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Landkreis Neu-Ulm/Ulm

19.03.2020

Oberbürgermeister wettert gegen Corona-Ignoranten

Jetzt werden auch in Neu-Ulm die ersten Schutzmaskenträger gesichtet.
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Jetzt werden auch in Neu-Ulm die ersten Schutzmaskenträger gesichtet.
Bild: Alexander Kaya

Gunter Czisch sagt: Diese Leute haben den Schuss nicht gehört. Unterdessen rüstet sich der Kreis Neu-Ulm für einen Patientenanstieg und macht die Illertalklinik zum Notfallkrankenhaus

Die Kanzlerin hat das Wort Ausgangssperre in ihrer Fernsehansprache am Mittwochabend vermieden. Doch das tun andere Politiker mittlerweile nicht mehr. Etwa der Vöhringer Bürgermeister Karl Janson. Weil die Virusgefahr immer noch unterschätzt werde, forderte er seine Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, Verantwortung zu zeigen: „Ansonsten wird eine das private und öffentliche Leben sehr einschneidende Ausgangssperre unumgänglich sein.“ Noch einen Zacken drastischer drückt sich der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch aus, denn es gibt immer noch Menschen, die Corona-Partys feiern. Er findet das unverantwortlich und sagt, jetzt noch private Partys zu feiern, sich gegenseitig einzuladen oder in Gruppen durch die Stadt zu flanieren, zeuge von maximaler Ignoranz und Verantwortungslosigkeit. „Diese Leute haben den Schuss nicht gehört.“ Es seien oftmals gerade die Jüngeren, die so tun, als gehe sie das alles gar nichts an. „Junge Menschen unter 20 erkranken wohl tatsächlich seltener schwer, aber sie stecken überdurchschnittlich viele andere an“, sagt Czisch, darum sei ihr Verhalten besonders riskant. „Es gibt keine Treffen mehr. Null!“

Kommt die Corona-Ausgangssperre? Czisch warnt eindringlich

Unterdessen hat der Landkreis Neu-Ulm einen Stufenplan aufgelegt, um die Betreuung der Infizierten sicherzustellen. Damit lassen sich auch die Klinikkapazitäten rasch ausweiten. Im Einzelnen sieht das Vorgehen so aus:

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Phase eins: Die Stiftungsklinik Weißenhorn wird zunächst zentral für die Aufnahme von Corona-Patienten vorbereitet. Dazu werden Betten von der Illertalklinik dorthin geschafft, um die Kapazität zu erhöhen. Zugleich richtet der Landkreis im ehemaligen Claretinerkolleg in Weißenhorn, das wegen seiner regulären Nutzung als Tagungsstätte mit Betten ausgerüstet ist, eine Notklinik für Corona-Patienten mit leichteren Krankheitsverläufen ein. Die Konzentration auf den Standort Weißenhorn sei in einem ersten Schritt logistisch und medizinisch sinnvoll, da hier Personal, Material und Räumlichkeiten sehr gut konzentriert werden könnten, heißt es in einer Erklärung des Landratsamtes.

Illertalklinik wird nicht geschlossen

Phase zwei: Die geriatrische Rehabilitation in Illertissen läuft zum 31. März vorerst aus. Für die Patienten, die wegen ihres Alters und der in der Regel vorhandenen Vorerkrankungen zur Hochrisikogruppe zählen, heißt das: Sie werden „behutsam und koordiniert“ nach Hause verlegt. Damit komme man der Empfehlung nach, dass sich gerade dieser Personenkreis, soweit es möglich ist, in seinem häuslichen Umfeld aufhalten und Kontakte zu anderen Menschen minimieren soll. Der Landkreis versichert: „Die Illertalklinik wird selbstverständlich nicht geschlossen.“ Die chirurgische Ambulanz und die zum Gesundheitszentrum gehörende gynäkologische Praxis seien weiterhin zu den bisher gültigen Öffnungszeiten verfügbar. Dadurch, dass die geriatrische Rehabilitation vorerst ausläuft, entstehen weitere Kapazitäten für die Versorgung von Corona-Erkrankten, die sich stationär behandeln lassen müssen. Davon erhofft sich die Landkreisverwaltung eine Steigerung der Bettenkapazitäten um 75 Prozent.

Notfallklinik im Hotel

Phase drei: Ob diese Phase überhaupt zum Tragen kommt, hängt davon ab, wie sich die Pandemie entwickelt. Sollte die Zahl der Infizierten stark ansteigen, würde das aktuell leer stehende Hotel Golden Tulip direkt neben der Donauklinik zum Notfallkrankenhaus umgerüstet werden. Derzeit steigt zwar die Zahl der Neuinfektionen, aber nicht sehr stark. Am Donnerstag meldete das Gesundheitsamt 21 bestätigte Fälle von Corona-Erkrankten. Das waren drei mehr als am Tag zuvor. Nach derzeitigem Stand ist nicht vorgesehen, Infizierte in der Donauklinik zu behandeln. Sie soll Menschen mit anderen Erkrankungen vorbehalten bleiben. Außerdem ist dort die Geburtshilfe untergebracht.

Die mobile Teststation ist da

Nunmehr gibt es im Landkreis auch eine mobile Teststation. Sie wird am heutigen Freitagmittag in der Sendener Feuerwehr in Betrieb genommen. Allerdings kann sich nicht jeder dort testen lassen, sondern nur, wer vom Arzt ausdrücklich dort hingeschickt wird.

Info Das Landratsamt Neu-Ulm hat ein Bürgertelefon für Fragen zum Coronavirus geschaltet. Die Telefonnummer lautet 0731/7040-5050. Sie ist Montag bis Sonntag von 8 bis 17 Uhr zu erreichen. Weil mit einer weiteren Verbreitung des Virus gerechnet wird, bittet das Landratsamt erneut alle Menschen, die über medizinische und pflegerische Sachkenntnis verfügen, aber derzeit nicht im Gesundheitssektor arbeiten, sich unter der Telefonnummer 07309/870-1511 zu melden. Sie könnten das Personal in den Praxen und Kliniken entlasten.

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