetern eine Million Euro ergibt. Notwendige bauliche Veränderungen, etwa wegen der derzeit fehlenden Barrierefreiheit, sind da noch nicht eingerechnet, diese muss Hauseigentümer UWS, die stadteigene Wohnungsgesellschaft, bezahlen. Das Projekt wird für Ulm also nicht gerade billig, wie auch etliche Stadträte fanden. Aber Bürgermeisterin Iris Mann verwies auf die überregionale Relevanz des Themas: Wenn man bei Einstein „halb gare Sachen“ mache, werde man sich blamieren.

Was Mann an dem Entwurf gefiel, war „eine gewisse inhaltliche Demut“. Laut Ingo Bergmann geht es darum, zu zeigen, „dass Einstein ein Schwabe und ein Ulmer war“ (wobei man mit der Betonung des Schwaben natürlich auf eine Förderung des Landes Baden-Württemberg schielt). Genau diese Bescheidenheit löste bei Stadtrat Ralf Milde (FDP) allerdings „Unbehagen“ aus. Ulm habe das Thema Einstein jahrelang verschlafen, nun werde es verniedlicht, zunächst durch Ottmar Hörls Plastikfiguren auf dem Münsterplatz (wir berichteten), jetzt durch die Präsentation im viel zu kleinen „Engländer“. Milde kritisch: „Das wird Ulm nicht nach vorne bringen.“ Die Ausstellung sei eine „Riesen-Alibi-Nummer“.

Mann widersprach: Bei diesem Projekt gehe es eben nicht um Stadtmarketing, sondern darum, diesem Teil der Ulmer Geschichte gerecht zu werden.

Lesen Sie auch: Einstein blieb mit seinen Ulmer Verwandten in ständigem Kontakt

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