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Rallye

13.04.2013

Ohne Navi durch den Wüstensand

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Egon Gross (ganz links) und sein „Team Weltenbummler“. Auf einer Internetseite wollen die Mitglieder über ihre Fahrt berichten.

Egon Gross sorgt in Senden für Sicherheit und Ordnung. Nun sucht der 65-Jährige ein Abenteuer im Orient

Senden Für viele Sendener ist Egon Gross kein Unbekannter – seit zwölf Jahren ist er im Dienste der Sicherheitswacht auf den Straßen und Plätzen der Stadt unterwegs. Schon bald aber wird der 65-Jährige pausieren, denn mit fünf weiteren Mitstreitern bricht er Ende April zur Allgäu-Orient-Rallye auf, die das Team bis nach Jordanien führt.

Im Moment, berichtet Gross, sind die Fahrer dabei, ihre drei Autos für die große Fahrt auszurüsten. In Zweierteams werden sie die Mercedes besetzen, die „mindestens 20 Jahre auf dem Buckel haben“, wie Gross berichtet. Schließlich gelten für die Allgäu-Rallye besondere Regeln. Eine davon besagt, dass die Autos nicht mehr als 1111 Euro wert sein dürfen. Und auch in anderer Hinsicht wird es den Teilnehmern nicht ganz leicht gemacht, denn sowohl GPS- als auch Navigationsgeräte sind verboten, Autobahnen und Mautstraßen sind zu meiden. Geregelt ist auch, dass Übernachtungen nicht mehr als elf Euro kosten dürfen.

In Syrien verhaftet und einen Tag in Gewahrsam genommen

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Auf die Reise macht sich Gross zusammen mit Georg Prim, Herbert Schieber, Gerhard Weinmüller, Karlheinz Berger und Gerhard Solfrank, die alle aus Bad Grönenbach stammen. Sie bilden das „Team Weltenbummler“, dessen Mitglieder es – gemeinsam – auf ein Alter von 403 Jahren bringen, wie Gross schmunzelnd berichtet. Für Gross ist es bereits das zweite Mal, dass er sich an dieser abenteuerlichen Rallye beteiligt, für die der Startschuss am 27. April in Oberstaufen fällt. Schon 2007 war er dabei und ist begeistert von der Gastfreundschaft, den Ländern und den Leuten, die er damals getroffen hat.

Doch er weiß auch, dass es unliebsame Überraschungen geben kann. So wurden er und seine Begleiter bei ihrer letzten Rallye in Syrien von der Straße weg verhaftet und einen Tag in Gewahrsam genommen. „Uns wurde unterstellt, wir wollten unsere Autos im Land verkaufen“, erzählt Gross. In Polizeibegleitung wurde das Team schließlich zur Grenze gebracht und setzte seine Fahrt außerhalb Syriens fort. Die Route über Syrien ist, der unsicheren Lage wegen, dieses Mal ohnehin nicht vorgesehen. Über Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien geht es zunächst nach Istanbul, wo die Fahrer eine „Sensation“ erwartet, wie Gross berichtet. Denn die Teilnehmer dürfen ihr Lager drei Tage lang zwischen zwei berühmten Moscheen der Stadt, der Hagia Sophia und der Blauen Moschee, aufschlagen. Weiter geht’s dann über den Berg Ararat, Ankara und Zypern nach Haifa in Israel, schließlich durch Palästina nach Jordanien. Bei der Siegerehrung winkt als erster Preis ein Kamel. „Wir haben einen Tierarzt dabei, der könnte das vielleicht sogar unterbringen“, witzelt Gross.

Nicht nur die Fahrt, sondern auch verschiedene Aufgaben warten bei dieser Rallye, die aber bleiben größtenteils bis zum Start geheim. Oft seien das Aufgaben, die die Fahrer mit den Einheimischen in Kontakt bringen, weiß Gross. „Der humanitäre Gedanke, die Völkerverständigung und der Spaß“ seien seine Motivation für die Rallye, die die Fahrer nicht nur Einsatz, sondern auch Geld kostet. Mehrere Tausend Euro kämen da pro Fahrer zusammen, erzählt Gross.

Sicher ist, dass die sechs mit vollgepackten Wagen starten werden, denn neben Werkzeug und Ersatzteilen müssen auch Kleidung, Campingausrüstung, Funkgeräte und Nahrungsvorräte Platz finden. Dazu kommt noch die Gitarre, die sie bis Istanbul mitnehmen, was eine der Aufgaben darstellt, die die Fahrer erfüllen müssen. Die mitgebrachten Instrumente nämlich sollen an dortige Musikschüler verteilt werden. Und eine alte Schreibmaschine kommt noch mit, die das Team in der jordanischen Hauptstadt Amman an eine junge Autorin übergeben will. Gross hatte von deren Wunsch in einer Zeitschrift gelesen und den Kontakt hergestellt.

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