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Roggenburg

21.05.2015

Nicht rütteln, sondern drücken

Steinmetzmeister Karl Berschin (rechts) überprüft die Grabsteine auf dem Friedhof in Schießen.
Bild: mde

Grabmäler der gemeindlichen Friedhöfe müssen auf Standfestigkeit überprüft werden – sonst kann es gefährlich werden.

Der „Grabsteinrüttler“ Karl Berschin hat dieser Tag viel zu tun. Auf dem Friedhof in Schießen überprüfte der Steinmetzmeister kürzlich unter den wachsamen Augen von Roggenburgs Bürgermeister Mathias Stölzle und dem geschäftsleitenden Beamten Stefan Hiller die dortigen Grabsteine auf ihre Standfestigkeit.

Nach den Unfallverhütungsvorschriften der Gartenbau-Berufsgenossenschaft müssen die Grabmäler der gemeindlichen Friedhöfe einmal jährlich einer Inspektion unterzogen werden. Dabei muss auf die Oberkante des Steines oder der Stele ein horizontaler Druck von etwa fünfzig Kilogramm ausgeübt werden. Unter diesem Druck darf das Grabmal keinerlei Schwankungen, Lockerungen oder sonstige Standsicherheitsmängel aufweisen. „Man sieht es einem Grabmal nicht an, ob es sich durch Witterungs- und Frosteinbrüche gelockert hat“, erklärt der Steinmetz, während er einen äußerlich sehr stabilen Stein nach innen drückt. Denn: „An den Steinen wird natürlich nicht gerüttelt“, meint er zu der im Volksmund üblichen Beschreibung seiner Tätigkeit. Der getestete Grabstein gibt tatsächlich einige Zentimeter nach. Der „Wackelkandidat“ wird von Stefan Hiller in eine Liste eingetragen, nach der die Grabinhaber benachrichtigt werden, die ihn zu ihrem eigenen und zum Schutz der keinen und großen Friedhofsbesucher wieder befestigen lassen müssen. Was die Haftung bei einem möglichen Unglück anbelange, sitzen Gemeinde und Grabeigentümer in einem Boot, sagt Bürgermeister Stölzle. „So ein Stein wiegt 400 Kilogramm. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn der umfällt und jemanden bei der Grabpflege oder gar ein Kind beim Spielen treffen würde“, fügt er hinzu. Die Teilnehmer einer Beerdigung würden sich genauso oft an einen Grabstein anlehnen, wie Friedhofsbesucher bei einem Schwätzchen, ergänzte Karl Berschin.

Laut Gartenbau Berufsgenossenschaft werden in Deutschland jährlich rund zweihundert Friedhofsarbeiter und Friedhofsbesucher durch umfallende Steine oder Stelen verletzt. In der Vergangenheit ist es sogar schon zu tödlichen Unfällen gekommen. Deshalb raten Experten dringend davon ab, sich an Grabsteine anzulehnen.

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Aber wie kann die Standfestigkeit dieser massiven Monumente überhaupt erschüttert werden? Steinmetzmeister Berschin weiß: Die Hauptursache ist neben dem Frost eine mangelhafte Verbindung zwischen Fundament und Stein. Diese Gefahr sei heute jedoch durch die Sicherung mit einem Edelstahlanker oder einem Dübel weitestgehend gebannt.

Trotzdem müsse man wachsam sein, meinte Bürgermeister Stölzle. Wenn von einem Grabmal eine akute Gefahr ausgehen würde, müsse man es im Namen der Sicherheit niederlegen. Aber das sei in den Roggenburger Friedhöfen bisher noch nie notwendig gewesen. Das verdanke man nicht zuletzt einer regelmäßigen Kontrolle der Grabsteine, Kreuze und Skulpturen. (mde)

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