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Gedenken

21.04.2012

Ohne Stein und ohne Grab

Gedenkfeier zum Jom HaShoah des Fördervereins neue Synagoge Ulm. Ganz links: Rabbiner Shneur Trebnik.
Bild: Gerrit-R. Ranft

Die „verschwundenen Toten“ der israelitischen Gemeinde Ulms

Ulm Am jüdischen Gedenktag „Jom HaShoah“ hat der „Förderverein zur Unterstützung des Baues einer neuen Synagoge in Ulm“ in sehr kleinem Kreis auf dem Ulmer Hauptfriedhof an die 42 „Displaced Persons“ jüdischen Glaubens erinnert, die nach Kriegsende in Lagern um Ulm gestorben sind. Das Gedenken könnte zur Tradition werden.

Jom HaShoah bezeichnet, wie Christof Maihoefer als stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins in seiner Ansprache vortrug, jenen Tag, an dem vor 69 Jahren der Aufstand im Warschauer Getto niedergeschlagen wurde – nach dem gregorianischen Kalender der 19. April, nach dem jüdischen der 27. Nissan. „Warum an diesem Tag nun noch eine Feier?“, fragte sich Maihoefer, um auch gleich die Antwort zu geben: „Weil die Menschen im Getto mit ihrem Widerstand ausgedrückt haben, dass sie nicht alles mit sich machen lassen wollten.“ Der Tag Jom HaShoah sei aber auch der „Tag der Opferrolle“.

Die Teilnehmer an der Gedenkfeier auf der jüdischen Abteilung des Ulmer Friedhofs hatten zuvor 42 Grablichter zwischen den alten Gedenksteinen aufgestellt und entzündet. Sie sollten an 42 Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die nach Ende de Zweiten Weltkriegs in der Ulmer Umgebung gestrandet und gestorben waren. Als „Displaced Persons“ konnten oder wollten sie aus persönlichen oder politischen Gründen nicht ihre zumeist osteuropäischen Heimatländer zurückkehren. „Es ist erschütternd“, sagte Maihoefer, „wie wenig über diese Toten bekannt ist.“ Weil ihre letzte Ruhestätte meist nicht einmal mit einem Grabstein versehen oder anders markiert wurde, setzte der Förderkreis seine 42 Lichter in vier Reihen zwischen ältere Gräber.

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„Was wir Menschen auf Erden bewegen können“

Förderkreisvorsitzende Ortrud Bäumlein nannte es erschreckend, was Menschen einander antun könnten. „Wir müssen uns immer vergegenwärtigen, dass wir miteinander und nicht gegeneinander handeln sollen und dass wir uns gegen das wehren, was gegen das Leben gerichtet ist.“

Zum Ende der kleinen Feier betete Rabbiner Shneur Trebnik das „Kaddish“ zu Deutsch „Heilig“. Es handle davon, erklärte Trebnik anschließend in deutscher Sprache, „was wir Menschen auf Erden bewegen können“. Es gelte vor allem den Gestorbenen, die auf Erden nicht mehr wirken könnten, weshalb an ihrer Stelle nun die Lebenden für sie die guten Taten bewirken müssten.

Der Förderkreis möchte, wie Schatzmeisterin Petra Bergmann auf Befragen äußerte, die Gedenkfeier durchaus zu einer regelmäßigen Veranstaltung entwickeln. Doch müsse zuvor Einigkeit über das Datum erzielt werden. Jom HaShoah falle schließlich nur alle dreizehn Jahre als 19. April mit dem 27. Nissan zusammen. (grr)

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