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Neu-Ulm

18.01.2019

Ökumenische Wohnungslosenhilfe will Türen öffnen

Die Diakonische Werk Neu-Ulm kümmert sich unter anderem auch um Menschen, denen der Verlust ihrer Wohnung droht – und um diejenigen, die bereits keine Wohnung mehr haben.
Bild: Andrea Warnecke/dpa (Symbolbild)

Die ökumenische Wohnungslosenhilfe kümmert sich um Menschen im Landkreis, die bald obdachlos sein könnten oder es bereits sind. Das Problem nimmt immer mehr zu.

Manchmal kann es ganz schnell gehen: Die Miete steigt nach einer Renovierung, auf einmal flattert ein Brief mit einer Stromnachzahlung ins Haus und dann gibt auch noch das Auto des Geist auf und eine teure Reparatur steht an. Auch für arbeitende Menschen kann diese finanzielle Belastung dann zu viel werden. „Und dann wird eben die Miete nicht bezahlt – und dann geht es los“, erzählt Susanne Deininger. Sie leitet die ökumenische Wohnungslosenhilfe, die Menschen im Landkreis unterstützt, denen der Wohnungsverlust droht oder die bereits davon betroffen sind. Im Rahmen des fünfjährigen Bestehens der Einrichtung, deren Träger das Diakonische Werk Neu-Ulm und der Caritasverband für die Region Günzburg/Neu-Ulm sind, richtet die Wohnungslosenhilfe nicht nur eine Veranstaltung in der kommenden Woche aus, sondern will vor allem darauf aufmerksam, machen, dass die Zahl der Obdachlosen stetig ansteigt.

Die Obdachlosigkeit sei mittlerweile in der Mittelschicht angekommen, betont Deininger. Im vergangenen Jahr wurden 15 Frauen beraten, die allein wegen einer Trennung in solche Schwierigkeiten gekommen sind. Hinzu kommt: Wegen der Wohnungsknappheit wird es immer schwieriger, wieder eine Wohnungs zu finden. Hinzu kommt: „Es gibt auch immer weniger Menschen, die ihre Wohnung kündigen“, sagt Deininger. Und vor 30 Jahren sei auch städteplanerisch zudem nicht so geplant worden, dass es so viele Alleinwohnende gibt.- Grundsätzlich müssen sich die jeweilige Stadt beziehungsweise Kommune darum kümmern, Wohnungslose unterzubringen. Das geschieht entweder in einer der Unterkünfte, manchmal wird auch vorübergehend die Wohnung beschlagnahmt, aus der der Betroffene eigentlich ausziehen müsste.

Wohnungslosenhilfe: Je früher man sich meldet, desto besser

Die ökumenische Wohnungslosenhilfe gliedert sich in drei Teile: die Beratungsstellen für Wohnraumerhalt, die Sozialberatung Nuißlheim sowie die Obdachlosenarbeit Senden. Deininger arbeitet in der Neu-Ulmer Beratungsstelle für Wohnraumerhalt. Hier geht es darum, eine Obdachlosigkeit zu verhindern. Dafür stünden die Chancen umso besser, je früher jemand die Beratung in Anspruch nehme, bevor tatsächlich eine Räumungsklage im Raum stehe. „Am tollsten wäre es natürlich, wenn sich der Vermieter bei uns meldet“, so Deininger. Viele wüssten nicht, dass es ein solches Beratungsangebot gibt – oder, dass es kostenlos ist. Deininger fügt hinzu: „Ich würde mir den Mut von Vermietern wünschen, auch an Menschen zu vermieten, wo die Sicherheit nicht so da ist und unsere Klienten eine Chance bekommen.“ Sie habe schon erlebt, dass manche ihre Wohnungen lieber leer stehen ließen.

Gründe, warum jemand seine Wohnung verliert, gibt es viele

Warum Menschen ihre Wohnung verlieren, dafür gebe es viele Gründe, so Dietmar Merz, der für die Sozialberatung in der Neu-Ulmer Obdachlosenunterkunft Nuißlheim zuständig ist: „Es ist schwierig, ein Bild vom typischen Obdachlosen zu zeichnen – den gibt es einfach nicht.“ Eine Trennung, ein verlorener Arbeitsplatz, ein auftretendes Suchtproblem, psychische Erkrankungen – irgendwann kümmere man sich dann nicht mehr um die Miete, halte keinen Kontakt zum Vermieter. „Es gibt tatsächlich Leute, die leeren dann ihren Briefkasten nicht mehr“, sagt Merz. Da müsse man die Leute auch bei der Hand nehmen – und zunächst einmal einen guten Kontakt zu ihnen aufbauen. Gerade Männer täten sich schwer, Hilfe zu holen. „Es gilt, dass man dran bleibt an den Leuten.“ Gemeinsam mit ihnen auch zu Besichtigungsterminen, ins Bürgerbüro oder der Drogenberatung gehe. Denn das Hauptziel ist, die Betroffenen wieder in die Gesellschaft einzugliedern und eine neue Wohnung für sie zu finden. Dennoch: „Es gibt auch langjährige Suchtkranke, bei denen auch klar ist: Die werden es nicht mehr in eine eigene Wohnung schaffen“, sagt Merz.

Die Jubiläumsfeier zum fünfjährigen Bestehen der ökumenischen Wohnungslosenhilfe findet am Freitag, 25. Januar, im Dietrich Theater statt. Beginn ist um 18 Uhr. dann wird zunächst der Film „Draussen“, der von vier Obdachlosen handelt, die in Köln auf der Straße leben. Anschließend geht es von 20 bis 21 Uhr bei einer Gesprächsrunde um die Situation in Neu-Ulm und die Vermeidung von Obdachlosigkeit. Tickets für die Veranstaltung gibt es an der Kinokasse.

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