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Neu-Ulm

16.06.2019

Notfall am Badesee: So handeln Sie richtig

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Die Badesaison ist eröffnet. Weil die Badeseen im Landkreis Neu-Ulm immer beliebter werden, steigt das Risiko von Badeunfällen. Im Ernstfall muss die Wasserwacht schnell handeln, denn Sekunden entscheiden über Leben und Tod.
Bild: Alexander Kaya

Plus Die Wasserwacht Illertissen setzt auf ein neues Konzept: Rund um die Filzinger Seen stehen Notrufschilder. Was dahintersteckt und ob es bald weitere im Kreis gibt.

Offiziell beginnt der Sommer erst am 21. Juni. Trotzdem herrschen schon jetzt teilweise hohe Temperaturen im Landkreis Neu-Ulm. Viele Menschen genießen das schöne Wetter am liebsten an den Seen und Gewässern in der Region. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Badegäste dort in die Höhe gegangen. Und damit steigt auch das Risiko von Badeunfällen. Ein tragischer Unfall hat sich am Wochenende bei Senden ereignet. Für solche Ernstfälle müssen die acht Ortsgruppen der Kreis-Wasserwacht Neu-Ulm gerüstet sein. Dass einiges getan wird, um die Sicherheit an den Seen zu erhöhen, wird an einem Projekt der Ortsgruppe Illertissen deutlich.

Zu deren Zuständigkeitsbereich gehören die beiden Filzinger Badeseen. Dort wurden noch vor Beginn der Badesaison zehn sogenannte Notfallschilder aufgestellt, die sicherstellen sollen, dass sich Rettungskräfte im Falle eines Unglücks möglichst schnell zurechtfinden und zur richtigen Stelle geleitet werden können. Denn bei einem Badeunfall entscheiden oft Sekunden über Leben und Tod. „Wir sind die Ersten im Landkreis Neu-Ulm, die dieses Konzept nutzen“, sagt Jens Voderberg, der seit 37 Jahren Mitglied der Illertisser Wasserwacht ist und das Filzinger Wachteam leitet. Auf den Schildern stehen neben der Notrufnummer und einer einfachen Ortsbezeichnung auch die exakten GPS-Daten des Standorts. Außerdem sind die vier W-Fragen nachzulesen, an denen sich der Anrufer orientieren sollte, um die Rettungskräfte schon vor deren Eintreffen mit möglichst vielen wichtigen Informationen zu versorgen. Sämtliche Daten sind auch bei der Rettungsleitstelle hinterlegt.

Notrufschilder an den Filzinger Badeseen: Daher hatte die Wasserwacht die Idee

Das Konzept sei im Wasserrettungsdienst noch nicht verbreitet, erklärt Voderberg. Die Idee habe ein Kollege angestoßen, der ähnliche Beschilderungen von Rockfestivals kennt. In Naherholungsgebieten des Großraums München gebe es zudem Notrufsäulen, wie sie an Autobahnen üblich sind und die ebenfalls ein schnelles Handeln bei einem Unglück ermöglichen.

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Laut Voderberg sei die Notfallbeschilderung an den Filzinger Badeseen hilfreich, aber auch dringend notwendig. Von Jahr zu Jahr würden mehr Gäste hierherkommen: Voderberg zufolge sollen es während eines guten Sommers rund 10.000 sein. Die einzelnen Liegeflächen würden dadurch immer größer – und auch immer weiter voneinander entfernt. Der komplette Badebereich könne deshalb gar nicht überblickt werden, sagt der Experte: „Außerdem gibt es mehrere verschiedene Anfahrtswege, die die Retter nutzen können.“ Da gelte es, sofort die schnellste Route zu wählen. Ein weiterer Vorteil der Beschilderung am Badesee: Auch ein Teil des Illerradwegs wird abgedeckt. „Wenn dort ein Radfahrer stürzt, können die Tafeln ebenfalls weiterhelfen“, sagt Voderberg.

Unfall am Badesee: Aktiv ohne Hilfsmittel zu helfen kann lebensgefährlich sein

Die neuartigen Notfallschilder kommen auch bei den anderen Wasserwacht-Kollegen im Landkreis gut an. Uwe Henschel, Vorsitzender der Kreiswasserwacht Neu-Ulm, ist von dem Konzept angetan: „Die Schilder sind ein sehr gutes Mittel, um im Einsatzfall schnell an die richtige Stelle des Sees zu gelangen.“ Gerade die Filzinger Badeseen seien sehr unübersichtlich und bestens für diese Art von Info-Tafeln geeignet. Die Kreiswasserwacht möchte die Resonanz auf die aufgestellten Schilder abwarten und nach der Wachsaison im September bewerten. Dann könnten an weiteren Seen im Landkreis gleichartige Schilder folgen, sagt Henschel: „Wir werden gemeinsam mit den Wasserwacht Ortsgruppen besprechen, wo es Sinn macht, solche Hinweisschilder anzubringen.“ In Abstimmung mit den jeweiligen Gemeinden könnten die Wasserwachten dann die Anbringung weiterer Notfallschilder vorantreiben.

Auch Alfons Sailer, Sprecher der Kreiswasserwacht, spricht von einer sehr guten Initiative. Vergleichbare Konzepte gebe es bereits an Donau und Iller. Hier diene die Kilometermarkierung im Ernstfall als Orientierung für die Wasserwacht. Aber auch ohne Schilder gelte es im Notfall einiges zu beachten, erklärt Sailer. So müsse bei einem Notruf die Örtlichkeit möglichst genau beschrieben werden. Und der Anrufer müsse anschließend unbedingt vor Ort bleiben, mindestens bis die Wasserwacht ankommt. Aktiv helfen sei hingegen ohne Hilfsmittel oft lebensgefährlich, warnt Sailer: „Die Opfer entwickeln im Todeskampf übermenschliche Kräfte. Sogar Kinder können Erwachsene mit in die Tiefe zerren.“ Deshalb rät er den Helfern, Abstand zu halten.

Grundregeln für das Baden am Badesee: Kein Alkohol, keine unbekannten Gewässer

Um erst gar nicht in eine Notlage zu geraten, sollten einige Grundregeln beachtet werden, betont Sailer. Gerade jetzt, wenn das Wasser noch besonders kalt ist, sei es dringend nötig, sich vor dem Sprung ins kalte Nass abzukühlen. Sonst drohen Kreislaufprobleme, im schlimmsten Fall Herzstillstand. Von unbekannten Gewässern sollten Wasserratten generell die Finger lassen. Baden mit vollem Magen oder unter Alkoholeinfluss ist ebenfalls tabu.

In unserem Podcast erzählt ein Retter der Wasserwacht von seinem harten Job - und wie ihm sein Hund dabei hilft, Leben zu retten. Mehr Infos finden Sie hier.

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