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Neu-Ulm

19.07.2019

Niemals ohne Maske - Wie Gisela Schäfer mit Schlafapnoe lebt

Ein Atemtherapiegerät steht bei Gisela Schäfer aus Senden immer neben dem Bett – und geht auch mit auf Reisen: Die 75-Jährige leidet an Schlafapnoe, so wie Millionen andere Menschen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Millionen Menschen schnarchen – das kann gefährlich werden. Viele Betroffene haben deshalb ein Atemtherapiegerät an ihrem Bett stehen.

Gisela Schäfer ist eine aktive Frau. Die Sendenerin reist gerne um die Welt, stieg schon auf den Stromboli, kürzlich machte sie Urlaub in Island. Doch egal wohin die Reise geht: Ein kleiner Extra-Koffer muss immer mit, immer ins Handgepäck, damit er auf gar keinen Fall verloren geht. An seinem Inhalt hängen die Gesundheit und das Wohlbefinden der 75-Jährigen.

Sie öffnet den Behälter. Darin ein weißer Kasten, groß wie zwei Eierkartons, dazu ein Schlauch und eine Atemmaske: ein Atemtherapiegerät. Jeden Abend vor dem Einschlafen setzt Schäfer die Maske auf, schaltet das Gerät ein. Sie leidet an Schlafapnoe – und ist Mitglied der Selbsthilfegruppe Schnarchen-Schlafapnoe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau, die sich alle paar Monate im italienischen Lokal am Neu-Ulmer Muthenhölzle trifft.

Wenn die Veranstaltungen stattfinden, ist der Nebenraum des Lokals voll. Bis zu 50 Menschen kämen zu den Treffen, die zumeist vor allem aus medizinischen Vorträgen bestehen, von Schlafmedizinern, Lungen- und HNO-Fachärzten. Die Besucher sind Männer und Frauen, fast alle im Rentenalter. Dabei ist Schlafapnoe kein Phänomen, das nur Ältere angeht, auch wenn diese besonders oft unter ihr leiden. Ärzten zufolge ist jeder zehnte Mann und jede zwanzigste Frau in Deutschland von dieser Erkrankung betroffen, es geht also um Millionen Menschen. Ganz abgesehen davon, dass jeder zweite Erwachsene schnarcht.

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Folgen von Schlafapnoe können gefährlich werden

Das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) – die bei weitem häufigste Form des Atemstillstands im Schlaf, verursacht oder zumindest begünstigt durch verschiedene anatomische (etwa Nasenscheidewandverkrümmung) oder andere (etwa Alkoholkonsum) Ursachen – ist so etwas wie der böse Schwester des Schnarchens. Einfach gesagt, entspannt sich bei OSAS, wie beim Schnarchen, die Muskulatur um die oberen Atemwege im Schlaf zu stark. Mit der Konsequenz, dass die Betroffenen unter Atem-Aussetzern leiden. Diese sind an sich nicht unbedingt gefährlich, ihre Folgen schon. Denn wenn der Atem aussetzt, reagiert der Körper reflexartig, schüttet Stresshormone aus, wobei der Schlafende nicht unbedingt aufwacht. Doch von einem erholsamen Schlaf, der für die Regeneration enorm wichtig ist, kann keine Rede mehr sein. Wer an Schlafapnoe leidet, kommt morgens schlecht aus den Federn, ist tagsüber müde und weniger leistungsfähig. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes steigt. Und nicht selten übermannt einen durch die Müdigkeit ein Sekundenschlaf – dann wird es wirklich gefährlich.

Ernst Bosch, dem Sprecher der Selbsthilfegruppe, ist genau das passiert. Der 75-Jährige aus Nattheim (Landkreis Heidenheim), der vor dem Ruhestand als Bauleiter tätig war, baute wegen Sekundenschlaf einen Unfall. Vielleicht fünf Minuten saß er am Steuer, als er in Niederstotzingen „in der Leitplanke hing“, wie er es erzählt. Ein Warnsignal, das er aber damals nicht als solche erkannte. Erst als er vor etwa 15 Jahren mit Herzrhythmusstörungen zu kämpfen hatte, wurde die Schlafapnoe bei ihm erkannt. Seitdem hat auch er ein Atemtherapiegerät bei sich neben dem Bett stehen. So wie praktisch alle der etwa 75 Mitglieder der Selbsthilfegruppe.

Die Atemtherapiegeräte haben ihre Tücken

Genau um diese Schlafapnoe-Geräte drehen sich viele Vorträge, Diskussionen und Gespräche dort. Die Apparate ermöglichen eine Therapie mittels „Continuous Positive Airway Pressure“-Therapie, kurz CPAP, übersetzt dauerhafter Überdruck in den Atemwegen. Dieser Druck verhindert das zumeist für Apnoe (und Schnarchen) verantwortliche Zusammenfallen der Atemwege. Doch die CPAP-Geräte haben ihre Tücken, müssen erst an den jeweiligen Benutzer angepasst werden. „Ich bin mir vorgekommen wie ein Luftballon oder ein Fußball“, berichtet Ernst Bosch von seiner Anfangszeit.

Es sind vor allem Patienten, die erst seit kurzem die Schlafapnoe-Diagnose haben und entsprechend viele Fragen haben, die bei der Gruppe Hilfe finden – von Menschen, die sich inzwischen gut an die Maske im Bett gewöhnt haben. „Den Ärzten fehlt die Zeit und das Personal, um das Gerät richtig zu erklären“, sagt Bosch. „Deswegen bin ich auch hier gelandet.“ Und bis heute, nach 15 Jahren in der Gruppe, lerne er an den Abend „jedes Mal etwas Neues“.

Sendenerin besitzt sogar zwei Geräte

Heilbar ist die Schlafapnoe mit der Überdruckmaske nicht – mit Operationen teilweise schon. Es gibt verschiedene chirurgische Eingriffe, die helfen können, je nach Ursache. Möglich ist beispielsweise eine operative Straffung des Gaumens oder seit einiger Zeit sogar das Einsetzen eines sogenannten Zungenschrittmachers. Für Gisela Schäfer, die als Pressewart der Selbsthilfegruppe fungiert, kommt das alles nicht in Frage. „Ich kann mit dem Gerät prima leben“, sagt sie. „Da muss eine Operation wirklich nicht sein.“ Die 75-Jährige besitzt sogar zwei Geräte besitzt: eines steht bei ihr zuhause in Senden, ein weiteres, das sie aus eigener Tasche finanziert hat, packt sie ein, wenn sie auf Reisen geht oder zu ihrem Partner fährt. Von der Schlafapnoe lässt sie sich nicht das Leben vermiesen.

Die Selbsthilfegruppe Schnarchen-Schlafapnoe Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau ist über Sprecher Ernst Bosch erreichbar unter 07321/72424.

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