Newsticker

München überschreitet Corona-Grenzwert
  1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Nie mehr blauäugig ins Vorstellungsgespräch

04.03.2009

Nie mehr blauäugig ins Vorstellungsgespräch

Vöhringen "Warum haben Sie sich bei unserem Betrieb beworben?" Die Antwort: "Naja, äh, da hab ich's nicht so weit mit dem Zug und so." Etwas zu vage - im Vorstellungsgespräch sollten Bewerber diesen Satz eher vermeiden. Aber zum Glück ist es für Valentin Gschwind heute nur eine Übung.

Der Kreisjugendring (KJR) Neu-Ulm hat Karl Münkel, einen professionellen Personalberater, dafür gewonnen, mit den Schülern eine Bewerbungssituation nachzustellen. Und er kennt auch eine bessere Antwort: "Weil die Ausbildung hier sehr gut ist und dein Vater sich in der Firma auch wohlfühlt."

Münkel und die Teilnehmer schauen sich gerade das Video eines gestellten Vorstellungsgesprächs an. Der Kandidat, den er auf dem Bildschirm vor sich sitzen hat, wirkt etwas verunsichert. "Obwohl du doch offensichtlich nicht auf den Mund gefallen bist. In deinem Zeugnis steht ja, dass du ein gewitzter Schüler sein sollst", stellt Münkel in der Videoaufzeichnung fest. Er studiert interessiert das Zeugnis des Bewerbers. Der Gefragte ist nervös und antwortet kurz und knapp auf die meisten Fragen, obwohl sein verschmitzter Gesichtsausdruck darauf schließen lässt, dass er im echten Leben wirklich etwas gesprächiger ist.

Der Personalberater hat sich auf dieses Gespräch vorbereitet. Er kennt das Zeugnis des Bewerbers genau. Natürlich bohrt er extra nach, denn die Personalchefs der freien Wirtschaft sind ganz unterschiedlich - und manche eben auch etwas neugieriger. Münkel selbst war jahrelang als Personalchef in einem Unternehmen tätig.

Nie mehr blauäugig ins Vorstellungsgespräch

Beim ersten KJR-Termin zwei Wochen vorher, ebenfalls in der Geschäftsstelle in Vöhringen, brachte er den zukünftigen Azubis das Wichtigste über Anschreiben und Lebenslauf näher.

Sie haben anschließend in Heimarbeit eine Bewerbung an eine reale Firma ihrer Wahl verfasst und sie dann an Münkel verschickt. Heute nun der spannendere Teil: die Vorstellungsgespräche mit anschließender Videoanalyse. "Die Erfahrung mit dem Rollenspiel können die Jugendlichen sonst nie machen", sagt Münkel. "Das Ziel ist, dass sie mehr Sicherheit gewinnen, denn Schüler kommen oft blauäugig hierher."

Beim Training wird die Vorstellung authentisch nachgestellt. Ein Schüler sitzt sozusagen auf dem heißen Stuhl, die anderen im Rücken, das Gespräch wird gefilmt, danach gemeinsam besprochen. "Es ist nicht schlimm, dass alle zuschauen", meint Svenja Kling aus Kellmünz. Die 15-jährige Realschülerin hat sich als Industriekauffrau beworben. "Man vergisst die anderen", sagt auch Valentin Gschwind. Die Analyse des 14-Jährigen wird gerade besprochen. Da ist auch ein bisschen Lachen erlaubt und es wird öfter zurückgespult, damit die Schüler Fehler von selbst bemerken und daraus lernen können. Münkel drückt die Pausentaste, wenn Diskussionsbedarf besteht. Natürlich läuft es noch nicht wie am Schnürchen, dafür dann aber beim echten Vorstellungsgespräch umso besser. "Erfahrung ist die Summe der gemachten Fehler" ist das Motto des 58-jährigen Personalberaters.

Und das scheint auch zu stimmen. Die Schüler nehmen die Kritik gerne an und der nächste Kandidat antwortet schon viel ausführlicher auf die bohrenden Fragen des fiktiven Chefs. Ob zu ausführlich, das wird die anschließende Analyse zeigen.

Weitere Termine für Bewerbungstrainings sind am 14. und 28. März sowie am 25. April und 9. Mai jeweils von 9 bis 13 Uhr. Anmeldung und weitere Informationen im Internet unter www.kjr-neu-ulm.de

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren