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16.06.2009

Nörgeln über Nepomuks neuen Brunnen

Weißenhorn (kr) - Dass viele Köche den Brei verderben können und dass Kunst nicht mit Mehrheitsbeschlüssen geschaffen werden kann, müsste in der Stadt Weißenhorn seit mindestens zwei Jahrzehnten bekannt sein. Damals mischte sich der Rat nicht unerheblich in die künstlerische Gestaltung des Brunnens auf dem Kirchplatz ein - mit dem Ergebnis, dass der "Röhrenbrunnen" seit zwei Jahrzehnten für wenig schmeichelhafte Kommentare sorgt.

Vor einer vergleichbaren Situation steht der Stadtrat jetzt. Erneut geht es um einen Brunnen, den auf dem neu gestalteten Hauptplatz. Das alte, nach seiner Figur Nepomukbrunnen benannte Kunstwerk, fiel in großen Teilen der Spitzhacke zum Opfer, da historisch wenig wertvoll und ramponiert. Der Säulenheilige ist im Exil beim örtlichen Steinmetz Berschin.

Ersatz für den alten Nepomukbrunnen zu finden ist offenbar nicht einfach, wie sich in jüngster Stadtratssitzung herausstellte. Um eine "Brunnendiskussion" wie vor Jahren erst gar nicht aufkommen zu lassen, war Bürgermeister Dr. Wolfgang Fendt aktiv geworden und hatte die örtliche Bildhauerin Juditha Berschin darum gebeten, sich Gedanken über das Aussehen eines neuen Kunstwerks zu machen. Heraus kamen vier Entwürfe, von denen allerdings nur einer die verwaltungsinterne Vorauswahl überstand, die unter anderem von Fendt, Stadtbaumeister Burkhard Günther und Hauptplatz-Architekt Axel Wolf getroffen wurde. Diesen Entwurf, der aus einem flachen, runden Wasserbecken und einem in der Beckenmitte gelegenen Sockel mit Nepomuk darauf besteht, präsentierte die Künstlerin dem Rat - und musste Zeugin einer ausufernden Diskussion werden, bei der die unterschiedlichsten und unversöhnlichsten Vorstellungen von "Kunst" aufeinanderprallten - trotz der Warnung von Axel Janischowski ( CSU): "Künstlerisches Mittun ist nicht so sehr unsere Stärke."

Der Versuch, den heiligen Nepomuk vom Haupt- auf den Kirchplatzbrunnen umzusiedeln, scheiterte am Willen des "Röhrenbrunnen"-Schöpfers Dr. Friedhelm Amslinger, der auf seinem Urheberrecht beharrte und die Heiligenfigur "ohne berauschende künstlerische Qualität" lieber an die Wand der Pfarrkirche verbannt sehen würde. Für Bruno Simmnacher (PWG) kommt dies angesichts der ideellen Bedeutung des Schutzpatrons für die Bürger ("Nepomuk gehört auf den Hauptplatz") undenkbar. Auch eine von Juditha Berschin vorgeschlagene neue und größere Nepomuk-Statue stieß nicht auf allseitige Gegenliebe. Ernst-Peter Keller (CSU) will keine alte Figur im neuen Brunnen und plädierte dafür, der Künstlerin freie Hand zu lassen. Ähnlich sah es auch Hermann Geiger, SPD, der über ein Gesamtpaket entscheiden und nicht mit vielen Beschlüssen der Bildhauerin ins Handwerk pfuschen will.

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Schon an der Form des Wasserbeckens schieden sich die Geister. Während etwa Planer Wolf und Bürgermeister Fendt rund bevorzugten, wollte Johannes Amann wissen, warum nicht ein achteckiges Becken entstehen soll, gemäß den ursprünglichen Vorstellungen.

Nachdem Jutta Kempter (CSU) auch die restlichen Berschin-Entwürfe sehen wollte, wurde auf Antrag von Bruno Simmnacher die "fast unsinnige Diskussion" (Josef Wanner, CSU) vertagt.

Über Geld war nur am Rande und erst auf Nachfrage von Werner Weiss (WÜW) gesprochen worden. Laut Stadtbaumeister liegt die Höchstgrenze für einen Brunnen bei 300 000 Euro, der Berschin-Entwurf würde circa 100 000 Euro kosten.

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