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Konzert

13.02.2019

Olaf Bossi und die Ironie des Alltags

Liedermacher mit Humor: Olaf Bossi im „Fiddler’s Green“.
Bild: Andreas Brücken

Der Stuttgarter schreibt Songs für Schlagerstars. In Pfaffenhofen zeigt er sich ganz anders

Als dankbarer Gastgeber erweist sich Olaf Bossi bei seinem Auftritt im Pfaffenhofer „Fiddler’s Green“: „Schön, dass Sie mir zuhören, das ist man als verheirateter Mann und Vater von zwei Kindern nicht gewohnt.“ Ein aufmerksames Ohr hat der Comedian mit der Gitarre allemal verdient, als er mit seinem Programm „Harmoniesüchtig“ über den Alltagsstress einer Familie berichtet: „Meine Frau und ich sind wie Sonne und Mond – wir sind nur selten zur gleichen Zeit zu sehen.“

Mit einer gehörigen Portion Selbstironie singt der Stuttgarter Bossi „wir sind die schlechtesten Eltern der Welt“: „Warum tragen alle Kinder im Winter Mützen und unsere werfen ihre in die Pfützen?“ Eltern hätten es ohnehin schwer, als erste Gerneration, die Digital Natives erziehen sollen, ohne zu wissen, was richtig oder falsch ist, meint Bossi. Auch sonst bekommen die Besucher im Irish Pub einiges vom Familienleben des deutsch-italienischen Sängers, der mit zweitem Vornamen Roberto heißt, mit: „Mein Vater erzählt allen Menschen in Deutschland, wie schön es in seiner Heimat ist. In Italien erzählt er dann, wie schön es in Deutschland ist.“ Das (etwas zu) häufig beanspruchte Klischee um die Unterschiede zwischen Mann und Frau besingt der Liedermacher mit den Zeilen: „Frauen brauchen 1000 Schuhe um ihre Frau zu stehen – Einem Mann reichen drei, zwei davon bleiben im Schrank.“

Der 47-jährige Bossi beschreibt in einer humorvollen und sympathischen Art, wie der Alltag jeden Menschen mit all seinen Fehlern und Zweifeln immer wieder herausfordert. Mit seinen ironischen Texten setzt er die ungeschönte Realität in Szene und zeichnet damit einen erfrischenden Gegenentwurf zu den hochglänzenden Werbefiguren der schillernden Fernsehwelt. Wo Harmonie draufsteht, sei oft nur Stress drin, behauptet Bossi: „Die Liebe ist voller Kompromisse, die Kinder machen, was sie wollen, und die besten Freunde lassen sich plötzlich ‚glücklich‘ scheiden.“

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Bei so viel Ironie ist es fast erstaunlich, dass Bossi einer der erfolgreichsten Schlagerautoren Deutschlands ist: Für Maite Kelly, Beatrice Egli oder die Dorfrocker schreibt der Musiker regelmäßig Hits. Mit dem Dance-Projekt Das Modul platzierte sich der Musiker in den 1990er Jahren sogar weit vorne in den Single-Charts. Die meisten im „Fiddler’s Green“ sind aber sicher dankbar, dass sie an diesem Abend die andere, sanfte und kluge Seite dieses Musikers erleben dürfen.

Das nächste Konzert im „Fiddler’s Green“ am Samstag, 16. Februar, mit Heaven in Hell ist ausverkauft. Weiter geht es am Donnerstag, 21. Februar, um 20.30 Uhr mit der nächsten Runde von „Pubheimer“, dann mit Josua Konrad und Tobias Conzelmann.

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